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Fast 100 Oschatzer diskutieren die Zukunft ihres Platsch-Bades

Freizeit Fast 100 Oschatzer diskutieren die Zukunft ihres Platsch-Bades

Zuschließen oder erhalten – die Zukunft des Erlebnisbades Platsch bewegt die Stadt Oschatz weiter. Ehe sich der Stadtrat dazu positioniert, stellte die Stadt das modernisierte Umbau- und Nutzungskonzept beim 3. Oschatzer Gespräch vor. Ergebnis: Das Interesse am Bad hat nachgelassen, die Pläne stoßen jedoch auf große Zustimmung.

Gesunkenes Interesse: Beim Oschatzer Gespräch zur Zukunft des Platschbades bleiben einige Stühle leer.
 

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz.  Baden gehen oder weiter schwimmen? Das ist hier die Frage: Die Zukunft des Oschatzer Platschbades diskutierten am Mittwochabend knapp 100 Interessierte im Thomas-Müntzer-Haus. Das Interesse am Thema hat gegenüber der letzten Veranstaltung gleicher Art vor knapp drei Jahren abgenommen: Damals kamen mehr als 200 Bürger.

„Einem damaligen Trend folgend, wurde das Bad 1998 eröffnet, überdimensioniert konzipiert unter meinem Vorgänger und dem damaligen Stadtrat“, erinnerte Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (parteilos). Zu wenige Besucher, gleichbleibende Betriebskosten und andere unregelmäßige Aufwendungen lassen den Zuschuss aus der Stadtkasse stetig steigen. „Bis Mitte nächsten Jahres können wir das noch stemmen, dann ist Schluss“, so Kretschmar. Ein Stadtratsvotum für den Erhalt noch dieses Jahr und bewilligte Förderung vorausgesetzt, könne der Umbau Mitte 2017 beginnen.

Das gemeinsam mit dem im sächsischen Lichtenstein sesshaften Planungsbüro Bauconzept erstellte Umnutzungskonzept wurde vorgestellt und unterschiedlich gewertet (siehe nebenstehende Umfrage). „Die Halbkreisform des Badgebäudes grenzt uns ein“, verdeutlichte Geschäftsführer Bert Hoffmann. Er verteidigte radikale Vorschläge wie das Reduzieren von 60 Prozent der Wasserfläche. „Wir haben keine andere Wahl als Einschnitte vorzunehmen. Die Besucherzahlen gehen seit Jahren kontinuierlich zurück. Jede Investition sollte darauf geprüft werden, ob sie dem Bedarf angemessen ist“, sagte er. Die detaillierte Kostenaufstellung der Planer umfasst 27 Seiten, 35 Gewerke und hat ein Volumen von knapp sieben Millionen Euro.

Umfrage

Uta Schmidt (53), Stadträtin: „Das Konzept ist stimmig, berücksichtigt Schulsport, Kurse, Rentner und Familien. Das Gespräch half, Unklarheiten auszuräumen. Das Bad soll Anlaufpunkt für Oschatzer sein. Doch es ist viel Kraft und Ausdauer nötig, Nutzern die Änderungen zu vermitteln.“

Michelle Lasse (15) Schülerin, Dahlen: „Eine Umfrage an der Härtwig-Oberschule ergab: Die Unterkünfte sind sinnlos, die Kletterwände gibt es  in Nachbarstädten. Die Attraktion schlechthin, die Rutschen, sind weg. Für die Jugend wird zu wenig geboten. Außerdem sorgen wir uns um den Schwimmunterricht.“

Andre Wagner (53), Oschatz, Kegler, Lehrer, SV Fortschritt Oschatz: „Die Kegelbahn schafft bessere Bedingungen. Für Wettkämpfer von außerhalb sind die Unterkünfte attraktiv. Ich kann mir vorstellen, dass Sportkegler Bad und Sauna nutzen. Die Einschnitte im Badbetrieb sind nötig. Es muss erhalten bleiben,  um das Schulschwimmen für die gesamte Region zu sichern.“

Gottfried Kluge (74), Rentner,  Calbitz: „Das Gespräch hat mir gezeigt, dass kein Einfluss von außen mehr möglich ist. Es steht alles fest. Ich halte es für falsch, alle Attraktionen zu streichen. Das Bad braucht sie, um alle Generationen zu erreichen.“

Tina Graul (32), Oschatz: Als Mutter einer Erstklässlerin begrüße ich das Konzept.  Das Bad bleibt Anlaufstelle für Klassenfahrten, die reduzierten Angebote schlagen sich im gesenkten Eintritt nieder. Ich kenne die Kegelbahn im Wellerswalder Weg – sie ist nicht mehr zeitgemäß. Es ist toll, dass die Sauna erhalten bleibt. Einziges Manko ist die ungewisse Zukunft der Gastronomie.“ cku

Eine Vier-Bahnen-Kegelbahn im ehemaligen Rutschenbereich für Wettkampf- und Freizeitsport, neue, simpel eingerichtete Gruppenunterkünfte – zwei Sechsbettzimmer, vier Vierbettzimmer, „und damit ideal für Schulklassen“, verdeutlichte Hoffmann. Das sind die Säulen des Konzepts. Ergänzungen sind temporär und flexibel einsetzbare Eventmodule für Kinder -und Jugendanimation wie eine Kletterwand und aufblasbare Rutschen. „Alles das bauen wir ins vorhandene Gebäude ein. Es wird nichts neu errichtet. Sie bekommen ein neues Bad in der bestehenden Struktur“, so der Planer.

Knackpunkt sei die Betriebskostenersparnis durch energetische Sanierung, „und da gelten heute andere Standards als noch vor zehn oder 15 Jahren“.

Positiv werteten die Anwesenden den Erhalt der Sauna, Bauchschmerzen bereitet Badbesuchern die Zukunft der Gastronomie. Wie es hier weiter geht, wollten einige wissen. Laut Jörg Bringewald, Stadtkämmerer und Mitgeschäftsführer des Badbetreibers Oschatzer Freizeitstätten GmbH, nutzten bisher nur etwa ein Fünftel der Badgäste die Gastronomie. „Dieser Bereich ist der am stärksten subventionierte und derjenige, den wir am ehesten an einen anderen Anbieter auslagern. Was hier geschieht, ist in vor allen Dingen von der Nachfrage abhängig“, sagte er. Ziel müsse auch hier sein, dem Bedarf angemessen zu leisten.

Einzelne Gäste der Veranstaltung forderten Rabattaktionen, eine breitere Werbung für die Vorzüge des bestehenden und neu konzipierten Bades sowie Investitionen in das Aushängeschild – die Saunen. Freizeitstätten-Chefin Uta Moritz erklärte, neben lokaler und überregionaler Presse, Mundpropaganda und Werbung in den eigenen Einrichtungen verstärkt auf das Internet als Medium zu setzen. „Wir feilen an Konzepten, die im kommenden Jahr greifen. Ich bevorzuge gezielte und wohlüberlegte Entscheidungen, statt stetig Schnellschüsse zu liefern“, sagte sie. Vergünstigungen, Rabatte und andere Aktionen werde es nur vereinzelt geben. „Die Erfahrung zeigt, dass so etwas zwar gefordert wird, aber unterm Strich nicht mehr Gäste bringt.“ Planer Bert Hoffmann empfahl, sich auf die bestehenden Kurse zu konzentrieren und diese eventuell auszubauen, denn „ohne Zweifel bringen sie sicheres Geld“. Wellness sei ebenfalls stark gefragt, müsse allerdings bezahlbar bleiben.

Danny Kaschel erkundigte sich, ob die Kegelbahn im Falle bei einer Badschließung weiter betrieben werden könne. Der Planer bestätigte das. Ferner fragte der Limbacher, wie lange das Bad im Falle eines Umbaus geschlossen bleibt. Verwaltung und Planungsbüro gehen von 18 Monaten aus, „wobei Teilbereiche schon eher wieder geöffnet werden können“.

Stadtrat Albert Pfeilsticker (CDU) bezweifelt, dass die Pläne genügen, um den Zuschuss, wie erhofft, auf 500 000 Euro zu senken. Als Grund nannte er neben Personal- und Betriebskosten die kaum kalkulierbare Besucherzahl.

Von Christian Kunze

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