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Oschatz Fast Frieden: Begegnung an der Elbe in Torgau
Region Oschatz Fast Frieden: Begegnung an der Elbe in Torgau
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11:14 28.02.2019
Elisabeth Kohlhaas, Dokumentations- und Informationszenter DIZ Torgau, zeigt die Sonderausstellung „Begegnung an der Elbe im April 1945.“ Quelle: Kristin Engel
Torgau

Treten Sie ruhig ein! Schauen Sie sich um. Und lassen Sie uns an diesen historischen Moment erinnern.“ Elisabeth Kohlhaas breitet die Arme aus und schickt die Besucher in die Ausstellung des Dokumentations- und Informationszentrums auf Schloss Hartenfels in Torgau. Auch in diesem Jahr ist die SonderausstellungTorgau 1945 – Ein Kriegsende in Europa“ über die Begegnung an der Elbe im April 1945 wieder in den Räumlichkeiten zu besichtigen. Am 15. Februar wurde sie erneut eröffnet. Erneut? „Ja, die Ausstellung wird hier seit einigen Jahren immer wieder um die Zeit des Elbe Day aufgebaut. Dieses Jahr besteht allerdings die letzte Gelegenheit, sie so wie sie jetzt ist zu besichtigen. Noch einmal wird sie in dieser Konstellation nicht zu sehen sein. Im kommenden Jahr greifen wir das Thema in einer neu gestalteten Ausstellung wieder auf“, betont Elisabeth Kohlhaas. Denn: Dieser Handschlag – das Treffen an der Elbe von sowjetischen und amerikanischen Soldaten am Ende des Zweiten Weltkrieges – war besonders für Torgau ein Meilenstein.

Die vielen historischen Fotos in der Ausstellung dokumentieren den Moment der amerikanisch-sowjetischen Begegnung und deren Hintergründe. Ebenso bilden sie die grenzenlose Erleichterung über den „Handschlag an der Elbe“ ab. Das ersehnte Kriegsende lag damit für die Alliierten endlich in greifbarer Nähe. Und sicher kennt jeder Nordsachse das berühmte Foto. Kaum vorstellbar, dass es eigentlich ein paar Kilometer weit entfernt in Strehla entstehen sollte. Denn hier reichten sich die sowjetischen und amerikanischen Soldaten ursprünglich die Hand.

Wehrmachtsgefängnis in Torgau

Um die Zusammenhänge zu verstehen, muss man auf die Geschichte zurückblicken – auf das Jahr 1945. Genau genommen auf den 25. April 1945. Mehrere Aufklärungstrupps von Einheiten der Amerikaner starteten damals von der Mulde aus in Richtung Elbe. Die Patrouille des Unterleutnants William D. Robertson erreichte von Wurzen aus am 25. April 1945 Torgau.

In Torgau gab es zwei große Wehrmachtsgefängnisse – zwei von acht in ganz Deutschland. Zudem hatte das Reichskriegsgericht, das oberste militärische Gericht, seinen Sitz 1943 von Berlin nach Torgau verlegt. „Eine solche Konstellation von Einrichtungen der Militärjustiz im Zweiten Weltkrieg wie in Torgau konnte man sonst nirgends finden“, erläutert Elisabeth Kohlhaas. Die Amerikaner hatten vor, die letzten alliierten Häftlinge aus dem Wehrmachtsgefängnis Fort Zinna zu befreien. Die meisten ausländischen Häftlinge im Fort Zinna waren Kriegsgefangene, Kriegsverweigerer oder der Spionage verdächtigt. Viele wurden bereits hingerichtet. Die Patrouille stieß tatsächlich auf amerikanische Gefangene. „Erst dann kam es zur Begegnung mit den sowjetischen Soldaten“, erklärt Elisabeth Kohlhaas. Doch das stellte sich als komplizierter dar als gedacht. Die Elbbrücke lag in Trümmern. Die Eisenbahnbrücke – ein paar hundert Meter weiter – ebenso.

In der Ausstellung sieht man, wie russische und amerikanische Soldaten Arm in Arm auf den Straßen laufen. Quelle: Archiv Stiftung Sächsische Gedenkstätten/Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau

Keine Erkennungszeichen dabei

Die sowjetischen Truppen befanden sich auf der anderen Seite. Die Amerikaner wollten Kontakt mit ihnen aufnehmen. Doch sie hatten keine Erkennungszeichen bei sich. So besorgten sie sich ein Betttuch und Wasserfarbe. Sie malten die amerikanische Fahne auf das Tuch, befestigten dieses an einem Stock und kletterten auf den Schlossturm. Von hier aus schwenkten sie die Fahne. Die sowjetischen Soldaten beantworteten dies mit dem Abfeuern von Leuchtmunition. Da die Amerikaner auch diese nicht bei sich hatten, vermuteten die sowjetischen Soldaten eine List der Deutschen und beschossen den Turm. Schnell versuchten die Amerikaner einen sowjetischen Soldaten zu finden, der ihnen bei der Übersetzung helfen konnte.

So klappte schließlich die Begegnung. Elisabeth Kohlhaas deutet auf ein Bild in der Ausstellung, das den eigentlichen historischen Moment zeigt. Auf diesem ist zu sehen, wie die Soldaten über die zerstörte Elbbrücke klettern, um sich die Hand zu reichen. Doch warum ist das Bild vom Handschlag denn nun gar nicht das, was es zu sein scheint? „Das eigentlich erste Treffen fand ja in Strehla statt. Doch an diesem Ort befanden sich unzählige erschossene Zivilisten. Kein schöner Ort für ein Foto, das den Frieden darstellen soll. Daher stellte der Fotograf am Tag nach dem Zusammentreffen ein paar Soldaten in Torgau zusammen, um diesen historischen Moment nachzustellen“, erklärt die Ausstellungsführerin.

Moment des Stillstands

Die Ausstellung ermöglicht dem Besucher, noch einmal an diesem historischen Moment teilzuhaben und Details zu entdecken, die man auf den ersten Blick gar nicht erkennt. So wie das kleine Stück, welches an der selbstgestalteten Fahne der Amerikaner fehlte. „Ein Soldat hat ein Stück davon abgerissen, damit die Leute in der Heimat ihm die Geschichte auch glauben. Die Fahne landete letztendlich in Reims in Frankreich bei General Eisenhower. Was dann mit ihr geschehen ist, weiß heute niemand. Die Fahne bleibt verschollen“, berichtet die Ausstellungsführerin und zeigt ein Bild, auf dem man die innige Verbundenheit zwischen den amerikanischen, den sowjetischen und auch französischen Häftlingen aus dem Fort Zinna nach der Befreiung sieht. „Es war ein Moment des Stillstands. Der Krieg war in Torgau zu Ende und das Kriegsende in greifbare Nähe gerückt. Für alle Beteiligten war dies ein großes Glück und Erleichterung.“

Elisabeth Kohlhaas zeigt ihr ganz persönliches Lieblingsbild der Ausstellung. Ein Fest der Soldaten. „,Fast Frieden‘ könnte man dieses Bild mit der ausgelassenen Stimmung nennen. Es wurde im sowjetischen Hauptquartier in Werdau bei Torgau aufgenommen. An den Bäumen hängen Fotografien von Stalin und von Roosevelt, der kurz zuvor verstorben war. Die amerikanischen Gäste werden mit einem Banner begrüßt. Die Soldaten tanzen ausgelassen. Amerikanische mit sowjetischen. Fast wie ein Frühlingsfest.“ Doch auch nach diesen Tagen war viel los in der kleinen Stadt Torgau. Viele ehemalige Kriegsgefangene nutzten Torgau als Übernachtungsmöglichkeit, bevor sie weiter in Richtung Heimat zogen. Bis zu 15 000 am Tag. Und so dauerte es seine Zeit, bis wieder eine Art Normalität einzog. Viele weitere Details dieser Tage deckt die Ausstellung im DIZ auf.

Vor wenigen Tagen wurde die Ausstellung im DIZ Torgau aufgebaut und eröffnet. Quelle: Archiv Stiftung Sächsische Gedenkstätten/Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau

Noch heute erinnert Torgau an den denkwürdigen Tag. Jedes Jahr wird hier der Elbe Day gefeiert. Auch das DIZ hat hierfür die Ausstellung vorbereitet und lädt zu einigen öffentlichen Führungen ein. Der Handschlag von Torgau – ein Moment, der ein Teil der Geschichte des Zweiten Weltkriegs wurde.

Von Kristin Engel

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