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Geld allein ist kein Allheilmittel gegen Landfurcht bei jungen Ärzten

Geld allein ist kein Allheilmittel gegen Landfurcht bei jungen Ärzten

Die Landflucht von Ärzten soll gestoppt werden. Der Bundestag hat zu diesem Zweck in der vergangenen Woche das sogenannte Versorgungsstärkungsgesetz verabschiedet.

Die OAZ befragte dazu den Oschatzer Allgemeinmediziner Dr. Axel Feyer, der auch im Vorstand der Kreisärztekammer Nordsachsen mitarbeitet.

 

Ist die Landflucht von Ärzten in der Region Oschatz überhaupt ein Problem?

 

Aus meiner Sicht nicht, denn einen wesentlichen Weggang von Kollegen in Richtung der Großstädte kann ich nicht feststellen. Ich würde es eher als Landfurcht bezeichnen, denn viele in der Ausbildung befindliche junge Ärztinnen und Ärzte streben eher eine Tätigkeit in den vermeintlich attraktiveren städtischen Regionen an.

 

Die Niederlassungsbezirke sollen verkleinert werden, um einen besseren Überblick zu bekommen, wo Ärzte fehlen. Wo befinden sich nach Ihrer Einschätzung die Schwachstellen der ärztlichen Versorgung in und um Oschatz?

 

Um es vorweg zu nehmen: Wenn wir von Schwachstellen reden, dann klagen wir auf sehr hohem Niveau. Unsere medizinische Versorgung ist im ambulanten und im stationären Bereich aus meiner Sicht hervorragend aufgestellt. Selbst in der Kleinstadt Oschatz sind viele Spezialisten direkt am Ort. Dass wir damit im europäischen und internationalen Vergleich sehr gut dastehen, scheint - wenn man die öffentliche Diskussion verfolgt - vielen Kritikern nicht bewusst zu sein. Eine Schwachstelle ist seit vielen Jahren die augenärztliche Versorgung unserer Patienten. Ein weiterer Augenarzt in Oschatz wäre sicher wünschenswert. Ich halte jedoch die Fahrstrecken nach Torgau oder Riesa zu den alternativen Augenarztpraxen für zumutbar. Das gilt auch für die für unsere Patienten nun notwendige Fahrt zum Neurologen nach Wermsdorf, obwohl ich den Wegfall der hiesigen Praxis bedauere.

 

Die Kassenärztlichen Vereinigungen sollen junge Ärzte stärker mit Zuschüssen aufs Land locken. Reicht mehr Geld allein aus, um dem Mediziner-Nachwuchs das Leben fernab der Großstädte schmackhaft zu machen oder was braucht es dafür?

 

Geld allein reicht definitiv nicht. Bereits zum Zeitpunkt meiner Niederlassung im Jahr 2007 gab es eine attraktive Förderung seitens der Krankenkassen und kassenärztlichen Vereinigung. Im Raum Oschatz hat sich dennoch kein Kollege neu niedergelassen, der nicht ohnehin mit der Region bereits verwurzelt war. Es gibt sicher viele veränderungswürdige Punkte, zwei wesentliche davon sind aus meiner Sicht: Nach wie vor ist die ambulante Kassenmedizin mit übermäßigen Regularien und der Budgetierung von Leistungen verbunden. Diese gehören abgeschafft. Das Risiko von Krankheit und daraus resultierender Behandlung haben einzig und allein die Krankenkassen zu tragen. Dies ist aktuell nicht so. Solange niedergelassene Ärzte für Teile ihrer Tätigkeit keinerlei Vergütung erhalten und Regressforderungen mit teils existenzieller Bedrohung ausgesprochen werden, wird sich an der aktuellen Situation nichts ändern. Und die niedergelassenen Ärzte können selbst mehr zur Attraktivität ihres Berufsstandes beitragen. Da wird mir zu oft in unnötiger Weise über die hohe Arbeitsbelastung und angeblich schlechte Bezahlung - dies kann ich ausdrücklich nicht bestätigen - gesprochen.

 

Die Gründungsmöglichkeiten für medizinische Versorgungszentren (MVZ) sollen verbessert werden. Sind MVZ, die den früheren Polikliniken ähneln, aus Ihrer Sicht für eine ländliche Region wie Oschatz sinnvoll?

 

MVZ sind eine sehr sinnvolle Ergänzung des medizinischen Angebotes für unsere Patienten. Insbesondere junge Kollegen, die eine Selbstständigkeit mit allen damit verbundenen finanziellen Risiken noch scheuen, werden sich als angestellte Ärzte gegebenenfalls eher in ländliche Regionen begeben. Hinzu kommt die Möglichkeit einer besseren Vernetzung der einzelnen Fachbereiche, was in dem geplanten Gesetz für sichere digitale Kommunikation im Gesundheitswesen (E-Health-Gesetz) ohnehin gefördert und gefordert wird.

 

Das jetzt beschlossene Versorgungsstärkungsgesetz sieht Terminservicestellen vor. Hier sollen Patienten innerhalb einer Woche einen Behandlungstermin bei einem Facharzt bekommen - mit einer Wartezeit von maximal vier Wochen. Kann so die Situation im Sinne der Patienten entspannt werden?

 

Das Problem besteht in der nach wie vor bestehenden Budgetierung. Aus meiner Sicht kann man keinen Facharzt zwingen, mehr Patienten zu behandeln, als die Krankenkassen am Ende des Quartals bezahlen wollen. Die eingerichteten Terminservicestellen sind letztlich nur eine Vorabreaktion auf den per Gesetz ausgeübten politischen Zwang. Obwohl sehr oft darüber berichtet wird, bin ich erstaunt, wie wenig die bekanntermaßen hohe Anzahl der Arztbesuche der deutschen Bevölkerung in die Diskussion eingebracht wird. Hin und wieder erleben wir doch eine recht kritiklose Inanspruchnahme unserer medizinischen Einrichtungen. Hier ist eventuell noch Luft "nach unten", was ja auch zu einer Entspannung der Situation beitragen könnte. Letztlich kann ich nur für unsere ländliche Region sprechen, wo wir in dringenden Fällen immer einen kurzen Draht zum jeweiligen Facharzt haben und für die Patienten - sofern notwendig - eine kurzfristige Vorstellung beim Spezialisten gewährleisten können.

 

Interview: Frank Hörügel

Hörügel, Frank

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