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Gemeinde fordert: Erst Salbitzer Ortsumgehung, dann Neubau der B 169

Behördenärger Gemeinde fordert: Erst Salbitzer Ortsumgehung, dann Neubau der B 169

Am fertig gestellten Bauabschnitt der B 169 zwischen Riesa und Seerhausen stehen mal wieder neue Plakate, die einen Weiterbau fordern. In Riesa sorgen sich Wirtschaftsvertreter, das es noch längere Zeit dauert, bis wieder Baumaschinen in Aktion zu erleben seien. Naundorfs Bürgermeister Michael Reinhardt hat hinsichtlich der B 169 andere Bedenken.

Wo lang geht es in Richtung B 169 Straßenbau: Bürgerinitiative will Anpassung der Trasse an die B 6 und baldigen Baubeginn.

Quelle: Dirk Hunger

Naundorf/Raitzen. "Man redet nicht mit uns", bringt er seinen Ärger auf den Punkt. Es wäre kein Wunder, wenn es bei der nächsten Auslegung der Pläne dann wieder zahlreiche Einsprüche geben würde. "Für mich ist die wichtigste Frage, was in und um Salbitz passieren soll", betont Michael Reinhardt. Sein Kenntnisstand sei, dass die Neubautrasse der B 169 vor dem Ort auf die Staatsstraße 30 münden soll. "Ob die dringend erforderliche Ortsumfahrung zum anstehenden dritten oder dem nächsten, vierten Bau- abschnitt realisiert wird, ist uns als Gemeinde nicht bekannt", betont der Bürgermeister. Dazu wolle er von der Straßenbaubehörde eine klare Aussage. "Da bekommt man jetzt schon Angst, wenn man sich den Verkehr dort früh, so gegen 6.30 Uhr, anschaut", schildert Michael Reinhardt die Situation. Es könne nicht sein, dass mit der neuen Trasse einige Orte entlastet würden und dann der gesamte Pkw- und Lkw-Verkehr durch diese mit zwei engen Kurven gespickte Ortsdurchfahrt geführt werde. Dagegen werde sich die Kommune zur Wehr setzen.

"Aus meiner Sicht muss die Ortsumfahrung gebaut werden, bevor die B 169 an die S 30 angebunden wird", unterstreicht Michael Reinhardt. Grund zum Optimismus sieht er allerdings nicht. Während im Entwurf des aktuellen Regionalplanes für Leipzig-Westsachsen die Trasse bis zur S 30 eingezeichnet sei, gebe es für die Ortsumfahrung und den nächsten Bauabschnitt nur einen Korridor mit gestrichelter Linie. Mit großer Wahrscheinlichkeit würden demnächst die Planungsunterlagen zu den aktuellen Varianten ausgelegt. Das schlussfolgert der Bürgermeister aus einer Anfrage der Landesdirektion Dresden. Diese habe sich nach dem nächsten Erscheinungstermin des Naundorfer Amtsblattes erkundigt und wolle dort Unterlagen veröffentlichen.

Dr. Hartwig Kübler, stellvertretender Naundorfer Bürgermeister und Vorsitzender der Bürgerinitiative "Schneller und kostengünstiger Ausbau der B169" ist - wie Michael Reinhardt – darüber enttäuscht, dass die Betroffenen bei der Erstellung der Pläne nicht gehört werden. "Als privater Bauherr würde ich an ein Vorhaben, bei dem es so ein Konfliktpotenzial gibt, anders herangehen", erläutert er. Aber hier baue eben der Freistaat mit Geldern des Bundes. Da sei eine Beteiligung der Öffentlichkeit gesetzlich erst dann vorgesehen, wenn die Planer fertige Unterlagen vorzuweisen haben. "Wir wissen, dass aus verkehrspolitischer Sicht etwas mit der B 169 passieren muss", stellt Hartwig Kübler den Standpunkt der Bürgerinitiative klar.

Doch nach der Fertigstellung der Strecke von Riesa bis zur B 6 hätten sich die Zahlen geändert. "Der Verkehr auf der B 169 zwischen Seerhausen und Döbeln hat nachgelassen", habe er beobachtet. Er sehe am Ende der neuen B-169-Trasse bei Seerhausen viele Lkw rechts abbiegen, die dann den Weg über die Mügelner Ortsumgehung zur Autobahn wählen würden. Das bestärke ihn in der Auffassung, dass die B 169 einige Kilometer über die B 6 verlaufen solle. Neu gebaut werden müsse aus Sicht der Bürgerinitiative lediglich eine Verbindung von der B 6 zur S 30. Diese sollte - aus Richtung Seerhausen gesehen – kurz vor der Zufahrt zur Kompostieranlage von der B 6 abzweigen.

"Ich wüsste nicht, welche andere Variante wirtschaftlich günstiger sein sollte, als diese, für die nur wenig Boden neu versiegelt werden muss", betont Hartwig Kübler. Den Umweg im Vergleich zu einer wie mit dem Lineal gezogenen neuen Trasse beziffert er auf 1,7 Kilometer. Allerdings sind bei der von der Bürgerinitiative bevorzugten Variante neben dem Neubau der Verbindung zwischen B 6 und S 30 einige Anpassungen erforderlich. "Die Kreuzung am Abzweig Ganzig/ Reppen müsste ausgebaut werden und möglicherweise an der B 6 eine dritte Fahrspur entstehen", so Hartwig Kübler. Außer Frage stehe für ihn die Notwendigkeit einer Ortsumgehung für Salbitz.

Zugespitzt lautet die Frage aus Küblers Sicht: "Wollt ihr 1,7 Kilometer mehr oder zehn Jahre später fahren?" Denn man werde genau hinsehen, ob die vom Freistaat vorgelegten Varianten, hinsichtlich Lärmschutz und Naturschutz verträglich sind. Außerdem dürfe man nicht übersehen, dass eine neue, direkte Trasse das Netz landwirtschaftlicher Wege zerschneiden würden. Sollen sie neu gebaut werden? Dürfen auf der neuen B 169 Traktoren fahren? Oder wird sie als Kraftfahrstraße ausgeschildert wie der Abschnitt nach Riesa? Für eine zweispurige Trasse ohne neue Wege für die Landwirtschaft prophezeit Kübler, dass es keinen Zeitgewinn auf dem Weg zur Autobahn geben wird.

Axel Kaminski

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