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Finn aus Salbitz zieht mutterloses Lamm mit Flasche groß

Ersatzmama Finn aus Salbitz zieht mutterloses Lamm mit Flasche groß

Mit der Flasche zieht der zehnjährige Finn aus Salbitz bei Oschatz ein Lämmchen groß – inzwischen hält das kleine Schaf den Jungen für seine Mutter und kommt freudig auf ihn zugestürmt, sobald er sich nähert. Und das Lamm hat sogar doppeltes Glück: Anders als die anderen Schafe auf dem Hof der Familie wird Finns Liebling später einmal nicht geschlachtet werden.

Finn mit dem mutterlosen Schaf.

Quelle: Kristin Engel

Salbitz. Ein lautes Schafgebrüll ertönt, wenn sich der zehnjährige Finn dem Gehege nähert. Als er die Tür öffnet, drängt sich das jüngste Schäfchen an der Herde vorbei, rennt aufgeregt zu dem Jungen und hüpft vor Freude hin und her. Er hat eine Flasche dabei, gefüllt mit Milch. „Das Schäfchen bekommt jetzt noch drei Mal am Tag einen halben Liter Milch. Vorher war es ein ganzer Liter. Es frisst auch bereits Gras, daher werden wir es nun langsam von der Milch abgewöhnen“, erklärt Finn. Doch man hört ein wenig Wehmut in seiner Stimme. Denn seit das Lamm am 2. Juni geboren wurde, kümmert sich Finn um das anfangs hilflose Wesen.

Muttertier stirbt

Die Mutter des Schäfchens nahm ihr Kind nicht an. Sie war krank und starb kurz nach der Geburt. „Wir waren aber froh, dass sie ihr Kind bereits gesäugt hatte, sonst wäre es viel schwerer gewesen, das Tier an die Flasche zu gewöhnen“, sagt Finns Papa, Frank Clauss. Dennoch verweigerte das Tier zu Beginn die Flasche. Es bedurfte einiges an Überredungskunst, bis es schließlich die Milch trank. „Es hat einfach nicht stillgehalten. Wir haben die Milch erst auf den Finger getropft. Nachdem ihm das geschmeckt hat, hat er schließlich auch die Flasche akzeptiert“, sagt Finn zufrieden. Immerhin war es das erste Mal, dass sie ein Lamm mit der Hand großziehen mussten. Drei Mal am Tag macht Finn die Milch fertig. Dafür steht er sogar noch zeitiger auf, als er vor der Schule eigentlich müsste. In den Ferien war das Füttern kein Problem, nun in der Schulzeit hilft ihm Oma Rosi.

Gnadenbrot auf dem Hof

Seit etwa sieben Jahren gibt es auf dem Grundstück der Familie immer um die neun bis zehn Schafe. Auch wenn diese eigentlich zur Fleischgewinnung angeschafft wurden, erwartet das per Hand aufgezogene Tier ein anderes Schicksal. „Ein Schaf, das von Finn so liebevoll großgezogen wurde, wird nicht geschlachtet und bekommt hier bei uns sein Gnadenbrot“, sagt Frank Clauss. In der Schafherde befand sich zudem auch mal eine Ziege. „Diese hat aber nur Dummheiten gemacht. Sie hat mit ihren Hörnern den Zaun zerstört, ist so auf das Grundstück der Nachbarn gelaufen und hat dort die Himbeeren gefressen. Seitdem ist ganz klar, dass es bei uns keine Ziege mehr geben wird“, erzählt Frank Clauss.

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Auf dem Hof von Finns Familie in Salbitz leben zahlreiche Tiere wie Schafe, Wachteln, zwei Pfaue und Gänse.

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Das kleine Schäfchen ist nicht das einzige Tier, um das sich Finn kümmert. „Seit zwei Jahren habe ich auch Wachteln“, berichtet er stolz. Die vier Wachteln sind in den ehemaligen Ställen untergebracht. Das Füttern der Tiere und das Ausmisten des Geheges gehört ebenso zu Finns Aufgabe, wie das Entnehmen der Wachteleier. „Jeden Samstag und Sonntag gibt es die zum Frühstück.“ Die Tiere hat die Familie bei einer Geflügelausstellung erworben. „Wir hatten vorsorglich schon eine Kiste dabei“, erinnert sich Papa Frank Clauss. Finn kümmert sich seitdem gewissenhaft um die Tiere. „Sogar an den Sonnabenden, wenn wir noch im Bett liegen, steht Finn früh um sieben auf und geht zu den Wachteln“, sagt Mama Daniela Schreiber.

Pfauen zum Geburtstag

Auf dem großen Grundstück von Finns Eltern und Großeltern befinden sich nicht nur die Schafe und Wachteln, sondern auch ein riesiges Gemüsebeet und weitere Tiere, um die sich gekümmert werden muss. „Wir haben auch noch Enten, Hühner, Hasen, Tauben, Ziervögel, Katzen, einen Hund und zwei Pfauen.“ Pfauen? „Ja, die hat mein Papa zu seinem Geburtstag von Freunden geschenkt bekommen, weil er schon immer welche haben wollte. Da haben wir nicht schlecht gestaunt.“ Für Finn ist schon fast klar, dass er, wenn er älter ist, auch etwas mit Tieren machen wird – „…sollte es mit der Fußballer-Karriere nicht klappen“, sagt Mama Daniela Schreiber lächelnd. Denn neben seinen Pflichten bei den Tieren ist Finn seit zwei Jahren Kicker im Fußballverein in Salbitz. „Fußball spielen ist einfach toll. Besonders das Toreschießen. Ich bin auch bereits zu einem echten Spiel von Dynamo Dresden gefahren“, sagt er freudig. Woher der Zehnjährige diese Leidenschaft zum Fußball hat, kann sich Mama Daniela Schreiber nicht vorstellen. „Von uns jedenfalls nicht.“

Vom Handball zum Fußball

Anfangs hatte sich Finn beim Handball ausprobiert. Doch mit der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2014 war für den jungen Salbitzer schnell klar, dass nur Fußball für ihn infrage kommt. Regelmäßig besucht er Fußballcamps – 2017 in Salbitz, 2016 das RB-Leipzig-Fußballcamp in Oschatz, 2015 das Fußballcamp von Dynamo Dresden in Oschatz. „Dann wird immer sehr viel trainiert. Bei der einen Woche im RB-Camp sind wir auch einen Tag nach Leipzig gefahren und haben uns dort das Fußballstadion angesehen. Das war schon sehr beeindruckend“, erinnert sich Finn.

Doch das Aufregendste, das er bisher erlebt hat, war vor zwei Jahren der Einlauf ins Stadion mit Marvin Stefaniak, der zu dieser Zeit noch für Dynamo Dresden spielte. „Es war ein tolles Gefühl. Das Publikum hat gejubelt. Leider hat Dynamo Dresden dann verloren“, seufzt Finn. Das kann seine unvergesslichen Erinnerungen daran jedoch nicht trüben. Der Zehnjährige hat zudem bereits ein paar Pokale mit nach Hause gebracht.

Selbstgebautes Gewächshaus

Doch neben dem Fußballtraining ist er natürlich gerne im heimischen Garten bei den Tieren und in seinem Gewächshaus. Dieses hat er vor etwa drei Jahren mit seinem Papa gemeinsam gebaut. Hier wachsen Gurken und Paprika. Stolz zeigt der kleine Mann die Früchte, die sich hier gut entwickeln. „In diesem Jahr sind es wirklich viele. So bekommen wir auch welche ab. In den vergangenen Jahren hat Finn sie immer selbst gleich im Gewächshaus genascht“, lacht Daniela Schreiber.

Finn genießt die Zeit im Garten und bei den Tieren. „Es ist so schön, wenn mich das kleine Schaf von Weitem erkennt und zu mir läuft. Es hält mich für seine Ziehmutter. Für mich ist ganz klar: Sollte es einmal wieder ein Lämmchen geben, das meine Hilfe braucht, werde ich auch dieses wieder mit der Flasche und vielen Streicheleinheiten aufpäppeln.“

Von Kristin Engel

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