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Ex-Oschatzerin kämpft erfolgreich für verschärftes Stalkinggesetz

Petition für Bundesjustizminister Ex-Oschatzerin kämpft erfolgreich für verschärftes Stalkinggesetz

Die ehemalige Oschatzerin Mary Scherpe kann jetzt einen Erfolg verzeichnen. Nachdem sie ihr Stalking-Martyrium in einem Buch festhielt bat sie mit einer Petition bei Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) für die Überarbeitung des Gesetzes – mit Erfolg.

Eine Frau beobachtet, wie sie von einem Mann gestalkt wird.

Quelle: dpa-Zentralbild

Oschatz/Berlin. Sie hat es wirklich geschafft. Die ehemalige Oschatzerin Mary Scherpe, die von ihrem Ex-Freund gestalkt wurde und über ihr Martyrium ein Buch geschrieben hat, kann sich jetzt freuen. Nach der Veröffentlichung von „An jedem einzelnen Tag – Mein Leben mit einem Stalker“ initiierte die heute 33-Jährige eine Petition, die sie dem Bundesminister für Justiz Heiko Maas (SPD) überreichte. Das Ziel: Der bestehende Paragraf 238 Strafgesetzbuch (StGB) sollte überarbeitet werden. Aus ihrer Sicht und der anderer Unterstützer sei der Paragraf „zu schwammig formuliert“.

„Endlich bewegt sich etwas in Sachen Strafrechtsverschärfung für Stalking. Vor über einem Jahr, am 17. Dezember 2014, hatte ich Heiko Maas unsere Petition überreicht und ihm im Anschluss in einem persönlichen Gespräch erklärt, warum es dringend einer Überarbeitung des Stalking Paragrafen 238 StGB bedarf“, so Mary Scherpe.

Maas habe damals versprochen, bald einen Gesetzentwurf vorzulegen. Den gibt es nun. Das Erfreuliche: Der Gesetzentwurf nimmt alle geforderten Punkte auf. „Trotzdem sind wir noch lange nicht am Ziel. Denn wir sind erst am Beginn des Gesetzgebungsverfahren. Jetzt muss der Gesetzentwurf durch Anhörungen, durch das Kabinett und natürlich durch den Bundestag und den Bundesrat“, erklärt die Wahlberlinerin.

Niemand half, auch nicht die Polizei

Mary Scherpe hat allen Grund zur Freude. Immerhin konnte sie mit ihren Argumenten überzeugen. Denn sie weiß, wovon sie spricht. Die junge Frau kannte ihren Stalker. Es war ihr Ex-Freund. Er wollte sich bei ihr rächen und bombardierte die junge Frau mit SMS, Anrufen, Briefen, Paketen und anderen Postsendungen und das alles nur mit dem Ziel, an den Nerven von Mary Scherpe zu zerren, sie zu zerbrechen. Mit Rufmord bei ihren Kollegen setzte er sogar noch eins drauf.

Sie versuchte damals alles, was möglich war, um sich zu schützen. Deshalb zeigte sie ihn auch an. Aber niemand half, keine Polizei und auch niemand anders. Für die Polizei war der Fall offenbar nicht kriminell genug. Und andere gaben ihr den Rat, sie solle „dem Stalker keine Angriffsfläche bieten“. Ein Rat der wütend macht.

Aber zurück gezogen hat sie sich deshalb nicht. Mary Scherpe hat einen ganz eigenen Weg gefunden, sich aus diese Situation zu befreien. Sie hat alles, was ihr Ex geschrieben oder geschickt hat, fotografiert und archiviert.

Irgendwann war ein Punkt erreicht, dass eine Entscheidung her musste. Nach und nach stellte sie all diese Dinge ins Internet, befreite sich so von dem Druck, der ihr auf der Seele lag. Und wirklich, die Zahl der Anfeindungen des Stalkers ging zurück.

Zahl der Stalking-Opfer rund um Leipzig steigt

Sie spürte aber auch, dass sie stärker geworden ist. Deshalb blieben die Veröffentlichungen im Internet nicht das einzige, was sie unternommen hat. Ihr Buch zu dem Erlebten war für sie eine Art Erlösung. Immerhin sei es kein gutes Gefühl, wenn ein Mensch in das Leben eines anderen eindringt, obwohl derjenige das gar nicht will, der Stalker aber keine Rücksicht nimmt und erst recht nicht um Erlaubnis bittet.

Da die Zahl der Stalking-Opfer im Raum der Polizeidirektion Leipzig steigt, musste unbedingt etwas geschehen. Mary Scherpe initiierte ein Petition für die Überarbeitung des Stalking-Paragrafen. Bis Donnerstag haben sich daran 86 659 Personen beteiligt. Die 33-Jährige hat sich ein Ziel gestellt, und das heißt: 150 000 Unterschriften. Sie sollen helfen, den Gesetzentwurf letztendlich auf den Weg zu bringen.

 

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Von Gabi Liebegall

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