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Fahrzeughalle brennt lichterloh: Naundorfer proben den Ernstfall

Fahrzeughalle brennt lichterloh: Naundorfer proben den Ernstfall

Alarm zur Kaffeezeit: Sonnabendnachmittag ist es mit der Wochenendruhe für die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren in Naundorf schlagartig vorbei. Die Leitstelle in Delitzsch meldet einen Brand im Hofgut Raitzen.

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Ein Atemschutzgeräteträger der Freiwilligen Feuerwehr Raitzen trägt Christine Schreiber. Sie ist nicht bewusstlos, sondern spielt es nur.

Quelle: Dirk Hunger

"Bei Wartungsarbeiten in der Fahrzeughalle des Landwirtschaftsbetriebes von Hartwig Kübler kommt es zu einem Kurzschluss. Das Inventar steht in Flammen, es fließt kein Strom mehr. Angestellte sind in der Halle eingeschlossen. Jede Sekunde zählt. Das große Rolltor lässt sich nicht öffnen", sagt Heinz Träger, Feuerwehr-Urgestein aus Naundorf.

 

Was außer Heinz Träger kaum einer weiß: Das Szenario ist eine Übung. Thomas Lohse, Leiter der Hofer Ortswehr, sowie Georg Hölle, Chef der Raitzener Abteilung, wollen die Tageseinsatzbereitschaft aller vier Ortswehren testen. Außerdem ist der Einsatz ein Härtetest für das Zusammenspiel aller. "Technik und Teamfähigkeit werden gefordert, ebenso das bisher nur theoretisch erworbene Wissen in der Praxis umzusetzen", so Träger. Ihm zur Seite steht eine weitere Koryphäe in Sachen Brandschutz: der ehemalige Hofer Wehrleiter Günter Hunger. Zusammen bilden sie ein Jahrhundert Feuerwehr-Erfahrung. Sie werden den Nachwuchs-Rettern heute noch den ein oder anderen Ratschlag geben.

 

14.59 Uhr informiert Hartwig Kübler selbst die Leitstelle. Ebenfalls eingeweiht sind zwei junge Menschen: Paul Schreiber und seine Schwester Christine mimen vermisste, bewusstlose Personen, die, kaum zu erkennen im dichten Dunst aus der Nebelmaschine, gerettet werden müssen. In der Halle erkennt man nach wenigen Minuten nicht einmal mehr die Hand vor Augen.

 

15.06 Uhr treffen die Raitzener ein. Nun gilt es, mehrere Aufgaben zugleich zu bewältigen, ein Grund, warum weitere Kameraden benötigt werden. Löschwasser ziehen die Helfer aus einer Zisterne und einem nahe gelegenen Bach - so lange bis eine andere Wehr mit einem Tanklöschfahrzeug eintrifft. Unter schwerem Atemschutz dringen drei Kameraden in die Halle vor und suchen nach Vermissten. Eine Person ist eingeklemmt, ihr gilt besondere Aufmerksamkeit. Womöglich muss sie mit Hilfe speziellen Geräts befreit werden.

 

15.13 Uhr schrillen weitere Martinshörner. Die Hofer Wehr trifft ein, Anführer Thomas Lohse verschafft sich einen Überblick, stimmt sich mit Georg Hölle ab und unterweist seine Mitglieder. Die Pumpe zur weiteren Wasserbereitstellung auf dem Hofer Fahrzeug versagt ihren Dienst und muss neu startet werden - eine weitere Unwägbarkeit, die im Ernstfall wertvolle Minuten kostet.

 

15.19 Uhr werden die Geschwister Schreiber aus der Fahrzeughalle befreit. Unter den Rettern ist ein weiteres Mitglied der Familie. Oliver Schreiber, der älteste Bruder, ist nicht nur Mitglied der Raitzener Wehr, sondern auch Mitarbeiter des Hofgutes. Er kennt die Halle wie seine Westentasche. Auch dem ist es zu verdanken, dass die Vermissten relativ schnell gerettet werden konnten. Nachdem die Naundorfer Blauröcke eingetroffen sind, können die Aufgaben noch besser koordiniert werden - etwa die Erstversorgung geretteter, möglicherweise verletzter Personen.

 

15.30 Uhr weist Thomas Lohse seine Kameraden an, das verschlossene Rolltor manuell zu öffnen. Denn eine Person wird nach wie vor vermisst. Inzwischen können dabei auch die herbei gerufenen Hohenwussener Kameraden helfen. Insgesamt sind 48 Einsatzkräfte mit sieben Fahrzeugen auf dem Hofgut im Einsatz. Die Einsatzstärke ist ausreichend, doch ob im Ernstfall an Wochentagen zur gleichen Zeit so viele Helfer zur Verfügung stehen, ist fraglich. In diesem Fall sieht die Ausrückeordnung vor, dass Wehren aus Nachbargemeinden alarmiert werden, um auszuhelfen.

 

15.36 Uhr ist der eingeklemmte Angestellte befreit. Am Sonnabend handelt es sich dabei nur um eine Puppe. Ob ein Mensch im Ernstfall nach so langer Zeit lebend hätte befreit werden können, darf bezweifelt werden.

 

15.58 Uhr ziehen die ersten schwitzenden Feuerwehrmänner ihre schweren Einsatzuniformen aus, der Hof ist erfüllt vom klickenden Geräuschen, verursacht von den Schläuchen, die andere Kameraden von den Verteilern lösen.

 

16.06 Uhr ist die Übung erfolgreich beendet. "Die Ausrückzeiten waren tipptopp, das Zusammenspiel klappte", lobt Günter Hunger sie Einsatzkräfte. Heinz Träger schlägt jedoch auch kritische Töne an. Er weist auf die Stahlträger hin, die die Blechhalle stützen. "Je heißer es da drin wird, umso größer ist die Gefahr, dass sie sich die Stahlträger verformen und die Last nicht mehr tragen können. Darauf habt ihr so gut wie gar nicht geachtet", merkt er an und reicht gleich darauf Fotos herum, die dokumentieren, wie sehr die Stützen im Brandfall in Mitleidenschaft gezogen werden können.

 

Fazit: Es ist das erste Mal seit sehr vielen Jahren, dass alle vier Wehren des Naundorfer Gemeindegebiets zusammen unter Beweis stellen müssen, was ihre Ausbildung wert ist. Vorangegangen waren laut Heinz Träger nur kleinere Szenarien mit einer oder zwei Wehren, beispielsweise simulierte Verkehrsunfälle oder die Rettung von Grundschülern in Hof. Die Großübung ist eine Bewährungsprobe für die Ortswehrleiter, die noch nicht lange in diesen Ehrenämtern sind. In allen vier Abteilungen hat in den vergangenen Monaten ein Führungswechsel stattgefunden. Ein Prozess, der nicht von heute auf morgen bewerkstelligt ist. Es müssen geeignete Männer aus den Reihen der Wehr gefunden werden. Sie sollten die notwendigen Qualifikationen mitbringen und von "ihren" Mitstreitern getragen werden. Bis da ein passender Kandidat gefunden ist, können Jahre vergehen.

 

"Es ist wichtig, dass wir das Zusammenspiel aller Wehren auf die Probe stellen. Ich freue mich, dass diese Übung nach langer Vorbereitung nun über die Bühne gehen kann. Sie ist ein wichtiger Schritt hin zum Zusammenwachsen der einzelnen Wehren", sagt Naundorfs Bürgermeister Michael Reinhardt.

 

© Kommentar

Christian Kunze

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