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Erschreckte Blicke und verständnisloses Kopfschütteln

Erschreckte Blicke und verständnisloses Kopfschütteln

Ein Mensch läuft durch dunkle Straßen. Verwackelte Bilder zeigen immer wieder leere Einfahrten, bis sich die Person auf einmal auf laute Musik zubewegt. Ein Blick nach rechts - und eine kurze Schrecksekunde später erkennt man die bedrohlich wirkenden Gestalten.

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Peter Ohlendorf (2.v.l.) im Gespräch mit Miro Jennerjahn (l.), Stephan Meister und Monika Lazar.

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Erschreckte Blicke und verständnisloses Kopfschütteln im Publikum sind die häufigsten Reaktionen, wenn Filmemacher Peter Ohlendorf seinen Film "Blut muss fließen" zeigt. So war es auch am Dienstagabend im E-Werk. Der Filmtitel - nach einem verbotenen Lied aus der Rechtsrock-Szene - zog zahlreiche Oschatzer in die Lichtstraße. Sie wollten sich informieren, und sie wollten Zivilcourage zeigen.

 

"Ich habe mich verkleidet, typische Kleidung eines Neonazis, um nicht aufzufallen", erklärte Ohlendorf, der trotz Problemen bei der Finanzierung des Projektes Jahre damit verbracht hat, immer tiefer in die Musik-Szene von Nazis aus ganz Europa einzudringen. Trotz ruhiger Erklärungen der Filmstimme merkte man, wie groß die Angst vor dem Auffliegen der Tarnung war. Oft zittert die Hand von Ohlendorf, wenn er eine verbotene CD vor die Linse hält. Die Zuschauer in der alten Schaltwarte konnten das gut nachempfinden.

 

Die Kamera im Knopfloch des Poloshirts liefert keine Hochglanzbilder, vermittelte aber einen authentischen Eindruck davon, wie man sich fühlt, wenn man in diese Parallelwelt eintaucht. Doch Ohlendorf begnügt sich nicht damit, die Stereotypen des ostdeutschen Nazis zu beleuchten. Er will zeigen, wie stark Musik und die rechte Szene miteinander vernetzt sind und wie gezielt sie als Lockmittel für Neueinsteiger eingesetzt wird. Wie weit diese Szene über die deutschen Grenzen hinweg agiert, wurde bei seinen zahlreichen Auslandsaufenthalten klar. Ungarn, Österreich, Schweiz und Großbritannien - laut Ohlendorf alles Hochburgen für ungestörte Rechtsrock-Partys.

 

Doch neben seiner Verkleidung als Nazi spielte Ohlendorf noch eine zweite Rolle. Als Journalist, der Heino ähnelte, zog er durch die Pressekonferrenzen der Republik und interviewte - passend zum Thema - sowohl Politiker als auch Musik-Experten und Gegner der rechten Szene.

 

Als das Licht im Saal aus ging, zog es viele Zuschauer erst einmal an die frische Luft: schwere Kost für einen Dienstagabend. Um das Gesehene zu verarbeiten und sich auch mit Experten und Filmemacher austauschen zu können, bot das E-Werk im Anschluss noch eine Diskussionsrunde an. Der O-Ton war schon vorher klar. "Das darf und kann nicht unter uns passieren", schienen die Gesichter der Zuschauer zu sagen.

 

Für die Sicherheit der Besucher und anwesenden Politiker Miro Jennerjahn und Monika Lazar (Bündnis 90/Die Grünen) war den ganzen Abend gesorgt. An der Einfahrt zur Lichtstraße hatten sich mehrere Fahrzeuge der Polizei postiert. So kam es gar nicht erst zu den befürchteten Störungen durch die rechte Szene.

Janett Petermann

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