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?Es war zappenduster und windig?

?Es war zappenduster und windig?

Der junge Mann auf der Anklagebank fühlt sich sichtlich unwohl. Gegenüber, auf der Seite der Staatsanwaltschaft und des Dekra-Sachverständigen, sitzt völlig aufgelöst die Seniorin, deren Mann bei dem Unfall schwer verletzt wurde und Wochen später verstarb.

An ihrer Seite die Anwältin der Nebenklage. Immer wieder bricht die alte Dame in Tränen aus. Von Gabi Liebegall Dem Angeklagten wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Er war am 27. November 2011 in den frühen Abendstunden mit seinem Mountainbike zwischen Neusornzig und Mügeln unterwegs. "Mit Rückenwind", sagt der 29-Jährige aus dem Raum Mügeln. "Es gab einen Ruck, aber ich wusste nicht, wogegen ich gefahren bin", sagt er aus. Und das, obwohl er vorn und hinten am Rad Licht hatte. Wie sich später herausgestellt habe, sei der junge Mann mit einem Senior kollidiert, der seinen Hund ausführte. Der Mann, der eine Warnweste getragen habe, erlitt eine Quer-schnittslähmung und musste beatmet werden. Wochen später jedoch erlag er seinen schweren Verletzungen."Es gibt so etwas wie eine Sichtfahrregel", wirft Richter René Stitterich in den Raum. "Wo haben Sie denn hingeschaut? Sind Sie blind gefahren?", hakt Thomas Kannegießer, Vertreter der Anklagebehörde nach. Der beschuldigte Mann beteuert immer wieder, dass er den Mann nicht gesehen habe. Der 28-jährige Ersthelfer, der zu dem Unfall kam, bestätigt vor Gericht, dass es an diesem betreffenden Abend auf dieser Landstraße "zappenduster und windig" war, er kann aber nicht sagen, ob die Warnweste des Mannes geschlossen oder geöffnet war. "Wenn sie geöffnet war, könnte der Wind die beiden Vorderteile nach hinten 'umgeklappt' haben." Die Sache mit der Weste kann auch im Lauf der Hauptverhandlung nicht geklärt werden. Der Zeuge sagt außerdem aus, dass er den Senior des Öfteren mit dem Hund auf der Straße gesehen habe, weil er die Strecke oft fährt. Vor allem bei Gegenverkehr sei der Mann schwer zu erkennen gewesen. Der Dekra-Sachverständige Hans-Joachim Geier geht, wie der Richter auch, noch einmal auf die Sichtfahrregel ein. Die besagt, "dass nur so schnell gefahren werden darf, dass jederzeit innerhalb der übersehbaren Strecke angehalten werden kann" (Paragraf 3 der Straßenverkehrsordnung). Geier kommt letztendlich zu dem Schluss, dass möglicherweise beide hätten ausweichen können. Staatsanwalt Thomas Kannegießer fordert eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu zehn Euro und die Anwältin der Nebenklage Sylvia Schütze sieben Monate Haft auf Bewährung. Der Verteidiger des Angeklagten plädiert auf 80 Tagessätze zu zehn Euro. Sein Mandant sei geständig gewesen und kooperativ. Richter René Stitterich verurteilt den 29-Jährigen zu 90 Tagessätzen á zehn Euro. Er begründete die Entscheidung damit, dass das Rad eine bessere Beleuchtung hätte haben müssen. Die Lampe sei zu schwach und nur ein Alibi gewesen. "Das Urteil bleibt im Bundeszentralregister. Sie sollten endlich mal über sich nachdenken."

Gabi Liebegall

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