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Oschatz Gedenkstätte Stille Helden erinnert an die Schindlers von Naundorf
Region Oschatz Gedenkstätte Stille Helden erinnert an die Schindlers von Naundorf
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00:15 25.10.2016
Hanna Engel
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Naundorf/berlin

Den Rettern von Naundorf soll 72 Jahre nach ihrer Heldentat nun auch in der Hauptstadt Berlin ein kleines Denkmal gesetzt. Die Gedenkstätte Stille Helden will an die Rettung der Jüdin Hanna Engel im April 1945 durch den Naundorfer Gutsverwalter Alfred Holschke und seine Kinder Ursula und Walter in ihrer Ausstellung erinnern.

Die Gedenkstätte, die 2008 eröffnet wurde, dokumentiert in einer Dauerausstellung die Hilfen für verfolgte Juden in der NS-Zeit, die versuchten, der Deportation zu entgehen. In einem Teil der Ausstellung gibt es eine sogenannte Recherchestation, die derzeit knapp 1000 Kurzbiografien von Helfern und den als Juden Verfolgten enthält. Zu jeder Person werden meist mindestens ein Foto – und wenn vorhanden – auch weiter Dokumente gezeigt. Dort sollen auch die Biografien zur Geschichte der Rettung von Hanna Engel zu lesen sein. „Allerdings aus technischen Gründen vermutlich erst 2017“, informiert Claudia Schoppmann von der Gedenkstätte.

Die Jüdin Hanna Engel kam im April 1945 durch Naundorf. Zusammen mit einer riesigen Frauenkolonne wurde sie kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges von SS-Männern aus dem Vernichtungslager Auschwitz quer durch Deutschland getrieben. In Naundorf gelang der damals 18-Jährigen zusammen mit fünf weiteren jungen Jüdinnen die Flucht. Die Frauen versteckten sich im Gebüsch des Naundorfer Schlossparkes, wo sie Walter Holschke, der Sohn des Gutsbesitzers am 17. April 1945 fand. Sein Vater Alfred versteckte die Jüdinnen bis zum Kriegsende in der Gutsscheune, wo sie von der Verwalterstochter Ursula mit Lebensmitteln versorgt wurden.

Die Jüdin Hanna Engel wanderte nach der Kapitulation Deutschlands nach Israel aus, wo sie bis zu ihrem Tod im September 2015 im Kibbuz Nezer-Sereni bei Tel Aviv lebte. Jahrzehntelang sprach sie nicht über die schlimmen Erlebnisse als Jüdin in der Nazizeit. Erst Mitte der 90-er Jahre vertraute sie sich Robert Collet an. Der Vorsitzende des Deutsch-Israelischen Freundeskreises Neuwied (Geburtsstadt von Hanna Engel) sorgte schließlich dafür, dass die „Schindlers von Naundorf“ für ihren Heldenmut geehrt wurden. Im Frühjahr 1999 schlossen sich Hanna Engel und die Kinder des Naundorfer Gutsverwalter Alfred Holschke 54 Jahre nach den schicksalsschweren Tagen von Naundorf in die Arme. Alfred Holschke (postum) sowie Tochter Ursula und Sohn Walter wurden am 17. März 1999 in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem mit der höchsten Auszeichnung des Staates Israel geehrt. Als „Gerechte unter den Völkern“ sind ihre Namen in Steinsäulen graviert, die ewig an ihren Mut erinnern sollen. Auch im Naundorfer Schlosspark erinnert ein Gedenkstein an die mutige Rettungstat der „Schindlers von Naundorf“

www.gedenkstaette-stille-helden.de

Von frank hörügel

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