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Für die meisten Flüchtlinge in Oschatz ist Weihnachten eine neue Erfahrung

Religion Für die meisten Flüchtlinge in Oschatz ist Weihnachten eine neue Erfahrung

Für Ahmad und Reaber ist das Weihnachtsfest noch neu. Dennoch wollen sie einiges über diese Tradition erfahren. Sie selbst haben andere Feiertage in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. In ihrem Land werden diese jedoch aus Angst vor dem Krieg nicht mehr so gefeiert, wie es einst war.

Ahmad aus Libanon und der Bundesfreiwilligendienstler Reaber aus Syrien, der im Heim auch als Dolmetscher agiert, sind mit den weihnachtlichen Bräuchen noch nicht sehr vertraut, sind aber offen dafür, Neues zu erfahren.

Quelle: Foto: Dirk Hunger

Oschatz. Im Eingangsbereich steht ein kleiner Schneemann mit ein paar Weihnachtsbaumkugeln. Die Tür ist umsäumt mit beleuchteten Tannenzweigen. Vor wenigen Tagen wurde auch noch ein Weihnachtsbaum aufgestellt. „Doch viel mehr machen wir nicht. Es ist schwierig, alle Leute unter einen Hut zu bekommen. Die meisten haben keinen Bezug zu der weihnachtlichen Tradition. Sie sind ja erst seit wenigen Monaten hier. Das muss erst gelernt und gelebt werden. Doch ein bisschen weihnachtliche Dekoration muss schon sein. Immerhin lieben auch wir die Weihnachtszeit“, sagt Marcel Dimde, Flüchtlingssozialarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz im Asylbewerberheim in Oschatz.

28 Asylbewerber aus elf Nation im Oschatzer Flüchtlingsheim

Hier sind aktuell 28 Asylbewerber aus elf verschiedenen Nationen untergebracht. So auch Ahmad aus dem Libanon. „Wir kennen das Weihnachtsfest nicht so wie die Deutschen. Daher sind diese Feiertage hier im Heim ähnlich wie die anderen Tage. Aber da auch wir Ferien haben, fahre ich zu meiner Freundin. Ich denke, dann werden auch wir mal auf den Weihnachtsmarkt gehen. Ich würde gerne die Speisen hier kennenlernen und werde schauen, ob etwas dabei ist, was ich gerne probieren möchte. Ich habe von einem warmen Wein gehört, den es besonders zur Weihnachtszeit geben soll. Den möchte ich gerne mal kosten.“

Ahmad aus dem Libanon freut sich auf Silvester

Doch ein Weihnachtsfest mit Familie, Geschenken und dem Weihnachtsbraten kennt er so nicht. Vielmehr freut sich Ahmad auf Silvester, denn auch in seiner Heimat wird der Jahreswechsel gefeiert. „Ich freue mich auf das tolle Feuerwerk. Zuvor werden auch wir ein leckeres Essen zubereiten. Es wird bei uns Taboulé geben. Das ist ein Salat, der aus Couscous oder Bulgur sowie Tomaten, Frühlingszwiebeln, Olivenöl, etwas Wasser und Zitronensaft besteht. Auch Fisch wird es geben und wir werden sicherlich grillen. Später gibt es dann Kuchen. Wir sitzen alle zusammen und genießen das Feuerwerk.“

Ebenso zieht es Reaber aus Syrien, der zur Zeit seinen Bundesfreiwilligendienst leistet, zu seiner Verwandtschaft. Reaber übernimmt im Heim auch die Rolle des Dolmetschers. „Bei meinen Verwandten mieten wir für ein bis zwei Tage einen Saal.“ Das findet jedoch nicht am 24., 25. oder 26. Dezember statt, sondern am 30. und 31. Dezember.

Kinder in Syrien klopfen an den Türen der Leute

Reaber erklärt: „In meiner Heimatstadt in Syrien sind diese beiden Tage unsere Feiertage. Die Kinder gehen nach draußen und klopfen an den Türen der Leute. Sie wünschen den Bewohnern verschiedene Dinge, vielleicht ein Baby, Erfolg im Beruf oder was ganz anderes. Wenn den Leuten das gefällt, schenken sie den Kindern eine Kleinigkeit. Süßigkeiten, etwas Geld oder Spielzeug. Und wenn es ihnen nicht gefällt, gibt es einen Eimer Wasser über den Kopf. Es ist immer sehr lustig und die Kinder sind mit der entsprechenden Kleidung auch darauf vorbereitet. Sie waren dann immer die ganzen Tage draußen unterwegs. Gemeinsam warteten wir auf Mitternacht und sahen uns gemeinsam das Feuerwerk an.“ Reaber hält einen Moment inne, korrigiert seine Antwort. „Seit einigen Jahren, seit bei uns Krieg herrscht, gibt es diese Tradition nicht mehr. Die Eltern haben zu große Angst davor, ihre Kinder vor die Tür zu lassen.“ Umso wichtiger ist es für ihn, mit seiner Verwandtschaft auch in diesem Jahr zusammen zu sein. Ein Sänger wurde für das Fest organisiert. Gemeinsam wollen sie tanzen und essen. Dann gibt es Hähnchen, Fisch oder Fatousch, ein Salatgericht mit frittiertem dünnen Fladenbrot. „Mitternacht wird die 2017 aus Lichterketten erstrahlen“, ergänzt er.

„Heute wird es für die Asylbewerber noch eine Überraschung geben. Wir haben kleine Geschenke vorbereitet. Mal sehen, vielleicht schlüpfe ich auch in mein Weihnachtsmann-Kostüm und überrasche sie damit“, sagt Marcel Dimde. Am 2. Januar geht dann auch der Deutschkurs für die Asylbewerber wieder los – und es kehrt der normale Alltag im Heim ein.

Von Kristin Engel

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