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Fit für den Weltmarkt: Oschatzer Waagen schauen optimistische in die Zukunft

Oschatzer Waagen Fit für den Weltmarkt: Oschatzer Waagen schauen optimistische in die Zukunft

Die Oschatzer Waagen ist ein Unternehmen, welches eng mit der Oschatzer Geschichte verwurzelt ist. Allerdings gehören die meisten Oschatzer Waagenbauunternehmen auch der Geschichte an. Nicht die Oschatzer Waagen. die haben mit Schüttgutwaagen eine Nische auf dem Markt besetzt. Produkte aus Oschatz sind unter anderem in Russland oder Frankreich zu finden.

Jörg Ulmitz (l.) an einer Waage aus Oschatzer Produktion, die soll in den kommenden Jahr ausgebaut werden.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Seit der Gründerzeit im 19. Jahrhundert ist Oschatz ein Zentrum des Waagenbaus. Im Jahr 1872 entstand die Oschatzer Waagenfabrik Kopp & Haberland als „Spezialfabrik für Waagen aller Art“, die ihren Firmensitz 1905 in die Bahnhofstraße 37 verlegte. Nach der Demontage fast aller Maschinen als Reparationsleistungen im Jahr 1945 und Neuaufbau der Produktion wuchs das Unternehmen auf über 500 Beschäftigte und entwickelte sich zum größten Waagenbauer für den gesamten Ostblock. Nach der Wende wurde es zunehmend ruhiger um den Waagenbau in Oschatz, der wechselhafte wirtschaftliche Zeiten durchlaufen musste. Nach der Verwaltung durch die Treuhandanstalt und einer missglückten Privatisierung drohte 2004 das Aus des traditionsreichen Gewerbes in Oschatz.

Mitte 2004 gründete Heiko Börner mit einigen langjährigen Kollegen die Oschatzer Waagen GmbH und konzentrierte sich fortan auf Sonderlösungen im Bereich der Industriewaagen.

Bei Gerd Döhnel, der den Neuaufbau des Unternehmens mit seinem Fachwissen aus mehreren Jahrzehnten Waagenbau unterstützte, stand allerdings auch ein Generationswechsel an. Dieser wurde vor einigen Monaten erfolgreich vollzogen. Der gebürtige Döbelner Jörg Ulmitz (46) hat nun die kaufmännische und vertriebliche Geschäftsführung inne und will die Oschatzer Waagen gemeinsam mit Heiko Börner als technischem Geschäftsführer erfolgreich in die Zukunft führen. „Ich bin bei der Suche nach einer neuen Herausforderung mehr oder weniger zufällig auf die Oschatzer Waagen GmbH aufmerksam geworden. Ich habe mich hier eine Weile eingearbeitet und bin letztendlich über die klassische Nachfolgeregelung in das Unternehmen eingestiegen. Ich organisiere in erster Line den Vertrieb, den Einkauf und die Marketingaktivitäten“, sagt Jörg Ulmitz.

In den vergangenen Jahren hat sich das Unternehmen zunehmend auf Waagen und Dosierlösungen für die Industrie spezialisiert. „Das gesamte frühere Waagensortiment von Fein- und Laborwaagen bis hin zu Fahrzeugwaagen können wir nicht mehr abdecken.“, so Ulmitz.

Zum Produktportfolio gehören vor allem elektromechanische Schüttwagen für Getreide, Malz, Salz oder die verschiedensten Granulate. Diese Waagen werden unter anderem in der Industrie und der Landwirtschaft nachgefragt. Zum Sortiment gehören weiterhin Absackanlagen für Saatgut und Futtermittel oder Big-Bag-Anlagen in denen Baustoffe oder chemische Materialen abgefüllt, gewogen und transportiert werden können.

Das Oschatzer Unternehmen kann durch seine flexible Fertigung in der Bahnhofstraße auch individuelle Sonderanfertigungen für die Industrie oder Spezialwaagen für explosionsgefährdete Bereiche realisieren und entwickelt teilweise exotische Anlagen, wie zur Verwiegung und Verpackung von Watte. Die Oschatzer Waagenbauer haben sich in den zurückliegenden Jahren auf dem Markt eine gute Position erkämpft. Dabei agieren sie inzwischen auch mit Bravour auf dem internationalen Sektor. So gingen beispielsweise sechs Absackanlagen an ein Mischfutterwerk in Saudi-Arabien, sieben Big-Bag-Entleerungseinheiten wurden an eine Fabrik nach Frankreich geliefert und eine weitgehend automatisierte Big-Bag-Befüllung für Schwefelpastillen ging in doppelter Ausfertigung an eine Raffinerie nach Russland. Das war noch vor dem Embargo. „Die Handelseinschränkungen zu Rußland belasten uns schon sehr. Wir ostdeutschen Unternehmen haben traditionell einen guten Kontakt nach Russland. Dieser gesamte Umsatz fällt für uns momentan weg“, sagt Jörg Ulmitz.

Umso mehr freuen sich die Oschatzer Waagenbauer über eine gute Marktentwicklung im Inland. Weitere Aufträge wie beispielsweise die Anfang des Jahres in Betrieb genommenen zwei riesigen Getreideschüttwaagen für einen neuen Schiffsbelader bei Bremerhaven oder die im letzten Jahr realisierten Malzwaagen für die neue Paulaner Brauerei in München stehen an.

Mit ihren zehn Mitarbeitern erwirtschaftet die Oschatzer Waagen GmbH derzeit einen Jahresumsatz von rund 1,4 Millionen Euro. Bei dem traditionsreichen Mittelständler ist die Belegschaft gut gemischt, setzt sich aus Konstrukteuren, Metallverarbeitungsfachleuten, Monteuren und Fachkräften für Steuerung und Schaltschrankbau zusammen. „Die Oschatzer Waagenbauer vom alten Schlag sterben langsam aus“, bedauert Jörg Ulmitz, der weiter auf der Suche nach Fachkräften ist. Ab 2017 will das Unternehmen einen Ausbildungsplatz schaffen und den eigenen Firmennachwuchs im Bereich Mechatronik beziehungsweise Waagenbau ausbilden.

Für die Zukunft wünschen sich die beiden Geschäftsführer Jörg Ulmitz und Heiko Börner einige infrastrukturelle Verbesserungen am Firmenstandort an der Oschatzer Bahnhofstraße. „Alles, was zu unserem Unternehmen gehört, haben wir ganz gut in Schuss, aber die Gebäude um uns herum sind in einem nicht so guten Zustand“, so Ulmitz. „Wir wünschen uns eine Entwicklung des Gewerbeparkes zu einem interessanten Wirtschaftsstandort in Oschatz“, so die beiden Geschäftsführer. Dazu zählen vor allem eine bessere Infrastruktur innerhalb des Geländes und eine schnellere Internetanbindung. Wünschenswert ist eine Sanierung des historischen OWA-Gebäudes an der Einfahrt von der Bahnhofstraße, welches jedoch nicht der Oschatzer Waagen GmbH gehört. Auch der alte Diska-Markt gilt nicht gerade als Aushängeschild für das Areal.

Von Hagen Rösner

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