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Flüchtlingsunterkunft wirft viele Fragen auf

Flüchtlingsunterkunft wirft viele Fragen auf

Knisternde Atmosphäre in der Heidepension: Über 200 Einwohner der Region warteten am Montagabend gespannt auf Informationen zur geplanten Unterbringung von Flüchtlingen im Buchaer Hotel Zur Mühle.

Voller Saal in der Heidepension Bucha: Über 200 Besucher wollten sich über die geplante Unterbringung der Flüchtlinge im benachbarten Hotel informieren und ihre Fragen dazu stellen. Fotos: Dirk Hunger

Quelle: Dirk Hunger

Bucha. Von Axel Kaminski

In diesem und im nächsten Jahr werden jeweils 34 Flüchtlinge erwartet. Die Cavertitzer Bürgermeisterin Christiane Gürth (SPD) und das Landratsamt hatten zur Einwohnerversammlung geladen.

Christiane Gürth betonte, dass vor Kriegen geflüchtete Menschen zweifelsfrei Hilfe bräuchten. Die vor der Gemeinde stehende Aufgabe verlange Verständnis und Engagement. Über die Vorbehalte solle man reden - am besten mit den Flüchtlingen.

Angelika Stoye, Ordnungsdezernentin des Landkreises, erläuterte, dass derzeit 1300 Flüchtlinge im Landkreis leben und in diesem Jahr mit weiteren 1000 gerechnet werde. Sie betonte, dass das Projekt zur Unterbringung von Flüchtlingsfamilien in Bucha keine Erstaufnahmeeinrichtung sei. Von dort kämen die Menschen erst nach der Registrierung und einer Gesundheitsuntersuchung hierher. Das Landratsamt werde über die Volkshochschule 150 Stunden umfassende Deutschkurse anbieten. Für die Kinder dieser Familien bestehe - wie für jedes deutsche Kind des gleichen Alters - Schulpflicht. Die Kinder der Familien, die Bucha zugewiesen werden, sollen Integrationssklassen an der Grundschule "Collmblick" in Oschatz beziehungsweise an der Mügelner Oberschule besuchen. Das Haus werde durch den Betreiber, die Asyl-Betreuungs- und Beherbergungs GmbH aus Grimma, rund um die Uhr besetzt sein.

Nach einer knappen halben Stunde begann die Fragerunde, in der zumeist Angelika Stoye Auskunft gab. So interessierte die Gäste, wie lange die Familien in Bucha bleiben werden. Ihr Aufenthalt dauere bis zum Abschluss des Asylverfahrens, was zwischen wenigen Monaten und einem Jahr sein könne. Die Flüchtlinge müssten nicht im Hotel "herumlungern", wie ein Bürger befürchtet. Es werde neben dem Deutschkurs Arbeitsgelegenheiten im Hause geben.

Zur Frage, wie viel Geld Hotelbesitzer Mario Gerdemann erhält, gab die Dezernentin keine Auskunft. Da sie noch weitere Verhandlungen führen müsse, werde sie keine Preise nennen.

Gerdemann erläuterte, dass er das Haus vor 17 Jahren übernommen, aber seitdem noch keinen Euro damit verdient habe. Das wurde von einigen Besuchern mit Hohngelächter und Zwischenrufen wie "alles Ausrede" quittiert. Er habe das Haus schon vor einem Jahr schließen wollen, nun werde dem Personal gekündigt.

Unverständnis äußerten einige Bürger darüber, dass nun, da die Flüchtlinge kommen sollen, Probleme angegangen würden, für die sich bisher niemand interessiert habe. So kündigte Angelika Stoye an, die Busverbindungen in Bucha zu überprüfen, damit Einkaufsstätten und Schulen erreichbar sind. Die jetzt entstehenden Möglichkeiten der Integration von Flüchtlingskindern an den Schulen stießen einem Bürger auf, der die Inklusion behinderter Kinder vernachlässigt sieht und befürchtet, dass es nun keine Verbesserungen geben wird.

Jens Gatter, der für die NPD im Kreistag sitzt, fragte, wo nach 34 Aufnahmen in diesem und weiteren 34 in 2016 in Bucha die rote Linie gezogen werde, wo das Geld herkomme und ob sich der Landkreis verschulde. Dem setzte Angelika Stoye die Hoffnung auf die vom Bund beschlossenen Hilfen entgegen.

Sabine Steinmann aus dem benachbarten Lampertswalde empfahl, die Augen für die Fremden zu öffnen. "Ihr lieben Buchaer, wir lassen Euch nicht im Stich", sagte Pfarrer Markus Gnaudschun. Er regte ein Netzwerk für Nachbarschaft an, das sich den Sorgen und Nöten der Deutschen und der Flüchtlinge zuwenden solle. © Kommentar

Aus der Oschatzer Allgemeinen Zeitung vom 30.09.2015

Axel Kaminski

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