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Gebürtige Oschatzerin als Diplomaten-Gattin im Iran

Verena Nolte Gebürtige Oschatzerin als Diplomaten-Gattin im Iran

Einst war Verena Nolte (57) Bürgermeisterin in Mügeln, heute repräsentiert die gebürtige Oschatzerin als Diplomaten-Gattin Deutschland in fernen Ländern. Ihr Mann war zuletzt Militärattaché im Iran und das nächste Ziel des Paares ist Georgien.

Nur das Gesicht, und die Hände sind unverhüllt: Als Diplomaten-Gattin trägt Verena Nolte (2. von rechts) bei vielen Anlässen die in ihrem Gastland übliche Kleidung.

Quelle: privat

Oschatz. Verena Nolte (57) hat ihr sicheres Leben gegen eines getauscht, das aufregend, unsicher und beispiellos anders ist als in Deutschland. Ihr Mann, der Militärattaché, befindet sich die meiste Zeit im Jahr an den Brennpunkten der Welt. Seine Frau Verena begleitet ihn und repräsentiert als Diplomaten-Gattin Deutschland.

Als sie am Freitag, dem 13. Mai 1994 geheiratet haben, wusste sie noch nicht, wie sich ihr Leben verändern wird. Zu dieser Zeit war sie Bürgermeisterin in Mügeln, und das seit vier Jahren. In diesem Amt habe sie sehr viel gelernt, auch so etwas, was in keiner Schule oder Uni gelehrt wird, zum Beispiel sich durchbeißen gegen Widersacher, die eine Frau auf dem Stuhl nicht dulden wollten. Es habe auch Unterstützer gegeben, die aber seien in der Minderheit gewesen. „Und trotzdem sage ich, ausgehend von den gesellschaftlichen Verhältnissen und den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln entsprechend dem Motto der Stadt Mügeln – ,Tut der Stadt Bestes’ – dieses auch getan zu haben.“

Doch noch im Jahr 1994 folgte Verena Nolte, geborene Lux, ihrem Mann an dessen damaligen Dienstort. „Ich war dann Hausfrau und musste mich arbeitslos melden – eine neue Situation und Herausforderung für mich.“ Trotzdem sei dieses Aus auch von Vorteil gewesen, denn sie hatte damals die Nase voll von Politik. „Die hat auch keinen Heiligenschein.“ Diese Kritik jedoch habe nicht verhindert, dass ihr Interesse für internationale Politik immer größer wurde. So sagt die Diplomatengattin auch: „Wenn die Regierung in Deutschland die kritischen Menschen ernster genommen hätte, hätte die AfD heute nicht diese Bedeutung.“

Spanien, Iran und Georgien

Eigentlich wollte Verena Noltes Mann Franz-Josef ja Orgelbauer werden, aber – wie so oft im Leben – kam es anders. Während seines Grundwehrdienstes sei er für die Offizierslaufbahn geworben worden und wurde Berufssoldat. 2001 musste er für ein Jahr in den Kosovo, und von 2008 bis 2011 lebte das Paar in Spanien. Franz-Josef Nolte sei dann 2011 für eine Verwendung in Afghanistan ausgebildet worden, erzählt die Diplomaten-Gattin. Kurzfristig jedoch habe das Verteidigungsministerium entschieden, ihn als Militärattaché nach Teheran in den Iran zu schicken. Die dafür notwendige Akkreditierung bekam er am 24. Dezember 2011, und am 9. Januar 2012 sei es für drei Jahre in den Iran gegangen.

Im August dieses Jahres ist Georgien das Ziel für Verena Nolte und ihren Mann, dann geht es an die Nahtstelle zwischen Russland und dem Westen. „Dafür musste ich Georgisch lernen. Das ist zwar keine Bedingung, aber ungeheuer hilfreich, da Sprache auch für uns Deutsche in fremden Gesellschaften ein wichtiger Integrationsfaktor ist.“

Trotzdem hat sie Teheran noch nicht wirklich losgelassen. Zu beeindruckt ist die gebürtige Oschatzerin von dem Leben dort. Und wenn sie über die Politik in dem Land spricht, dann weiß sie aus persönlichem Erleben was Fakt ist. „Ich schüttele manchmal den Kopf, wenn ich politische Nachrichten über den Iran in den deutschen Medien höre oder lese“, sagt sie. So würden die Deutschen wichtige Informationen gar nicht erfahren. „Insbesondere in Zeiten der Sanktionen hatten deutsche Journalisten kaum oder gar keinen Zugang zum Iran, weil man sie häufig überhaupt nicht hereinließ. So berichteten viele aus anderen Städten wie Kairo oder Istanbul über den Iran.“ Dabei sei zum Beispiel im Zusammenhang mit den Parlamentswahlen 2012, aber auch in diesem Jahr, aufgefallen, „dass aus der Entfernung Dinge berichtet wurden, die zum Teil vollkommen anders stattgefunden haben, weil durch die Entfernung kein klares Bild vorlag beziehungsweise einige auch so berichten wollten, wie sie glaubten, dass die Welt im Iran sei “.

Dem Alltag angepasst

Was sie etwa in der Berichterstattung über die Wahlen in diesem Jahr vermisst habe, war unter anderem der gesamte Prozess der Vorauswahl der Kandidaten durch den Wächterrat: „Von rund 14 000 wurden am Ende nicht einmal 20 Prozent als Kandidaten zugelassen, und aussortiert wurden im wesentlichen reformorientierte Kandidaten. Im Großraum Teheran haben in diesem Jahr zwar die Reformer nahezu alle Sitze gewonnen, aber so gut wie niemand hat in Deutschland über den ländlichen Raum berichtet, der nahezu geschlossen in konservativer religiöser Hand geblieben ist und immer noch die Mehrheit der Parlamentarier stellt.“ Eine knisternde Situation im Iran!

Und dann erzählte sie noch, dass Deutschland international sehr hohes Ansehen genießt. Einige Leute hier hätten offensichtlich aber schon vergessen, wie gut es uns geht. „Es mag in Deutschland Ungerechtigkeiten oder Unzulänglichkeiten geben, aber irgendwie geht das Leben immer weiter.“ In anderen Ländern – wie unter anderem in Indien, das sie auch schon besucht hat – „leben Kinder, die keine ausreichende Nahrung haben und ganz jung sterben. Es gibt oft kein Wasser und keine Perspektive.“

Als Diplomaten-Gattin hat sie sich zum Teil auch dem Alltag im Iran angepasst. „Für mich war von vornherein klar, dass ich die Kleidung trage, wie sie im Iran von allen Frauen getragen wird, entsprechend den Regeln der Scharia.“ Und wie in einer Pantomime, allerdings mit Stimme, zeigt Verena Nolte, wie schwierig es für eine Europäerin ist, sich so zu kleiden. Außer dem Gesicht, den Händen und den Füßen muss nämlich der ganze Körper bedeckt werden.

Verena Nolte berichtet, was sie in diesen drei Jahren bedrückt, geängstigt hat. „Erst, wenn man sie nicht mehr genießen kann, weiß man, wie wichtig Freiheit ist. In Gebieten wie diesem ist man zwar Gast, aber häufig nicht wirklich frei. Und dann die Willkür, der man ausgesetzt ist – das hat mich sehr belastet. Und daneben gab es in den Jahren 2012 und 2013 noch permanent die latente Angst, dass der Konflikt zwischen Israel und dem Iran eskalieren könnte.“

Fremde Kulturen

In einem fremden Land, egal ob Iran, Spanien oder anderswo auf der Welt, muss jeder Besucher viel lernen. Und das nicht nur, um mitreden zu können, sondern auch wegen der Vorbildwirkung: „Wir sind dort Deutschland!“ Intensive Vorbereitung auf die jeweils fremde Kultur ist eine Grundvoraussetzung, um die Menschen vor Ort in ihrer für Deutsche häufig fremden Lebensweise zu verstehen und am Ende einen „Kulturschock“ zu vermeiden.

Wieder mal in Oschatz, besucht Verena Nolte ihre 84-jährige Mutter Renate Lux, trifft sich mit ihren beiden erwachsenen Töchtern, die mittlerweile in Bayern leben, aber immer gerne zur Oma in die alte Heimat Sachsen kommen, wo dann drei Generationen zusammentreffen. „Während meiner Deutschland-Aufenthalte besuche ich meine Familie und Freunde, genieße die Vorzüge eines Lebens in einer offenen Gesellschaft und einer gesunden Umwelt.“ Natürlich gibt es bei Verena Nolte auch Momente der Sorge und Sehnsucht nach Menschen, die einem nahestehen. „Das ist nicht immer leicht!“

Geht es um politische Themen, überlegt die ehemalige Oschatzerin sehr genau, was sie antwortet, denn Politik ist komplex und kompliziert geworden. Nicht nur privat ist Verena Nolte eine freundliche, positiv denkende Frau, die in ihrer Heimat auch bei dem sprichwörtlichen Pferdestehlen mitmachen würde. Niemand würde in ihr eine Diplomaten-Gattin sehen. Ihr ungeschminktes Äußeres verrät eher etwas von Bodenständigkeit. Und wenn sie in Oschatz ist, erkundigt sie sich nach Neuigkeiten. Klatsch und Tratsch jedoch sind ihr fremd. „Die Missionen meines Mannes haben keinen Platz für so etwas. Das gebietet die Loyalität.“

Die Vorbereitungen für ihr künftiges Leben in Georgien laufen mittlerweile auf Hochtouren. Es muss an Vieles gedacht werden. In das Umzugsgepäck kommen viele Bücher, denn Lesen liebt sie über alles. Außerdem freut sie sich schon, internationalen Gästen deutsche Küche zu servieren. Auch wenn sie gerne international kocht, ist „typisch deutsch“ in ihren Gastländern Pflicht.

Von Gabi Liebegall

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