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Fuchs-Alarm in Thalheim

Fuchs-Alarm in Thalheim

"Fuchs, du hast das Huhn gestohlen!" Dieses Lied könnte in Thalheim ein Hit sein. In den vergangenen Wochen sind hier über 70 Hühner aus den Ställen und Gärten verschwunden.

Thalheim.

 

Von Janett Petermann

 

 

 

"Stellen Sie sich vor, Sie kommen am Morgen in ihren Garten und finden nur tote und verstümmelte Hühner vor. Dort, wo es am Vortag noch laut gackerte. Da sind die Füchse auf einmal nicht mehr so niedlich, wie sie in den Medien dargestellt werden", sagt Gisela Kühne, die in einem Eigenheim am Ortsrand wohnt. "Die Füchse kommen aus dem Rapsfeld und graben sich unter den Stallmauern und Zäunen durch zu ihrer Beute. Manche Tiere sind sogar so frech, dass sie mit ihrer erlegten Beute im Maul die Dorfstraße in Richtung Feld entlang flanieren", ärgert sich ihr Mann Rudolf.

Allein in diesem Jahr wurden bisher in Thalheim etwa 70 Hühner gerissen. Gänse verschonten die Füchse. Sämtliche Vorsichtsmaßnahmen der Bürger waren erfolglos. Auch Herbert Hecht wohnt am Ortsrand. Der Hühnerhalter hat seinen Zaun mit Gittern erhöht und auch das Fundament seines Hühnerstalls erneuert. "Im Stall kann ich die Tiere nicht lassen, denn das wäre bei der Wärme Quälerei. Ich sitze nun stundenlang bei den Hühnern, um aufzupassen." Doch der Fuchs hat noch mehr Zeit als Herbert Hecht. Sobald der Thalheimer verschwunden ist, kommt das Raubtier aus seiner Deckung. "Wir fühlen uns machtlos. Jäger schießen die Tiere nicht, da sie entweder Junge haben oder sie es in besiedelten Gebieten nicht dürfen. Und wir trauen uns an die Tiere nicht ran", sagt Hecht.

Die Anwohner haben nicht nur Angst vor den Füchsen, sondern ekeln sich auch vor ihnen. Denn die Tiere scheinen an Fuchsräude erkrankt zu sein: Sie haben kaum noch Haare an Schwanz und Hals. "Sie sehen so richtig widerlich aus", sagt Gisela Kühne und schüttelt sich. Auch Katzen haben sich schon mit der Räude angesteckt. "Neben der Räude bereitet uns auch der Fuchsbandwurm Sorgen. Wenn die Kinder in den Gärten spielen, weiß man ja nie, was sie so alles essen oder in den Mund nehmen", sagt Gisela Kühne.

Mit ihren Sorgen haben sich die Thal-heimer bereits an die Behörden gewandt. "Wir bekamen aber immer wieder die Antwort, dass nichts unternommen werden kann", schimpft Rudolf Kühne. Für die Kreisverwaltung ist die Sache eindeutig. "Die Fuchspopulation in diesem Jahr liegt im Durchschnitt der Vorjahre und ist so vollkommen normal", erklärt Antje Vogel, Leiterin des Ordnungsamtes Nordsachsen ihre Sicht. Dadurch, dass die Jungtiere jetzt "flügge", hungrig und noch ohne Scheu seien, könne der Eindruck entstehen, dass es außergewöhnlich viele seien.

Die Behörde kann den Thalheimern nicht helfen. Die Betroffenen gehen deshalb selbst in die Offensive und versuchen, die Hühnerdiebe mit Fallen dingfest zu machen. Einen Fuchs fingen sie auch tatsächlich, hatten sich damit aber ein weiteres Problem eingefangen - den Zorn von Tierfreunden aus dem Ort. "Denen gefiel das gar nicht", ärgert sich Gisela Kühne.

Ordnungsamtsleiterin Antje Vogel erklärt dazu: "Es ist zwar gestattet, die Tiere zu fangen. Aber die Tötung ist aus Rechten des Tierschutzes nur Personen mit einem Jagdschein gestattet." Der Jagdpächter Dieter Sakschewsky, der für Thalheim zuständig ist, kennt das Problem der Familien Kühne und Hecht. "Seit einem halben Jahr beschäftigt mich der Fall, und ich habe um Thalheim auch schon einige Füchse geschossen. Aber eine direkte Bedrohung durch die Tiere sehe ich nicht", sagt der Jäger. In der Region Oschatz gebe es nicht überdurchschnittlich viele Füchse. "Ich dürfte auch keinen auf dem Grundstück oder im Ort schießen, da mir dies durch das Jagdrecht in befriedeten Gebieten untersagt ist", beschreibt er seinen Handlungsspielraum. Wolfsgeschädigte in der Lausitz würden ja auch Geld für ihre Verluste erhalten, argumentiert Hühnerhalter Rudolf Kühne. Diese Haltung leuchtet auch dem Jagdpächter Sakschewsky ein. "Natürlich sind die Verluste ärgerlich. Aber auch die Leute in der Lausitz bekommen nur dann Geld, wenn alles so abgesichert ist, dass den Räubern keine Angriffsfläche geboten wird", sagt der Fachmann. Und das sei in den Gehegen der Familien Hecht und Kühne nicht der Fall.

Das Fangen der Tiere in Fallen stellt auch für den Jagdpächter eine Grauzone dar. "Ich darf kein Tier in der Falle schießen, und die Familien auf ihren Grundstücken dürfen das auch nicht. Totschlag mit einem Knüppel würde wieder Tierschützer auf den Plan rufen. Und wenn man das Tier aussetzt, so kommt es sicherlich zurück." In ­Thalheim herrscht also weiter Fuchs-Alarm.

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