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Oschatz Feuer in Pferdestall bei Mügeln: Brandursache weiterhin unklar
Region Oschatz Feuer in Pferdestall bei Mügeln: Brandursache weiterhin unklar
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16:50 23.02.2018
Mit einem Lader wurden die Trümmerteile im vorderen Bereich des Stalles weggeräumt. Insgesamt 88 Kameraden und die Wehren aus der Umgebung beteiligten sich bis in die Nacht an den Löscharbeiten. Quelle: Foto: Sven Bartsch
Mügeln

Am Morgen nach dem Feuer gleicht das Gelände zwischen der Mügelner Straße und der Staatsstraße 31 im Mügelner Ortsteil Niedergoseln einem Trümmerfeld. Der schwere Geruch von Asche liegt noch immer in der Luft, das Löschwasser hat den Boden in ein schlammiges Feld verwandelt. Die verkohlten Überreste des Dachs sind auf einem großen Haufen zusammengetragen. Da, wo bis vorgestern ein Pferdestall stand, sind jetzt nur noch Fundamente und Schutt übrig. Mittendrin steht Claudia Stevens-Borda, die die Halle als Reitanlage angemietet hatte. Ihre Tiere – 15 an der Zahl – sind einige Meter weiter in einem Areal untergebracht, das provisorisch mit Plastikstäben und -band umzäunt wurde. Zum Glück: Kein Pferd ist bei dem Inferno, das am Mittwochabend zwischen 19.30 und 20 Uhr ausgebrochen war, zu Schaden gekommen.

„Von 17 bis 18 Uhr hatten wir die letzten Reitstunde. Dann haben wir die Tiere gefüttert, das Haupttor zugemacht und sind kurz vor 19 Uhr nach Hause gefahren – der gleiche Ablauf wie jeden Abend“, erzählt Stevens-Borda. Wenig später habe sie durch den Anruf einer Bekannten erfahren, dass der Stall brennt, machte sich sofort auf den Weg zurück nach Niedergoseln. „Da hat schon alles lichterloh gebrannt und die Feuerwehr war vor Ort. Ich konnte es nicht glauben.“

„Die Tiere sind einfach hinausgegangen“

Angesichts dessen, was geschehen ist, wirkt Stevens-Borda erstaunlich ruhig und gesetzt. Wohl auch, weil die Situation einfach zu surreal wirkt. Und weil es all ihre Schützlinge unbeschadet aus dem Inferno geschafft haben. Die offene Stallhaltung machte es möglich: „Die Tiere sind einfach hinausgegangen und wenige Meter weiter stehen geblieben.“ Während der Löscharbeiten hätten sie sich nicht panisch, sondern erstaunlich ruhig verhalten. „Die Tiere hätten problemlos ausbüchsen können, blieben aber in der Nähe.“ Verwunderung und Erleichterung klingen gleichsam aus ihren Worten.

Die Leitstelle Leipzig hatte den Notruf um 20.10 Uhr weitergeleitet, zehn Minuten später waren die Kameraden vor Ort, informiert Einsatzleiter Mario Steinhilber. „Da war aber schon nichts mehr zu retten. Der Dachstuhl war bereits herunter gebrochen.“ 88 Mitglieder der Wehren aus Mügeln, Niedergoseln, Oschatz, Schweta, Wermsdorf, Sornzig und Ostrau waren mit insgesamt 17 Fahrzeugen im Einsatz, konnten das Feuer aber bis weit nach Mitternacht nicht unter Kontrolle bringen. Mit einem Lader mussten die Trümmerteile im vorderen Bereich des Stalls abgeräumt werden, um an die Glutnester an der Rückseite zu gelangen. Zwar konnte das Gebäude nicht mehr gerettet, aber immerhin verhindert werden, dass die Flammen auf die benachbarte Reithalle übergreifen, wo sechs weitere Pferde untergebracht sind.

Brand eines Pferdestalls in Niedergoseln nahe Mügeln am 24. Januar 2018

Stadt wird voraussichtlich bei Entsorgung unterstützen

„Der Einsatz war sehr gut koordiniert und organisiert“, resümiert Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke (Freie Wähler) am Morgen danach. Er selbst war bis spät nachts vor Ort gewesen, half bei der Koordination, orderte Verpflegung für die Einsatzkräfte. Die konnten erst um 2.45 Uhr abziehen, mussten nur viereinhalb Stunden später aber erneut ausrücken, um die letzten Glutnester zu löschen. Über die Ursache kann aktuell nur spekuliert werden. „Die Menschen sind immer schnell mit Vermutungen“, antwortet Stevens-Borda auf die Frage, ob sie Brandstiftung für möglich hält. „Da müsste sich schon jemand auf die Lauer gelegt haben.“ Ein Bekannter habe die Photovoltaikanlage auf dem Dach ins Spiel gebracht. Hinzu kommt, dass nicht wenig Stroh im Stall gelagert wurde. Genaue Informationen wird es jedoch erst geben, wenn die Brandermittler ihre Arbeit beendet haben. „Dann müssen wir sehen, ob und inwieweit die Versicherung in den Schaden mit einsteigt“, so Ecke, der zugleich eine „gewisse Unterstützung der Stadt“ zusagte, besonders bei der Entsorgung der Solarzellen.

Futter und Reitausrüstung fehlen nun

Und Claudia Stevens-Borda? Die ist indes sichtlich erleichtert, dass ihre Pferde vor Ort und gesund geblieben sind. Noch am Abend des Brandes startete eine ihrer ehemaligen Reitschülerinnen einen Aufruf bei Facebook, bat erfolgreich um kurzfristige Futterspenden. Doch es gibt ein noch größeres Problem: Die komplette Reitausrüstung ist den Flammen zum Opfer gefallen. „Ohne Ausrüstung kein Unterricht und damit auch kein Einkommen“, fasst Stevens-Borda ihre missliche Lage zusammen

Von Christian Neffe

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