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Oschatz Geplante Tagebauerweiterung: Crellenhainer fürchten Wertverlust ihrer Wohnhäuser
Region Oschatz Geplante Tagebauerweiterung: Crellenhainer fürchten Wertverlust ihrer Wohnhäuser
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00:22 07.07.2018
Die Mondkrater hinter Crellenhain sollen wachsen: Seit 1883 bauen die Kemmlitzer Kaolinwerke den Industrierohstoff ab. Er dient zur Keramikherstellung. Quelle: Manuel Niemann
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Mügeln

150 Meter weit weg steht der Wall. Dahinter, sagt Silvio Weber, beginne die Mondlandschaft. Der 45-Jährige meint den Tagebau, den die Kemmlitzer Kaolinwerke GmbH (KKW) unweit seines Grundstücks in Crellenhain betreiben.

Landesdirektion genehmigt Erweiterung

Das Unternehmen will sein Abbaugebiet erweitern. Am Dienstag wurde bekannt gegeben, dass die Landesdirektion entsprechende Pläne geprüft und genehmigt hat (wir berichteten). Danach soll der Tagebau noch näher an Webers Haus rücken. Bis auf 100 Meter, genau wie es in der veränderten Stellungnahme der Stadt Mügeln an das Oberbergamt vorgeschlagen wurde.

Widerspruch zu bisheriger Abbaugrenze

Die Stellungnahme wurde geändert, obwohl alle anwesenden Stadträte sich in einer vorherigen Sitzung für einen Mindestabstand von 150 Metern ausgesprochen hatten. Bürgermeister Johannes Ecke (Freie Wählervereinigung Mügeln) widersprach dieser Entscheidung: „Ich habe das Widerspruchsrecht wahrgenommen, um voraussichtlich entstehenden Schaden für die Stadt abzuwenden“, erklärte er damals.

Kaolinwerke wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler

Den Schaden bezifferte Ecke mit einer sechsstelligen Summe: Das Kaolinwerk sei einer der größten Steuerzahler der Stadt. Auch die 85 Arbeitsplätze seien in Gefahr, wenn die Wirtschaftlichkeit des Tagebaus nicht mehr gegeben sei. Daher wurde ein 100-Meter-Abstand zur Wohnbebauung als Kompromiss empfohlen. Das Kaolinwerk hatte zuvor bis zu 70 Metern angestrebt.

Kompromiss löst alte Vereinbarung ab

Für Anwohner Weber ist das ein Kompromiss, der auf einen bereits geschlossenen folgt: Der bereits vorhandenen 150-Meter-Grenze hatten seine Schwiegereltern und andere 2004 zugestimmt. Damals wollte eine Bürgerinitiative den Tagebau nicht näher als 300 Meter heranrücken lassen. Letztlich wurden 150 Meter vereinbart und der Wall, der vor Lärm und Staub schützen sollte. Statt Bäumen wachsen dort niedrige Sträucher, die nun leicht zu entfernen seien.

Anwohner fühlen sich getäuscht

„Ich werfe den Kaolinwerken vor, dass sie es versäumt haben, andere Lagerstätten rechtzeitig aufgetan zu haben. Jetzt gehen sie den Weg des geringsten Widerstands.“

Weber, der als Berufsschullehrer in Leipzig arbeitet, zog 2006 bewusst nach Crellenhain in das Geburtshaus seiner Frau. Wo er – mit der Sicherheit der bestehenden Grenze – gebaut habe. Bald blickt er an seinem am Rand gelegenen Grundstück vielleicht gleich zu zwei Seiten auf die mondähnliche Kraterlandschaft. „Manche Familien überlegen, hier weg zu ziehen“, sagt er.

Wohnhäuser verlieren immens an Wert

„Für uns ist der Wertverlust enorm“, bestätigt Jürgen Katscher. Der Bestattungsunternehmer betont wie Weber, dass er nichts gegen den Kaolinabbau habe, er wisse um dessen wirtschaftliche Bedeutung. Allerding verliere nicht nur seine Altersvorsorge – sein Haus – an Wert.

Sich und die rund 45 betroffenen Familien sieht er noch nicht geschlagen: Um sich zu erweitern, müssen die KKW das Land um die Grube erst einmal erwerben. Enteignet dürfe es für den Privatbetrieb nicht werden.„Ich hoffe, dass die Leute ihr Land nicht verkaufen, das ist unsere letzte Karte “, sagt Katscher.

Stadt verweist auf geplante Auflagen und will vermitteln

„Ich verstehe die Bedenken der Anwohner“, sagt Bürgermeister Johannes Ecke. „Aber die Landesdirektion hat unter Einhaltung aller Auflagen keine Bedenken gegen die Erweiterung.“

Zu den Auflagen zählt nicht nur der 100-Meter-Mindestabstand, sondern auch Lärm- und Staubschutzmaßnahmen sowie die Wiedernutzbarmachung des Gebiets. Das Werk habe sich diesen Schutzmaßnahmen nicht verschlossen, in Konfliktfällen sehe er die Stadt jetzt in der Vermittlerrolle.

Die raumordnerische Beurteilung und der Zielabweichungsbescheid liegen vom 1. bis 31. August öffentlich in Mügeln aus.

Von Manuel Niemann

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