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Erntebrot startet Planinsolvenz – Filialen im Raum Oschatz bleiben vorerst

Großbäckerei Erntebrot startet Planinsolvenz – Filialen im Raum Oschatz bleiben vorerst

Die Döbelner Großbäckerei Erntebrot steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die drei Filialen des Unternehmens in Oschatz und jeweils eine Filiale in Dahlen und Mügeln sollen aber vorerst erhalten bleiben. Bis zum Weihnachtsgeschäft soll die Sanierung abgeschlossen sein.

Im Döbelner Stammsitz werden die Teiglinge vorbereitet.

Quelle: Foto: Sven Bartsch

Döbeln/Oschatz/Dahlen/Mügeln. Die Döbelner Großbäckerei Erntebrot hat vor dem Amtsgericht Chemnitz einen Antrag auf ein gerichtliches Sanierungsverfahren gestellt. Die Gesellschaft, die aktuell 347 Mitarbeiter beschäftigt, steckt in einer wirtschaftlichen Schieflage. In Oschatz betreibt Erntebrot drei Filialen, in Dahlen und Mügeln jeweils eine. „Zum jetzigen Zeitpunkt“, so Prokuristin Elke Lehmann am Dienstag auf OAZ-Anfrage, könne sie keine Aussagen zur Zukunft der Standorte im Raum Oschatz treffen. „Ich sehe da aber keine große Bewegung“, sagte sie. Sicher sei jedoch, dass es keinen größeren Personalabbau geben werde, so Lehmann.

Die aktuelle Krise resultiert insbesondere aus einem verschärften Wettbewerb und darüber hinaus aus einer geänderten Geschäftspolitik verschiedener Supermarktketten, die auf eigene Backshops setzen, statt auf das Bäckerhandwerk in der Vorkassezone. Die Geschäftsführung hat hierauf unmittelbar reagiert und bereits 2015 die ersten Schritte zur Sanierung des Unternehmens eingeleitet. Erntebrot hat sich in den letzten Monaten von 40 unrentablen Filialen getrennt.

Allerdings belasten etwa länger laufende Mietverträge noch das Betriebsergebnis. Nach intensiver Abwägung aller in Betracht kommenden Sanierungsoptionen haben sich die Geschäftsführer Alexander Großmann und Elke Lehmann deshalb dazu entschlossen, mit dem Ziel des Erhaltes und der Fortführung des Unternehmens beim Amtsgericht Chemnitz einen Eigenantrag auf Eröffnung eines gerichtlichen Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung zu stellen. Die bereits eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen sollen im Rahmen dieses Verfahrens zu Ende geführt werden.

Die Geschäftsführung wurde durch den Sanierungsspezialisten, Rechtsanwalt Stefan Ettelt, von der Kanzlei Kulitzscher & Ettelt maßgeblich begleitet. Die Döbelner Kanzlei hat bereits bundesweit mehr als 107 Insolvenzverfahren initiiert. Das Amtsgericht Chemnitz kam den Anträgen von Erntebrot bereits nach und ordnete die vorläufige Eigenverwaltung an.

Zum vorläufigen Sachwalter der Erntebrot GmbH wurde der Chemnitzer Rechtsanwalt Dr. Dirk Herzig von der bundesweit tätigen Kanzlei Schultze & Braun eingesetzt. Rechtsanwalt Herzig ist Spezialist auf dem Gebiet der Sanierung mittels Sanierungsplan und kann bereits auf zahlreiche erfolgreiche Unternehmenssanierungen, auch in der Bäckereibranche, zurückblicken. Das Gericht hat einen vorläufigen Gläubigerausschuss bestellt. „Der Gläubigerausschuss hat uneingeschränkt der Fortführung des Geschäftsbetriebes zugestimmt. Die Gesellschaft wird jetzt mit ihren Beratern und in enger Abstimmung mit dem vorläufigen Sachverwalter einen Sanierungsplan erstellen und alle Weichen für eine positive Zukunft von Erntebrot stellen“, ist Rechtsanwalt Stefan Ettelt optimistisch.

Der Geschäftsbetrieb läuft bis dahin in gewohnter Weise weiter. Die Geschäftsführung ist durch die vorläufige Eigenverwaltung uneingeschränkt handlungsfähig. „Unser ehrgeiziges Ziel ist, bis zum Weihnachtsgeschäft das Sanierungsverfahren abzuschließen“, so Ettelt. „In enger Abstimmung mit den Gläubigern, wollen wir das Unternehmen stabilisieren, notwendige Teilbereiche neu strukturieren und die Arbeitsplätze im Unternehmen erhalten“, sagt Geschäftsführer Alexander Großmann. Die Geschäftsführung werde dabei von den Mitarbeitern, aber auch von langjährigen Partnern, wie Lieferanten und Auftraggebern, unterstützt.

Erntebrot hat sich in Sachsen und darüber hinaus einen guten Ruf erarbeitet. Das spezialisierte Unternehmen beliefert über 70 eigene Filialen mit Brot- und Backwaren. Vor fast genau zwei Jahren übergab der im Januar verstorbene Firmengründer Albrecht Großmann (69) den Betrieb in die Hände seines Sohnes Alexander Großmann (40) und seiner langjährigen Prokuristin Elke Lehmann. 1992 hatte Albrecht Großmann die damalige Konsumbäckerei von der Treuhand übernommen.

Von Thomas Sparrer und Frank Hörügel

Döbeln/Oschatz/Dahlen/Mügeln 51.1229322 13.1167196
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