Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Erschreckte Blicke und verständnisloses Kopfschütteln
Region Oschatz Erschreckte Blicke und verständnisloses Kopfschütteln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:52 22.01.2014
Peter Ohlendorf (2.v.l.) im Gespräch mit Miro Jennerjahn (l.), Stephan Meister und Monika Lazar.

Erschreckte Blicke und verständnisloses Kopfschütteln im Publikum sind die häufigsten Reaktionen, wenn Filmemacher Peter Ohlendorf seinen Film "Blut muss fließen" zeigt. So war es auch am Dienstagabend im E-Werk. Der Filmtitel - nach einem verbotenen Lied aus der Rechtsrock-Szene - zog zahlreiche Oschatzer in die Lichtstraße. Sie wollten sich informieren, und sie wollten Zivilcourage zeigen.

"Ich habe mich verkleidet, typische Kleidung eines Neonazis, um nicht aufzufallen", erklärte Ohlendorf, der trotz Problemen bei der Finanzierung des Projektes Jahre damit verbracht hat, immer tiefer in die Musik-Szene von Nazis aus ganz Europa einzudringen. Trotz ruhiger Erklärungen der Filmstimme merkte man, wie groß die Angst vor dem Auffliegen der Tarnung war. Oft zittert die Hand von Ohlendorf, wenn er eine verbotene CD vor die Linse hält. Die Zuschauer in der alten Schaltwarte konnten das gut nachempfinden.

Die Kamera im Knopfloch des Poloshirts liefert keine Hochglanzbilder, vermittelte aber einen authentischen Eindruck davon, wie man sich fühlt, wenn man in diese Parallelwelt eintaucht. Doch Ohlendorf begnügt sich nicht damit, die Stereotypen des ostdeutschen Nazis zu beleuchten. Er will zeigen, wie stark Musik und die rechte Szene miteinander vernetzt sind und wie gezielt sie als Lockmittel für Neueinsteiger eingesetzt wird. Wie weit diese Szene über die deutschen Grenzen hinweg agiert, wurde bei seinen zahlreichen Auslandsaufenthalten klar. Ungarn, Österreich, Schweiz und Großbritannien - laut Ohlendorf alles Hochburgen für ungestörte Rechtsrock-Partys.

Doch neben seiner Verkleidung als Nazi spielte Ohlendorf noch eine zweite Rolle. Als Journalist, der Heino ähnelte, zog er durch die Pressekonferrenzen der Republik und interviewte - passend zum Thema - sowohl Politiker als auch Musik-Experten und Gegner der rechten Szene.

Als das Licht im Saal aus ging, zog es viele Zuschauer erst einmal an die frische Luft: schwere Kost für einen Dienstagabend. Um das Gesehene zu verarbeiten und sich auch mit Experten und Filmemacher austauschen zu können, bot das E-Werk im Anschluss noch eine Diskussionsrunde an. Der O-Ton war schon vorher klar. "Das darf und kann nicht unter uns passieren", schienen die Gesichter der Zuschauer zu sagen.

Für die Sicherheit der Besucher und anwesenden Politiker Miro Jennerjahn und Monika Lazar (Bündnis 90/Die Grünen) war den ganzen Abend gesorgt. An der Einfahrt zur Lichtstraße hatten sich mehrere Fahrzeuge der Polizei postiert. So kam es gar nicht erst zu den befürchteten Störungen durch die rechte Szene.

Janett Petermann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zur großen Dampfershow mit Maxi Arland und vielen anderen Stars wird heute, ab 16 Uhr in das Thomas-Müntzer-Haus Oschatz eingeladen. Die Veranstaltung ist ausverkauft.

22.01.2014

Zufälle spielen im Leben, egal ob man den beruflichen Werdegang, die Familie oder auch Hobbys von Menschen betrachtet, oft eine große Rolle. So kam Jürgen Wolf auch durch Zufall zur Mügelner Sportgemeinschaft Döllnitztal.

22.01.2014

Und wieder ist ein Jahr vergangen. Es scheint, als wäre es erst vor kurzem gewesen, als Charlotte Teschner ihren 100. Geburtstag im DRK-Gebäude in der Dresdener Straße gefeiert hat.

22.01.2014
Anzeige