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Oschatz Flotte Finger in Ablaß – Frauen schleißen Federn
Region Oschatz Flotte Finger in Ablaß – Frauen schleißen Federn
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13:57 21.02.2018
An einer Tafel sitzen die Frauen vom Heimatverein beisammen. Quelle: Bärbel Schumann
Außig

Wärmende Betten, weiche Kissen – gerade in der kalten Jahreszeit werden von uns Menschen derartige Annehmlichkeiten geschätzt. „Mein Mann braucht sein Federbett heute noch. Er will nicht darauf verzichten. Das ist sogar noch von meiner Aussteuer“, erzählt Gudrun Wolff in der Frauenrunde an der langen Tafel in der „Guten Stube“ im Domizil des Ablaßer Heimatvereins an diesem Nachmittag sitzend.

Berge von weißen Federn

Einmal im Jahr treffen sich die Frauen vom Verein und laden auch Interessierte ein, um mit ihnen Federn zu schleißen. So bewahren sie eine Tradition aus dem bäuerlichen Leben, wo vor allem nur ältere Menschen noch wissen, was sich hinter dem Begriff Federnschleißen verbirgt. An langen Winterabenden, um Kissen- und Bettfüllungen zu fertigen, sitzt man heute fast nur noch aus Tradition in der Form beieinander.

In der Mitte auf dem Tisch liegen kleine Berge von weißen Federn von Gänsen. Jede Einzelne muss von den Frauen in die Hand genommen werden, um mit der anderen vom Federkiel die Daunen abzuzupfen. Die werden benötigt, um Kissen und Betten zu füllen. Eine mühselige Arbeit, denn es dauert Stunden, bis man genügend zusammen hat. Wie mühselig das ist, belegt der Tatbestand, dass die 16 Frauen vom Verein an diesem Nachmittag gerade mal die Daunen für ein Sofakissen zusammen bekommen. Und das trotz voll konzentrierter Arbeit.

Zupfende Hände

Seniorin Ilse Sember erinnert sich, dass für eine Zudecke sieben Pfund Federn beziehungsweise Daunen gerechnet wurden. Da braucht es schon vieler zupfender Hände, um eine solche Masse zusammen zu bekommen.

Bei den meisten der anwesenden Frauen geht die Arbeit flott von der Hand. Kein Wunder, waren sie doch schon als junge Frauen in den Runden – wo zugleich das Neueste vom Dorfgeschehen ausgetauscht wurde – dabei.

Heute sucht man jedoch die jungen Frauen, die sich für derartiges Tun interessieren, bei den Ablaßern vergebens. Ramona Richter ist mit ihren 57 Jahren diesmal die Jüngste. Neuling beim Schleißen ist Heidi Pönitz. „Ich mache das heute zum ersten Mal“, erzählt sie bei der Zupfarbeit und versucht von den erfahrenen Federschleißerinnen noch einige Tricks zu erfahren. Die gebe es nicht. Dann wird gefachsimpelt, welche Federn die besten für die Betten und Kissen wären. Schnell ist Einigkeit hergestellt: Die Gänsefedern sind es. Nicht nur wegen der Federn und Daunen, sondern vor allem, weil sie geruchlos seien. „Ente riecht man sofort“, meint Kornelia Kupfer, denn derartige Kissenfüllungen mag sie ganz und gar nicht.

Nach der Arbeit folgt der Plausch

Kaffeeduft zieht Minuten später durch den Raum. Selbst gebackener Kuchen steht bereit. Auch das gehörte früher zum Federschleißen. Denn nach getaner Arbeit saß man in gemütlicher Runde zusammen, aß, trank und tratschte über Gott und die Welt. Und auch darüber, für welche Aussteuer man demnächst gemeinsam wohl die Betten und Kissen füllen werde.

Von Bärbel Schumann

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