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Oschatz Fleischer Fleischer übergibt an Fleischer Fischer
Region Oschatz Fleischer Fleischer übergibt an Fleischer Fischer
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16:19 05.03.2015
Fleischermeister Thomas Fischer hat die Geschäftsführung der Oschatzer Fleischwaren übernommen und will das Unternehmen erfolgreich weiterführen. Quelle: Dirk Hunger

Nach der Wende wurde aus der PGH eine GmbH. Jetzt hat es eine Veränderung in der Geschäftsführung gegeben. Fleischermeister Thomas Fischer ist Geschäftsführer des Unternehmens. Er löst den langjährigen Geschäftsführer Bernd Fleischer ab, der dem Unternehmen weiter verbunden bleibt. OAZ sprach mit Thomas Fischer über die Situation am Markt und Herausforderungen für die Zukunft.

Herr Fischer, die Oschatzer Fleischwaren haben hier am Ort eine Tradition. Wie läuft der Laden?

Uns gibt es seit 1958. Wir waren lange Zeit ein reiner Produktionsbetrieb. Nach der Wende ist uns mit der HO ein wichtiger Handelspartner abhanden gekommen. Wir haben dann auch eigene Läden gegründet. Jetzt handeln wir also auch selbst. Es gibt einen Anteil am Großhandel - und Marktkauf in Oschatz und Döbeln beziehen auch Waren von uns. Wir beschränken uns aber im Großen und Ganzen auf die Region hier. Und wir stehen ganz gut da.

Bei den Oschatzer Fleischwaren wird nicht selbst geschlachtet?

Wir schlachten nicht selber. Wir waren schon immer ein reiner Verarbeitungsbetrieb. Wir kaufen unser Fleisch beim Schlachthof Färber in Belgern oder beim Fleischereinkauf Leipzig ein. Für uns ist die regionale Herkunft des Fleisches wichtig.

Ihre herzhaften Produkte gehen auf historische Rezepturen zurück?

Wir stellen viele unserer Produkte heute noch nach alten Rezepturen her. Die Geschmacksrichtung, die wir anbieten, hat sich über Jahrzehnte in der Region entwickelt. Unsere Kunden mögen das. Das ist unser Plus, an dem wir anknüpfen. Durch die Nähe zu unseren Läden ist bei unseren Waren Frische und Qualität garantiert.

Wie hat sich der Fleischkonsum in den vergangenen Jahren entwickelt?

Man kann die heutige Zeit nicht mehr mit der DDR-Zeit vergleichen. Der Fleischkonsum der Bevölkerung ist generell zurückgegangen. Zudem stehen wir ja in einer direkten Konkurrenz zu den Fleischabteilungen in den Supermärkten. Viele Discounter bieten bei Aktionen ihr Fleisch für das Geld an, für welches wir es im Einkauf bekommen. In dem Maße wie die Fleischtheken wachsen, geht unsere Verkauf zurück. Um diese Lücke zu schließen, ist der Partyservice und Fleischerimbiss ein zweites Standbein unseres Unternehmens geworden.

Spielen bei Ihnen aktuelle Trends wie die bewusste Ernährung in der Produktionsstrecke auch eine Rolle?

Fettreduzierte Ware spielt bestimmt eine Rolle. Wir haben uns da auf der Geflügelstrecke etabliert. Wir verarbeiten aber auch hochwertiges Rindfleisch, das von Natur aus wenig Fett hat. Unser Markenzeichen ist aber die herzhafte regionale Geschmacksrichtung.

Was zählen Sie dazu?

Da sind in erster Line die Knacker, das gesamte Hausschlachte-Sortiment mit Blut- und Leberwurst. Das sind unsere echten Renner. Natürlich gibt es Schwankungen entsprechend der Jahreszeiten. Im Sommer geht vor allem die Grillstrecke mit marinierten Steaks und Rostbratwürsten gut. Mit der kälteren Jahreszeit steht dann wieder die hausschlachtene Strecke ganz oben. Das ganze Jahr über sind unsere Wiener und Bockwurst ein Verkaufsschlager.

Wie sieht es mit ihrem Filialsystem aus, planen Sie Veränderungen?

Wir haben elf eigene Filialen, davon fünf in Oschatz und jeweils eine in Strehla, Dahlen, Belgern, Wurzen, Luppa, Mügeln. Außerdem verfügen wir über Verkaufswagen für die Wochenmärkte. Im Moment ist keine Ausweitung des Filialsystems geplant. Wir beobachten den Markt und werden gegebenenfalls reagieren. Wir haben eine Größe beim Vertriebssystem erreicht, mit der wir zufrieden sind. Wir sind ein regionales Unternehmen.

Wie sieht die Zukunft für die Fleischereien in der Region aus?

Das Sterben der kleineren Fleischereien in Sachsen ist nach wie vor ein Thema. Wir haben aktuell auch durch den Mindestlohn Mehrbelastungen, die wir noch mit dem günstigen Einkaufspreis für Schweinefleisch kompensieren können. Aber alle müssen scharf kalkulieren, um zu überleben.

Interview: Hagen Rösner

Hagen Rösner

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