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Gefährliche Kostenspirale

Gefährliche Kostenspirale

Für Menschen mit geringem Einkommen kann das Wohnen zunehmend zu einem Problem werden. Insbesondere steigende Heizkosten machen den Geringverdienern zu schaffen, heißt es in einer aktuellen Studie.

Region Oschatz.

 

 

 

 

Von Frank Hörügel

"Besonders betroffen sind Geringverdiener, Alleinerziehende und Rentner", sagt der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther. Das Institut hat in einer aktuellen Studie die sozialen Kriterien des Mietwohnungsmarktes im Kreis Nordsachsen untersucht. Auftraggeber für die Studie war die Wohnungsbau-Initiative, zu der unter anderem die Industriegewerkschaft Bau und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau gehören.

Die Studie geht von rund 24 800 Haushalten im Kreis Nordsachsen aus, die Anspruch auf eine Sozialwohnung haben. Diesen Mietern macht laut Institutsleiter Günther vor allem die Kostenspirale bei Heizkosten zu schaffen. Laut Volkmar Beier, Pressesprecher der Arbeitsagentur Oschatz, betrugen die Kosten für Unterkunft und Heizung für Bedarfsgemeinschaften (Hartz-IV-Empfänger) im September des Vorjahres durchschnittlich 259,25 Euro monatlich. Ein Jahr zuvor lagen diese Kosten im Einzugsbereich des Jobcenters Nordsachsen bei 259,13 Euro und im September 2010 bei 235,78 Euro.

In den nächsten Jahren wird sich das Problem noch verschärfen, prognostiziert das Pestel-Institut. Denn im Landkreis Nordsachsen leben 3369 Hartz-IV-Empfänger (Stand September 2012), die in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen werden. Ein Teil dieser Menschen sei dann von Altersarmut bedroht. "Gerade für sie müssten dringend energetisch und altersgerecht sanierte Wohnungen geschaffen werden", so Günther. Die Wohnungsbau-Initiative fordert deshalb eine effektive staatliche Förderung zur Schaffung energetisch und altersgerecht sanierter Wohnungen.

Im Landkreis Nordsachsen gehen laut Kreissozialdezernent Hans-Günter Sirrenberg jährlich etwa 700 bis 800 Hartz-IV-Empfänger in Rente, die anschließend auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sind. Die Betroffenen müssen laut Sirrenberg jedoch nicht in kalten Wohnungen frieren. "Denn auch bei der Grundsicherung werden bei den Heizkosten die tatsächlich entstehenden Kosten übernommen", so der Dezernent. Und sanierte Wohnungen gebe es bei einem Wohnungsleerstand von etwa 15 Prozent in Nordsachsen in ausreichender Zahl. Das Problem sieht Sirrenberg eher im ländlichen Raum, wo die Betroffenen oftmals in eigenen Häusern wohnten, aber eine energetische Sanierung nicht finanzieren könnten.

Als größter Vermieter in Oschatz hat die Wohnstätten GmbH laut Geschäftsführer Michael Schiffner frühzeitig auf den wachsenden Bedarf an bezahlbaren Seniorenwohnungen reagiert. "Mit verschiedenen Angeboten wie beispielsweise dem betreuten Wohnen in der Breiten Straße 51 und dem Angebot an bezahlbaren barrierearmen Wohnungen im Wohngebiet Goethestraße decken wir einen Teil des Bedarfs in Oschatz ab", so Schiffner. Zeitgleich zur Sanierung der altersgerechten Wohnungen in der Goethestraße 34-38 wolle das Unternehmen Planungen für ein barrierearmes Quartier in der Reithausstraße in Auftrag geben. Um den Energieverbrauch im Wohngebiet Oschatz-West zu senken, sollen außerdem in weiteren Wohnblöcken die Einrohr- auf Zweirohrheizungen umgestellt werden. "Allerdings ist es auch für unser Unternehmen schwierig, für jeden Wohnungssuchenden sofort das passende Angebot bereitzustellen", schränkt der Wohnstätten-Chef ein.

Den Ruf der Wohnungsbau-Initiative nach staatlicher Förderung zur Schaffung energetisch und altersgerecht sanierter Wohnungen hält Schiffner für gerechtfertigt: "Es ist richtig, dass der Wohnungsmarkt in Deutschland mit dem Älterwerden der Bevölkerung nicht unbedingt Schritt hält. Gerade privaten Vermietern werden wenige Anreize geboten, diese umfassende energetische oder altersgerechte Sanierungen durchführen."

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