Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Es wird eng in der Dose
Region Oschatz Es wird eng in der Dose
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:29 01.04.2015
Der Windpark Mutzschen besteht aus acht Windrädern auf der Feldflur bei Gastewitz unweit der Autobahnabfahrt Mutzschen. Fotos: Thomas Kube/Fotolia Quelle: Thomas Kube

Von Haig latchinian

Die Netzbetreiber investieren Millionen in die Leitungen.

Es passiert nur ganz selten - am Dienstag war es so weit: Auf dem Silberberg bei Mutzschen drehte sich kein Rad mehr. "Sobald Sturmspitzen von über 90 Kilometern pro Stunde erreicht werden, schalten sich die Windkraftanlagen automatisch ab", sagt Betriebsführer Steffen Raden (46). Entgegen landläufiger Vermutungen, wonach das Herz der Windmüller gerade bei heftigsten Böen höher schlage, machen sie in solchen Fällen sogar Verluste: "Stehen alle acht Windräder auf dem Silberberg nur zwei Stunden still, gehen uns etwa 32 000 Kilowattstunden und damit rund 2500 Euro verloren", so Raden. Ideal sei eine Windstärke von 45 Kilometern pro Stunde. Dann produziert die Anlage ihr Maximum. Bläst der Wind heftiger, würde sich das Rad wegen der verstellbaren Flügel auch nicht schneller drehen. "Wie gesagt, bei 90 Sachen ist Feierabend, sobald der Sturm nachlässt, schaltet sich die Anlage wieder zu."

Der Windpark Mutzschen zählt wegen der perfekten Anströmbedingungen seit zehn Jahren zu einem der strategisch günstigsten Standorte in Sachsen. Die Leistung der Anlage ist so hoch, dass der Strom nicht direkt ins Ortsnetz eingespeist werden kann. Ein elf Kilometer langes Kabel musste verlegt werden, um ihn ins Grimmaer Umspannwerk zu leiten. Goldgräberstimmung auf dem Silberberg: Allein ein Windrad produziert pro Jahr 5,5 Millionen Kilowattstunden. Alle acht Räder zusammen sorgen jährlich für mehr Strom, als zeitgleich alle Einwohner von Grimma verbrauchen.

Betreut wird die Technik von der Wind 2000 GmbH. Sie hat ihren Sitz im Naundorfer Ortsteil Casabra bei Oschatz (Landkreis Nordsachsen). In einer kommunalen Zweiraumwohnung am Dorfausgang sitzen die Betreuer an ihren Rechnern und genießen durch die Fenster beinahe wie die Lotsen im Flughafentower den Blick aufs weite Land. "Hier, das sind die zehn Windräder von Naundorf. Sieben kommen in diesem Jahr noch dazu. Auch da drüben, in Mautitz, errichten wir demnächst noch sieben Stück. Mit Flügeln werden die Türme jeweils 196 Meter hoch sein." Je höher, desto besser. Mitarbeiter David Kästner: "Zwei Meter mehr Höhe bedeuten mindestens ein Prozent mehr Ertrag. Ist die Mühle also 40 Meter höher, ist das schon ein Ertragsplus von 20 und mehr Prozent. Abgesehen davon, sind die Flügel inzwischen gut zehn Meter länger, wodurch sich der Gewinn fast verdoppelt." Abra Casabra, dreimal schwarzer Kater ... Wie von Geisterhand gesteuert überwachen die Betriebsführer im Ortsteil Casabra zudem acht Windräder an der Nordsee und jene acht bei Mutzschen.

Am Standort Mutzschen sind die Windräder dagegen vergleichsweise klein, mit 150 Metern Gesamthöhe überragen sie jedoch den Leipziger Uniriesen. "Gern würden wir auch auf dem Silberberg die neueste Generation von Windrädern aufstellen, das allerdings lässt die aktuelle Gesetzeslage nicht zu - die Entfernung zu den Dörfern wäre zu gering", sagt Betriebsführer Raden, selber Mutzschener. Der in Leipzig aufgewachsene, gelernte Elektromechaniker errichtete zunächst Mobilfunkmasten und Starkstromanlagen, ehe er 2004 zum Betriebsführer des Windparks ernannt wurde. Der Vater dreier Kinder schwört auf die Nutzung erneuerbarer Energien: "Nach Fukushima führt an der Windenergie kein Weg mehr vorbei."

Zwar mussten seit der Inbetriebnahme der Anlagen vor zehn Jahren unter anderem Getriebe und Generatoren gewechselt werden - Türme, Maschinenhäuser und Flügel seien aber noch die originalen. "Die Technik läuft inzwischen recht stabil. Das europäische Zentrallager des dänischen Windradherstellers und Weltmarktführers Vestas auf dem Mutzschener Gewerbegebiet ist ein Glücksfall für den Silberberg. Ersatzteile gibt es gewissermaßen gleich vor der Haustür", sagt Betriebsführer Raden.

Und doch hält sich seine Euphorie in Grenzen: "Der Wind wird immer schwächer. 2014 hatten wir die geringste Ausbeute in all den zehn Jahren, blieben 20 Prozent unterm Soll." Am Dienstag meinte es der Wind gut, mit über 110 Sachen aber zu gut. © Kommentar

Haig Latchinian

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stadt unterhält offiziell derzeit Beziehungen zu fünf Partnerkommunen in Europa. Oberbürgermeister Andreas Kretschmar informierte bei der vergangenen Beratung die Stadträte über die - unterschiedlich - engen Beziehungen.

08.03.2018

Dieser Weg hat es in sich, aber ihn auf sich zu nehmen, lohnt sich: Stolze 199 Stufen sind es vom Fuße der St. Aegidienkirche im Oschatzer Zentrum bis in die liebevoll eingerichtete Türmerwohnung im Südturm des Wahrzeichens der Großen Kreisstadt Oschatz.

31.03.2015

Die neue Sonderausstellung des Stadt- und Waagenmuseums wurde am Wochenende eröffnet. Sie steht unter dem Motto "Faszination Zinn". Die meisten Ausstellungsstücke stammen aus der Sammlung von Dieter Nadolski.

30.03.2015
Anzeige