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Oschatz Ex-Bob-Olympiasieger Bogdan Musiol aus Oschatz fährt heute Snowboard
Region Oschatz Ex-Bob-Olympiasieger Bogdan Musiol aus Oschatz fährt heute Snowboard
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00:33 25.02.2018
Der Oschatzer Bogdan Musiol ist Bob-Olympionike. Quelle: Bärbel Schumann
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Live Olympiaentscheidungen am Fernsehgerät verfolgen, das war für mich mit meiner Sportbegeisterung selbstverständlich. Ausschlaggebend dafür war ein frühes Kindheitserlebnis. In den 1960er Jahren konnte ich als Kind auf der zum Gipfel des Collmberges führenden Straße mit anderen Menschen erleben, wie die DDR-Spitzenrodler dort im Sommer trainierten. Zu ihnen gehörte Klaus Bonsack, der dann später auf dem Podest der Siegerehrung stand.

Ich begann, Autogramme von den Diplomaten im Trainingsanzug, wie die DDR-Sportler auch bezeichnet wurden, zu sammeln. Heute ist das ein kleiner Schatz, denn manche Autogrammkarte ist dabei die erste, die einer der Sieger unterschrieb.

Flachländer brachten es 1980 zu Ruhm

Noch spannender war Olympia, wenn Athleten an den Start gingen, deren Sportlerkarriere in der Oschatzer Region begann. 1980 war das zum Beispiel der Fall, als es gleich zwei Athleten sozusagen als Flachländler zu Ruhm im Bobsport brachten. Die Rede ist vom ehemaligen Wermsdorfer und heute in Oschatz wohnenden Bogdan Musiol sowie vom gebürtigen Oschatzer Roland Wetzig.

Eine alte Autogrammkarte von Bogdan Musiol. Quelle: Bärbel Schumann

Wetzig wurde 1984 im Viererbob Olympiasieger. Vier Jahre davor kehrte er von Olympia mit Bronze zurück. Als beide Sportler 1980 kurz nach Olympia zu Gast im Kreis Oschatz waren und beim damaligen Kreissportbund gemeinsam mit Nachwuchssportlern empfangen wurden, überhäuften sie ihre Fans mit Blumen. Hannalore Kührt, damals Vorsitzende des Kreissportbundes, erinnert sich noch gut daran: „Wir haben uns damals riesig über diese Erfolge gefreut und am Bildschirm überall mitgefiebert.

Wir Oschatzer waren schon stolz, dass es ausgerechnet zwei ehemalige Leichtathleten von uns soweit geschafft hatten.“Musiol und Wetzig kamen Mitte der 1970er Jahre zum Bobsport, nachdem die DDR-Führung beschlossen hatte, diese Sportart intensiv zu betreiben. Mit der Fertigstellung der Oberhofer Bob- und Rodelbahn waren dafür gute Trainingsbedingungen vorhanden.

Notstand in Oschatzer Blumengeschäften

Erinnern kann sich mancher Sportfan auch daran, dass bei Musiols und Wetzigs Stippvisite einen Tag lang in den Oschatzer Blumengeschäften Notstand herrschte. Jeder wollte zum Erfolg gratulieren. Da waren die frischen Schnittblumen, damals Mangelware in der kalten Jahreszeit, schnell ausverkauft.

Lake Placid 1980: Bob gewinnt Gold. Die DDR-Besatzung Bernhard Germeshausen (l-r), Hans-Jürgen Gerhardt, Bogdan Musiol und Meinhard Nehmer feiert am 24.02.1980 den Sieg im Viererbob-Wettbewerb der Olympischen Winterspiele 1980 in Lake Placid. Quelle: dpa

Bogdan Musiol startete vier Mal bei den Olympischen Winterspielen. Erstmals war das 1980 in Lake Placid, wo er im Gold-Vierer des legendären Meinhard Nehmer saß und auch im Zweierbob Bronze errang. Bei den Folgeolympiaden einschließlich bei seiner letzten Teilnahme als Aktiver in Albertville kamen noch fünf Silbermedaillen hinzu. Als Sportwart des Deutschen Bob- und Schlittenverbandes, der er 2000 wurde, folgten bis 2010 in Vancouver weitere Olympiaden, an denen Bogdan Musiol bei dem größten Fest des Sportes auf der Welt dabei sein konnte. „Olympia – das waren unvergessliche Erlebnisse“, blickt er heute auf all diese Jahre zurück.

Oschatzer verfolgt die Bobwettbewerbe in Pyeongchong

In diesen Tagen verfolgt der Oschatzer natürlich die Bobwettbewerbe in Pyeongchong. „Das Niveau unserer Starter ist besser als vor vier Jahren“, schätzte Musiol zu Beginn der ersten Zweierbobläufe ein. Zudem sei die internationale Konkurrenz in diesem Jahr nicht so stark. Ein bislang vorn mitmischender Amerikaner sei nicht mehr dabei, die Russen seien ein Thema für sich. Als dann der Sturz im Zielauslauf beim favorisierten Zweier passierte, meinte der erfahrene Bobfahrer, dass dies für den Ausgang des Wettbewerbes keine Bedeutung mehr habe. „Da war die Zeitnahme schon durch. Auf die Psyche der Fahrer dürfte das deshalb keinen Einfluss haben“, so Musiol.

DDR-Zeit: Bogdan Musiol fährt nach Winterberg. Quelle: REPRO Sven Bartsch

Musiol fährt im Winter gern Snowboard

Der 60-Jährige hat lange nicht in einem Bob gesessen. Der Inhaber des Oschatzer Gesundheits- und Fitnessstudios „Balance“ mit angeschlossener Bowlingbahn und Gaststätte fährt im Winter gern Snowboard. Vor wenigen Tagen konnte er das beim gemeinsamen Kurzurlaub mit seiner Frau in Ramsau ausgiebig genießen. Seit zehn Jahren steht er auf dem Board. Gutes Koordinationsvermögen, Beweglichkeit, Reaktionsvermögen und Körpergefühl, was hier gebraucht wird, das bringt er vom Bobsport mit. „Ich mag es jetzt halt etwas ruhiger“, meint er.

Bescheiden wie schon als Sportler ist Bogdan Musiol bis heute geblieben. In seinem Studio hängt die Haube eines DDR-Bobs zur Erinnerung mit zwei Bildern an der Wand. Das einzige, was an seine aktive Zeit hier erinnert. Dafür wird er gemocht. Das zeigte sich auch zum 60. Geburtstag im Vorjahr, als die Bobelite Deutschlands in Oschatz anreiste. Ach ja, und rechnet man zu Musiols und Wetzigs Erfolgen noch die des gebürtigen Wermsdorfer Harald Czudaj hinzu, dann ist der Altkreis Oschatz der erfolgreichste Flachlandkreis Deutschlands beim Bobfahren.

Von Bärbel Schumann

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