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Oschatz Fußball-Talent startet in Leipzig durch
Region Oschatz Fußball-Talent startet in Leipzig durch
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16:35 14.07.2014

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Auf dem Fußballrasen des SV Merkwitz kann die E-Juniorin aber auch ganz anders: 18 Mal hämmerte sie in der zurückliegenden Spielzeit den Ball in die Maschen. Flink, wendig und selbstbewusst geht die Stürmerin und Mittelfeld-Strategin mit den Jungs in der Regionalkreisoberliga auf Torejagd. Doch damit ist nun Schluss, denn in der kommenden Saison wechselt die junge Ballkünstlerin zum Frauenfußball-Verein (FFV) Leipzig und kickt dort in der Mädchenmannschaft mit.

Im September beginnt das Training beim Messestadt-Club. "Das ist schon ganz cool mit anderen Mädchen zu spielen", sagt Emily. "Hier hat es mir aber auch gut gefallen", fügt sie hinzu. Der Merkwitzer Fußball-Chef Falk Zschäbitz muss lächeln und ist voll des Lobes für den talentierten Blondschopf: "Emily war die erste Spielerin von uns, die es 2013 in den sächsischen Landeskader geschafft hat. Sie hat sich gut entwickelt", erklärt er. "Für den Verein ist sie ein Aushängeschild." Und der Zweitligist aus Leipzig ein kleiner Karrieresprung. Ein Dank geht da auch an Nachwuchstrainer des SV Merkwitz, die Emily in den vergangenen Jahren gefordert und gefördert haben, so Zschäbitz. "Natürlich sind wir stolz und hoffen, dass sie verletzungsfrei bleibt", ergänzt Vater René.

Emily Reißmann will das werden, was ihr Vorbild Babett Peter heute ist: Nationalspielerin und Fußballstar, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. Plan B? "Dafür hab' ich noch ein bisschen Zeit", sagt Emily, die für ihre Fußball-Leidenschaft lebt und derzeit die fünfte Klasse der Robert-Härtwig-Schule besucht. Sie und ihre Eltern haben sich trotz der guten Noten gegen das Gymnasium entschieden, damit die schulischen Pflichten nicht zu kurz kommen und mehr Freiraum für den Sport bleibt. Emilys Eltern nehmen die einstündige Fahrt in die Pleißestadt zum Training und zu Turnieren gern in Kauf. Für sie ist das nichts Neues, bereits seit 2012 spielte ihre Tochter im Leistungszentrum, beim FFV (ehemals 1. FC Lokomotive Leipzig). Gerade wegen des hohen Leistungspensums machte sich auch ihr Idol Babett Peter oft Gedanken, wie man Training und Ausbildung unter einen Hut bringt. 2007 absolvierte die gebürtige Oschatzerin das Abitur am Sportgymnasium in Leipzig. "Ich hasste die Schule, aber ich bin froh, es gemacht zu haben", schreibt sie rückblickend auf ihrer Internetseite. Der Mutter von Babett Peter fiel da sicherlich ein großer Stein vom Herzen, denn sie selbst ist Pädagogin, lehrt an der Grundschule "Zum Bücherwurm" und hat - wie es der Zufall so will - auch Emily unterrichtet.

Mit neun Jahren begann Babett Peters Karriere zu einer der erfolgreichsten Fußballerinnen Deutschlands beim FSV Oschatz, 2004 wechselte die Sächsin zu Lokomotive Leipzig und durchlief seit 2003 alle DFB-Auswahlteams. Mit 26 Jahren ist sie Welt- und Europameisterin, fünffache deutsche Meisterin und Bronzemedaillengewinnerin bei Olympia. Von dieser beeindruckenden Titelsammlung kann Emily noch träumen: Immerhin wurde sie in Oschatz 2012 zur "Sportlerin des Jahres" gekürt, im selben Jahr feierte sie mit ihrem E-Jugendteam den Kreismeister-Titel und gewann 2013 mit der F-Juniorenmannschaft die Hallenkreismeisterschaft. Mit der D-Juniorinnen-Mannschaft des FFV Leipzig wurde sie in diesem Jahr sächsischer Landesmeister.

Doch hätte Emilys Opa Tilo Kozok sie nicht mit auf dem Bolzplatz genommen, wäre womöglich alles ganz anders verlaufen. "Emily bewegt sich wie ein Wiesel. Wir dachten erst, sie macht mal was mit Leichtathletik", erzählt Mutter Alexandra. "Dann hat sie den Ball an den Fuß bekommen und es war um sie geschehen." Bei Emily gab auch noch ein Leben vor dem Ballsport: Als sie vier Jahre alt war, meldeten sie ihre Eltern beim Oschatzer Turnverein an. Mit fünf wechselte sie zum Fußball, betrieb beide Sportarten bis zum achten Lebensjahr eine Zeit lang parallel. Auch Fußballerin Babett Peter begeisterte sich in jungen Jahren für Sportgymnastik. "Turner sind meist auch gute Fußballer, weil Motorik, Koordination und Beweglichkeit stimmen", sagt Falk Zschäbitz.

Emily hört das gern, hat dennoch ein Ziel vor Augen und will weiter am Jonglieren mit dem Ball arbeiten. "Das kann ich nicht gut", sagt sie. Sie sei kaum zu bremsen, sagt Alexandra Reißmann, ab und an werde deshalb auch mal in der heimischen Stube gekickt. Zusammen mit dem 14-jährigen Bruder Dominik, der in der C-Jugend beim SV Merkwitz spielt und sicherlich stolz auf seine kleine Schwester ist.

Benjamin Winkler

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