Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Es wird eng in der Dose

Es wird eng in der Dose

Das Hochspannungsnetz ist im Dauerstress, wenn der Wind zu stark bläst - wie am Dienstag und gestern. Es droht der große Blackout, wenn der durch Windräder produzierte Strom nicht genau so schnell verbraucht wird, wie er entsteht.

Voriger Artikel
Wahl von Michéle Picard beendet Eiszeit zwischen Oschatz und Venissieux
Nächster Artikel
Oschatz hat große Pläne für Kleine Gartenschau im nächsten Jahr

Der Windpark Mutzschen besteht aus acht Windrädern auf der Feldflur bei Gastewitz unweit der Autobahnabfahrt Mutzschen. Fotos: Thomas Kube/Fotolia

Quelle: Thomas Kube

Region Oschatz/Mutzschen. Von Haig latchinian

 

Die Netzbetreiber investieren Millionen in die Leitungen.

 

Es passiert nur ganz selten - am Dienstag war es so weit: Auf dem Silberberg bei Mutzschen drehte sich kein Rad mehr. "Sobald Sturmspitzen von über 90 Kilometern pro Stunde erreicht werden, schalten sich die Windkraftanlagen automatisch ab", sagt Betriebsführer Steffen Raden (46). Entgegen landläufiger Vermutungen, wonach das Herz der Windmüller gerade bei heftigsten Böen höher schlage, machen sie in solchen Fällen sogar Verluste: "Stehen alle acht Windräder auf dem Silberberg nur zwei Stunden still, gehen uns etwa 32 000 Kilowattstunden und damit rund 2500 Euro verloren", so Raden. Ideal sei eine Windstärke von 45 Kilometern pro Stunde. Dann produziert die Anlage ihr Maximum. Bläst der Wind heftiger, würde sich das Rad wegen der verstellbaren Flügel auch nicht schneller drehen. "Wie gesagt, bei 90 Sachen ist Feierabend, sobald der Sturm nachlässt, schaltet sich die Anlage wieder zu."

 

Der Windpark Mutzschen zählt wegen der perfekten Anströmbedingungen seit zehn Jahren zu einem der strategisch günstigsten Standorte in Sachsen. Die Leistung der Anlage ist so hoch, dass der Strom nicht direkt ins Ortsnetz eingespeist werden kann. Ein elf Kilometer langes Kabel musste verlegt werden, um ihn ins Grimmaer Umspannwerk zu leiten. Goldgräberstimmung auf dem Silberberg: Allein ein Windrad produziert pro Jahr 5,5 Millionen Kilowattstunden. Alle acht Räder zusammen sorgen jährlich für mehr Strom, als zeitgleich alle Einwohner von Grimma verbrauchen.

 

Betreut wird die Technik von der Wind 2000 GmbH. Sie hat ihren Sitz im Naundorfer Ortsteil Casabra bei Oschatz (Landkreis Nordsachsen). In einer kommunalen Zweiraumwohnung am Dorfausgang sitzen die Betreuer an ihren Rechnern und genießen durch die Fenster beinahe wie die Lotsen im Flughafentower den Blick aufs weite Land. "Hier, das sind die zehn Windräder von Naundorf. Sieben kommen in diesem Jahr noch dazu. Auch da drüben, in Mautitz, errichten wir demnächst noch sieben Stück. Mit Flügeln werden die Türme jeweils 196 Meter hoch sein." Je höher, desto besser. Mitarbeiter David Kästner: "Zwei Meter mehr Höhe bedeuten mindestens ein Prozent mehr Ertrag. Ist die Mühle also 40 Meter höher, ist das schon ein Ertragsplus von 20 und mehr Prozent. Abgesehen davon, sind die Flügel inzwischen gut zehn Meter länger, wodurch sich der Gewinn fast verdoppelt." Abra Casabra, dreimal schwarzer Kater ... Wie von Geisterhand gesteuert überwachen die Betriebsführer im Ortsteil Casabra zudem acht Windräder an der Nordsee und jene acht bei Mutzschen.

 

Am Standort Mutzschen sind die Windräder dagegen vergleichsweise klein, mit 150 Metern Gesamthöhe überragen sie jedoch den Leipziger Uniriesen. "Gern würden wir auch auf dem Silberberg die neueste Generation von Windrädern aufstellen, das allerdings lässt die aktuelle Gesetzeslage nicht zu - die Entfernung zu den Dörfern wäre zu gering", sagt Betriebsführer Raden, selber Mutzschener. Der in Leipzig aufgewachsene, gelernte Elektromechaniker errichtete zunächst Mobilfunkmasten und Starkstromanlagen, ehe er 2004 zum Betriebsführer des Windparks ernannt wurde. Der Vater dreier Kinder schwört auf die Nutzung erneuerbarer Energien: "Nach Fukushima führt an der Windenergie kein Weg mehr vorbei."

 

Zwar mussten seit der Inbetriebnahme der Anlagen vor zehn Jahren unter anderem Getriebe und Generatoren gewechselt werden - Türme, Maschinenhäuser und Flügel seien aber noch die originalen. "Die Technik läuft inzwischen recht stabil. Das europäische Zentrallager des dänischen Windradherstellers und Weltmarktführers Vestas auf dem Mutzschener Gewerbegebiet ist ein Glücksfall für den Silberberg. Ersatzteile gibt es gewissermaßen gleich vor der Haustür", sagt Betriebsführer Raden.

 

Und doch hält sich seine Euphorie in Grenzen: "Der Wind wird immer schwächer. 2014 hatten wir die geringste Ausbeute in all den zehn Jahren, blieben 20 Prozent unterm Soll." Am Dienstag meinte es der Wind gut, mit über 110 Sachen aber zu gut. © Kommentar

Haig Latchinian

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oschatz
Oschatz in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Nordsachsen

Fläche: 55,44km²

Einwohner: 14.734 Einwohner (Dezember 2015)

Bevölkerungsdichte: 266 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04758

Ortsvorwahlen: 03435

Ein Spaziergang durch die Region Oschatz
  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

14.12.2017 - 15:21 Uhr

Nachwuchsfußball auf Landesebene: Schenkenberg verlässt die Abstiegsplätze

mehr