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Oschatz GPS-Klau: Alarm bei Bauern im Raum Leipzig
Region Oschatz GPS-Klau: Alarm bei Bauern im Raum Leipzig
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16:57 25.08.2017
Alarm auf dem Acker: Immer öfter klauen Diebe teure GPS-Technik aus Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Fahrzeugen. Quelle: Bildmontage: Patrick Moye
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Region Leipzig

Es ist eine Diebstahlserie bislang ungeahnten Ausmaßes. Die Polizeidirektion Leipzig bearbeitet aktuell acht Strafanzeigen von betroffenen Landwirten, die Dunkelziffer ist wohl noch höher. Besonders seit Anfang Juli diesen Jahres spricht die Polizei von „einer zunehmenden Tendenz“ der Diebstähle. Es müsse von „spezialisierten Banden“ ausgegangen werden, die ganz gezielt abgelegene ländliche Gebiete aufsuchen würden.

Gestohlene Technik taucht in Polen wieder auf

„Diese geklaute Technik ist sehr teuer, damit stark nachgefragt und daher leicht wieder verkäuflich ist“, sagte eine Polizeisprecherin. Aus früheren gleichgelagerten Delikten wisse man, dass die teure GPS-Technik vor allem in Polen wieder auftauche. Daher liege die Vermutung nahe, dass auch diesmal „die Täter überwiegend aus Osteuropa stammen.“

Der Schaden bei den betroffenen Agrarbetrieben ist immens – er geht bereits in die Hunderttausende. Dabei sind die bekannt gewordenen Fälle wohl nur die Spitze des Eisberges. So sind beispielsweise allein im Regionalbauernverband Muldental schon 13 Fälle registriert, die von Mügeln über Thallwitz bis nach Leipzig reichen. Auch Yvonne Kern vom Kreisbauernverband Borna/Geithain/Leipzig vermutet organisierte Kriminalität. Die Täter würden sehr gezielt agieren und die Geräte in Windeseile gekonnt ausbauen. Besonderheit: Vor allem GPS-Geräte der renommierten Marke John Deere werden geklaut.

Döbeln: Grüne John-Deere-Traktoren betroffen

Das kann Gerold Wagner, Chef der Ostrauer Agrar AG, indirekt bestätigen: „Die Diebe stehlen eher die Technik aus anderen Fabrikaten, als wir sie hier benutzen“, sagt er. Auch ihm ist zu Ohren gekommen, dass immer wieder Traktoren der Marke John Deere betroffen waren, traditionell grün gehalten. In Ostrau nutzt man dagegen New Holland, meist in blau. „Unsere blauen Traktoren nutzen ein anderes System und die grünen haben eine andere Lobby“, sagt Wagner. Er vermutet gezielte Auftragsdiebstähle.

Einen ähnlichen Verdacht äußert Heiko Harnisch vom erst 2016 eröffnet Technikcenter der Baywa in Mockritz bei Döbeln. „Das GPS-System ist sehr teuer und relativ leicht zu demontieren. Das hat man in wenigen Augenblicken ausgebaut. Die moderne Landtechnik verlangt, so etwas zu haben und in Osteuropa herrscht ein großer Bedarf. Da behilft man sich mit Diebstahl“, meint er. Seine Niederlassung sei schon kurz nach dem Einzug vergangenes Jahr Opfer eines großen Diebstahls geworden. Damals seien allerdings nicht die GPS-Geräte, sondern die Bedienterminals mit Touchscreens aus allen Maschinen ausgebaut worden. Seither ist es ruhig geblieben: „Wir haben wirklich eine sehr gute Warnanlage bei uns. Die teure Technik muss aber auch sehr gut gesichert sein.“

Oschatz: Besonders dreister Fall

Einer der besonders schwer Geschädigten in Nordsachsen ist dagegen der Landwirt Roland Paul, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Naundorf-Niedergoseln. Bei ihm entwendeten die Diebe erst vor wenigen Tagen Technik im Wert von über 50 000 Euro aus seinen landwirtschaftlichen Maschinen. Auch hier waren es vor allem GPS-Geräte, die aus den Fahrzeugen geklaut wurden.

„Durch den Diebstahl in den landwirtschaftlichen Betrieben entstehen den Unternehmen inzwischen Schäden, die richtig weh tun“, sagt Torsten Krawczyk, Chef des Regionalbauernverbandes Döbeln-Oschatz. Inzwischen seien alle Landwirte sensibilisiert, viel würden sehr stark auf die Sicherung ihrer Technik achten und in zusätzliche Schutzysteme investieren. „Und trotzdem nimmt die Zahl der Diebstähle zu, wie auch der Wert der gestohlenen Technik“, beklagt Krawczyk. Weil die meiste Technik, die gestohlen wird, nicht wieder auftaucht, glaubt Krawczyk, dass diese ins Ausland gebracht wird. „Niemand benötigt privat diese Technik, deshalb glaube ich auch, dass die meisten Diebstähle Aufträge von Dritten sind“, sagt der Landwirt.

Delitzsch: Bauern setzen auf Videoüberwachung

Die GPS-Technik setzen immer mehr Landwirte ein, um durch genaueres Arbeiten Kosten bei Saatgut und Kraftstoff zu sparen. Doch satellitengestützte Technik ist teuer – die Geräte liegen im Anschaffungspreis meist um die 15 000 Euro. „Da sammelt sich schnell ein großer finanzieller Schaden an, wenn hier Diebe zuschlagen“, sagt Christine Richter vom Regionalbauernverband Delitzsch.

Von größeren Raubzügen sind die Bauern im Raum Delitzsch zwar bislang verschont geblieben. Dennoch geht auch hier die Angst um: „Viele setzen bereits auf verstärkte Videoüberwachung oder zurückverfolgbare Farbmarker in den Lacken der Fahrzeuge, um später die Diebe zu ertappen.“

Der Delitzscher Polizeichef Klaus Kabelitz sagt: „Wir haben das Problem auf dem Tableau“. Vereinzelt habe es Einbrüche in landwirtschaftliche Betriebe der Region gegeben, doch bislang sei GPS-Technik noch nicht im großen Maße verschwunden. Dennoch würde die Polizei jetzt gezielt Gegenmaßnahmen treffen – in die Karten will sich Kabelitz dabei aber nicht schauen lassen.

Altenburger Land: Kompletter Radlader in Schmölln weg

In Altenburg haben die GPS-Diebe bislang noch nicht zugeschlagen: „Mir sind keine Fälle dieser Art bekannt“, sagt Bernd Apel, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Altenburger Land. „Vor zwei Jahren gab es mehrere Einbrüche in Büros von Agrarunternehmen – die Täter wurden gefasst.“ Allerdings gab es im benachbarten Schmölln bereits einen Diebstahl in diesem Jahr. „Im Juni wurde ein Navigations-GPS-System vom Dach einer Landmaschine entwendet“, bestätigt Katja Ridder von der Polizei Gera. Im vergangenen Jahr war Schmölln schon einmal von einem Raubzug betroffen: Damals war ein kompletter Radlader entwendet worden.

Von Thomas Lieb, Manuel Niemann, Hagen Rösner, Sebastian Fink, Tatjana Kulpa

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