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Oschatz Für Landesgartenschau Wermsdorf-Mutzschen ist Zeit zu knapp
Region Oschatz Für Landesgartenschau Wermsdorf-Mutzschen ist Zeit zu knapp
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06:00 10.05.2016
Befürworter einer gemeinsamen Landesgartenschau von Wermsdorf und Mutzschen verweisen darauf, dass dabei ein Barockgarten hinter dem Schloss Hubertusburg entstehen könnte. Quelle: Dirk Hunger
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Wermsdorf

Georg Stähler hatte etwas läuten hören: „Was ist dran an den Gesprächen über eine gemeinsame Landesgartenschau von Wermsdorf und Mutzschen, und was ist daraus geworden?“ wollte er zur jüngsten Sitzung des Wermsdorfer Gemeinderates wissen. Bürgermeister Matthias Müller (CDU) bestätigte daraufhin, dass es derartige Gespräche gegeben habe. So sei der Grimmaer Oberbürgermeister mit dem Vorschlag, dass sich Mutzschen und Wermsdorf für eine gemeinsame Landesgartenschau im Jahr 2022 bewerben könnten, an ihn herangetreten. Daraufhin habe es auch einen Informationsaustausch in Dresden gegeben.

Verfolgt werden diese Pläne aktuell aber nicht weiter. „Für 2022 müsste das Konzept bereits in diesem Sommer vorliegen, mit Plänen für eine Nachnutzung und allem drum und dran. Das halte ich einfach nicht für sehr realistisch und ist zeitlich ziemlich knapp“, begründete er. Außerdem sei eine Landesgartenschau – trotz öffentlicher Zuschüsse – immer auch mit Ausgaben verbunden. Und die könnten in der Kommune sinnvoller eingesetzt werden, findet der Bürgermeister. „Wir diskutieren über Steuererhöhungen, um den Neubau der Grundschule in Wermsdorf umzusetzen und bräuchten aber auch Geld, wenn eine Gartenschau ausgerichtet werden soll.“ Eine außerplanmäßige Ausgabe von 20 000 Euro sei dafür schon einmal nötig, hinzu komme das Engagement von Gartenbauarchitekten sowie anschließende Kosten für die Unterhaltung der angelegten Flächen.

Schloss Hubertusburg, Plan der Gartenanlage und Grundriss Schloss von Christian Friedrich Boëtius Quelle: Deutsche Fotothek

Er kenne die Wünsche, dass damit womöglich der Barockgarten, von dem immerhin Aufzeichnungen existieren, hinter dem Schloss Hubertusburg angelegt werden könnte, so Müller. „Aber das Gelände gehört nicht uns, sondern dem Freistaat.“ Und das Land fördere sich nicht selbst. Ein Kauf käme aus seiner Sicht nicht infrage, unterstrich Müller. Ob die Idee einer Gartenschau in zwei Orten überhaupt eine Chance habe, sei dahingestellt. Bisher habe das Land Sachsen damit das Konzept verfolgt, aus diesem Anlass Brachflächen zu rekultivieren und für eine dauerhafte Nutzung zu gestalten. Ein entsprechend großes Areal gebe es in Wermsdorf aber nicht.

So ganz wollten den Vorschlag einige Räte jedoch nicht abtun. „Erst einmal hört es sich komisch ab, aber ich finde die Idee gar nicht so dumm“, sagte Günter Schmidt (Linke) und Ursula Fritzsche (SPD) regte an, darüber noch einmal in Ruhe zu reden. „Das Zeitfenster jetzt ist zu knapp, aber vielleicht ist das später einmal was.“ Man könne sich gerne gemeinsam Gedanken machen, stimmte Matthias Müller zu. „Die Idee hat Charme, aber die Zeit ist zu knapp. Trotzdem wünsche ich Grimma mit Mutzschen alles Gute.“

Abgesehen von einer Landesgartenschau sei er mit Vertretern in Dresden im Gespräch, um den Freistaat für ein weiteres Engagement in Wermsdorf zu gewinnen. Denkbar sei zum Beispiel eine Landesausstellung 2026, bei der die Besiedlung von Sachsen im Mittelpunkt stehen könnte. „Dazu passen die Ergebnisse der jüngsten Ausgrabungen vor dem Bau der Ortsumgebung“, sagte Müller mit Verweis auf das „Göttwitzer Stonehenge“, das hier entdeckt wurde.

Das Schloss Hubertusburg bietet ausreichend Platz für museale Nutzung – und Flächen für Quelle: Dirk Hunger

Dabei handelt es sich um eine Palisadenanlage aus der Steinzeit, von der 81 Pfahllöcher sicher nachgewiesen werden konnten. Nach Rekonstruktionen wird davon ausgegangen, dass einst vier Palisadenkreise auf dem Gebiet zwischen Wermsdorf und Mutzschen standen. Insgesamt wurden bei den Ausgrabungen 2000 Funde, darunter Schöpfgruben, Mahlsteine, Opfergaben aus Ton und Reste von Behausungen, registriert. Auf den fruchtbaren Löß- und Lehmböden siedelten schon sehr früh Menschen. Welche Bedeutung die Kreise, die wegen ihrer Holzpfähle auch Woodhenge – in Anlehnung an Stonehenge in England – genannt werden, hatten, darüber kann heute nur spekuliert werden, sagte Grabungsleiter Sven Conradi. Das könne eine Art „mystisches Sonnenobservatorium“ gewesen sein: „Gut möglich, dass hier auch bestimmte Rituale ausgeführt worden.“ Für Wermsdorfs Bürgermeister Matthias Müller allemal Grund genug, diese Entdeckung einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. „Und dazu wäre im Rahmen einer Landesausstellung zu Archäologie und sächsischer Besiedlungsgeschichte ausgiebig Möglichkeit – und in Wermsdorf auch genügend Platz“, ist er überzeugt.

Von Jana Brechlin

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