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Fliegerclub Oschatz bildet Segelflieger-Nachwuchs aus

Segelflugsport Fliegerclub Oschatz bildet Segelflieger-Nachwuchs aus

Die Freiheit über den Wolken suchen die Mitglieder des Fliegerclubs Oschatz. Etwa 50 Frauen und Männer sind derzeit dabei – und der Verein ist auch bei der Ausbildung des Flieger-Nachwuchses sehr aktiv.

Thomas Lange im Segelflieger.

Quelle: Kristin Engel

Nordsachsen. Auf dem Gelände der Oschatzer Segelflieger herrscht reger Betrieb. Einige Flugschüler müssen noch die verschiedenen Landungen üben. Dafür geht es, am Motorflugzeug festgemacht, mit dem Segelflugzeug nach oben. „Mit dem Motorflugzeug können die Segelflieger bis zu 1000 Meter hoch gebracht werden“, erklärt Thomas Lange, stellvertretender Vorsitzender vom Fliegerclub Oschatz. „Dort müssen sie sich dann selbst Aufwind suchen, um in der Luft bleiben zu können. Mit der Schleppwinde können die Flugzeuge bis zu 300 Meter hoch geschleppt werden.“ Der 46-Jährige selbst beschreibt das Fliegen im Segelflugzeug als ziemlich cooles Gefühl. „Man hat die Möglichkeit, sich die Gegend von weit oben anzusehen. Zudem ist da die Physik, gegen die man arbeiten muss. Dafür müssen die Winde ausgenutzt werden. Es gibt spezielle Flugwetterberichte, bei denen man auf die Stunde genau erkennen kann, wann Aufwinde in welcher Region sind.“

Platz nehmen im Segelflieger

Platz nehmen im Segelflieger.

Quelle: Kristin Engel

Lange erklärt, dass Wolken dafür eine sehr wichtige Rolle spielen. „Was andere als harmlose Schönwetterwolken bezeichnen, sind für uns die idealen Flugbedingungen. Hier bildet sich der Aufwind, indem warme Luft nach oben steigt, sich wieder abkühlt und sich eine Haufenwolke bildet. Man springt quasi von Wolke zu Wolke.“ Ein strahlend blauer Himmel ist somit keine optimale Ausgangsposition, wenn man weite Strecken zurücklegen möchte. Doch auch dann haben die Experten ein paar Tricks. Sie wissen, dass der Aufwind über trockenen Feldern, Sand- oder Heideflächen besonders oft zu finden ist. Feuchte Wiesen hingegen würden keinen Aufwind bieten.

25 Wolkenkategorien

Das müssen jedoch nicht nur die Profis, sondern auch die Flugschüler wissen. In den Wintermonaten hatten sie Theorieunterricht – 60 Stunden, bevor es zur Prüfung in die Landesdirektion nach Dresden gehen konnte. „Jeder Flieger muss in sieben Unterrichtsfächern ausgebildet werden. Dazu gehört unter anderem das Wissen über die unterschiedlichsten Wolken und wie man sie für den Segelflug nutzt. Es gibt 25 Wolkenkategorien“, nennt Thomas Lange nur ein Beispiel.

Der praktische Teil der Flugausbildung findet von März bis Oktober in Oschatz statt. Schritt für Schritt werden gemeinsam mit dem Fluglehrer, der im hinteren Cockpit sitzt, die einzelnen Übungen geprobt. Geradeaus fliegen, sauber links und rechts herum kreisen, Start und Landung erlernen und richtig reagieren, wenn es zu einem gefährlichen Flugzustand, zum Beispiel einem Seilriss beim Start oder Trudeln kommt. „All das muss vorher geübt werden. Wenn man es einmal kann, ist es wie Fahrrad fahren. Man verlernt es nie.“

Zwei Jahre für Segelfluglizenz

Um eine Segelfluglizenz zu erwerben, rechnet man mit rund zwei Jahren. „Bei der Fliegerei ist es nicht so, wie beim Führerschein, weil man nicht einfach mal eben unterbrechen und dann weiter üben kann. Bei der Fliegerei hat man alle Wetter schon einmal miterlebt und in der Ausbildung verschiedene Szenarien getestet. Außenlandungen auf einem Acker gehören da zum Beispiel auch dazu.“ In der Zeit der Ausbildung ist immer der Fluglehrer mit im Flugzeug und kann im Ernstfall auch eingreifen. Erst, wenn der Flugschüler nach einem festen Programm ausgebildet und sicher ist, lässt man ihn auch mal alleine fliegen, während der Lehrer am Funkgerät auf dem Boden die Anweisungen geben kann. Die Flugschüler sind übrigens nicht nur junge Leute, der älteste in Oschatz ist 76 Jahre alt.

Thomas Lange (l) bildet den Nachwuchs aus

Thomas Lange (l.) bildet den Nachwuchs aus.

Quelle: Kristin Engel

Der Oschatzer Verein ist mit elf Fluglehrern sehr komfortabel ausgestattet. Zudem sind zehn Flugzeuge Eigentum des Vereins: zwei Motor- und acht Segelflugzeuge. Drei Flugzeuge sind Doppelsitzer, die mit einer zweifach ausgelegten Steuerung ausgestattet sind und für die Ausbildung oder Gastflüge genutzt werden. Mit der „Foka-4“ ist auch ein Holz-Oldtimer dabei. Auf diesem Typ wurde im Jahr 1964 sogar mal eine Weltmeisterschaft gewonnen. Auch in Holzbauweise gefertigt sind zwei „Piraten“, die gern von Flugschülern geflogen werden, und zwei Kunststoffsegler Typ „Astir“, mit denen unter anderem Leistungssegelflug betrieben wird.

Vier Frauen unter 50 Fliegern

„Bei Segelflugzeugen ist es wie bei Heißluftballons – im Notfall sind sie berechtigt, fast überall zu landen“, berichtet Thomas Lange. „Wenn kein Aufwind mehr da ist, bleibt einem oft keine andere Möglichkeit. Für dabei entstandene Schäden am Feld oder ähnlichem springt die Luftfahrthaftpflichtversicherung ein, die jedes Luftfahrzeug in Deutschland haben muss. Geht man auf einen längeren Überland-Streckenflug, sollte man auch immer eine Wasserflasche dabei haben. Dazu etwas Saftiges, wie einen Apfel oder eine Gurke. Eine Schnitte ist eher ungeeignet: viel zu trocken. Trinken sei sehr wichtig. Doch wohin, wenn das Wasser, der Saft oder der Kaffee wieder raus möchten? „Für dieses Problem haben unsere Flieger die unterschiedlichsten Lösungen für sich entdeckt. Denn mal schnell rechts ran fliegen, um auf die Toilette zu gehen, ist natürlich nicht möglich. Von Windeln bis zu speziellen Urin Bags aus dem Sanitärfachhandel reichen die verschiedensten Vorgehensweisen“, verrät Thomas Lange.

Im Fliegerclub Oschatz gibt es rund 50 aktive Flieger, darunter vier Frauen. Wie jeder Verein sind auch wir immer auf der Suche nach jungen Nachwuchsfliegern“, sagt Vereinsvorsitzender Jan Simon. „Wir hätten gerne noch mehr weibliche Mitstreiterinnen.“ Die Zusammengehörigkeit im Verein sei aber super. Neben der Fliegerei wird oft zusammen gegrillt und das Vereinsleben gefestigt. Die Mitglieder unternehmen zudem gemeinsame Ausflüge – natürlich immer zu Orten, in denen die Fliegerei eine Rolle spielt. Drei Mal im Jahr – in den Oster-, Herbst- und Sommerferien – ist eine ganze Woche durchgängig Flugbetrieb auf dem Platz. Da wird dann auch mal von Donnerstag bis Sonntag im Wohnwagen am Flugplatz gecampt.

Zweiter Verein in Oschatz

„Der Platz war früher bereits Flugplatz – zu DDR-Zeiten von 1955 bis 1976, dann kam das große Flugplatzsterben. Einige hörten damals mit dem Fliegen auf, andere gingen der Fliegerei in Taucha weiter nach. Es ist schon mehrmals vorgekommen, dass alte Männer herkommen und uns erzählten, dass sie hier einst das Fliegen erlernt haben. Erst 1990 wurde der Verein neu gegründet und dem Flugplatz neues Leben eingehaucht. Nach dem Carnevalsverein waren wir der zweite Verein, der sich hier in Oschatz gründete“, erzählt Thomas Lange.

Noch heute wird versucht, alle Schäden an den Maschinen selbst zu reparieren und die Technik auf den aktuellsten Stand zu warten. Dafür haben sich Vereinsmitglieder in ihrer Freizeit qualifiziert und Ausbildungen zum Techniker oder Werkstattleiter absolviert. Für bestimmte Sachen müssen die Maschinen jedoch zur Reparatur geschafft werden. Einmal im Jahr ist zudem bei jedem Flugzeug die Jahresnachprüfung – quasi der Segelflieger-TÜV – fällig. Dieser Termin darf nicht vergessen werden, sonst verliert die Maschine die Zulassung. Überhaupt müssen viele Gesetze beachtet werden und ein Alarmplan ist natürlich auch vorhanden. „Unser Startwagen ist unser kleiner Tower, da haben wir einen Windmesser und das Funkgerät. Jeder Start wird genauestens elektronisch dokumentiert“, zählt Lange einige Sachen auf. Er selbst habe bereits als 14-Jähriger mit der Fliegerei begonnen. Damals wollte er noch Militärflieger werden. Nach der Wende und einem Umzug vom Thüringer Wald nach Leipzig, schloss er sich dem Oschatzer Verein an.

Keine großen Kosten

„Es lässt einen nicht los. Viele denken, dass dieses Hobby mit hohen Kosten verbunden ist. Dem muss ich widersprechen. Mit Beiträgen, Fluggebühren und Startgeldern kommt man so auf 600 bis 1000 Euro im Jahr. Ein eigenes Segelflugzeug muss man sich nicht anschaffen, denn damit ist neben relativ hohen Anschaffungskosten auch viel Verantwortung und Aufwand verbunden. Hier im Verein sind ausreichend Flugzeuge vorhanden.“ Im Jahr 2009 erwarb Thomals Lange mit 39 Jahren seine Lehrberechtigung. „Am Anfang habe ich es mir nicht zugetraut. Man muss ja auch eingreifen können. Die erfahrenen Fluglehrer haben mir aber gut zugeredet.“

„Wir sind ein Sportverein aus Liebe zur Fliegerei“, sagt Vereinschef Simon. „Das Erlebnis Fliegen steht bei uns an oberster Stelle, die Wettbewerbsfliegerei bei Meisterschaften hingegen ist bei den meisten von uns nicht ganz so wichtig. Dennoch vergleichen wir uns in sportlichem Ehrgeiz im dezentralen, onlinebasierten Wettbewerb OLC fast täglich mit den Segelfliegern in Sachsen und Deutschland und haben da auch schon zum Beispiel in der Mannschaftswertung vordere Plätze belegt.“ Mit 14 Jahren kann man bereits mit der Segelflugausbildung anfangen. Nach oben gibt es keine Grenzen. „Wenn man ganz früh anfängt, könnte bereits im Alter von 15 Jahren alleine geflogen werden und mit 17 die Fluglizenz in den Händen gehalten werden“, wirbt Jan Simon für die Fliegerei. „Die Jugend fliegt bei uns zu einem festen Preis von 42 Euro im Monat. In dieser Flatrate sind Ausbildung, Startgebühren, Versicherungen und Beiträge bereits enthalten. Egal ob man einmal oder 100 Mal im Monat abhebt, der Preis bleibt der gleiche. Es gibt bei uns übrigens auch Schnupperflüge zum Kennenlernen.“

Einmal im Jahr, meist am letzten Augustwochenende, gibt es zudem ein großes Fliegerfest im Verein, zu dem oft hunderte Besucher kommen. Am letzten Samstag im Oktober, endet dann das fliegerische Jahr.

Fliegerclub Oschatz, Wermsdorfer Straße 36, Internet: www.flugplatz-oschatz.de

Von Kristin Engel

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