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Geschäft mit dem Wald ist für Oschatz ein Nullsummenspiel

Forstwirtschaft Geschäft mit dem Wald ist für Oschatz ein Nullsummenspiel

Im Forstbezirk Leipzig, zu dem auch die Region Oschatz gehört, gibt es viele private Waldbesitzer. Einer davon ist die Stadt Oschatz mit ihrem 166 Hektar großen Stadtwald. Der Holzverkauf bringt zwar Einnahmen, doch die werden durch Ausgaben zum Beispiel für die Pflege von Waldwegen wieder aufgefressen.

Revierförster Jan Petersen (links) führt Interessenten durch den Oschatzer Stadtwald.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Wermsdorfer Wald oder Colditzer Forst: Wälder im Eigentum des Freistaates Sachsen und bewirtschaftet durch den Staatsbetrieb Sachsenforst. Es gibt noch mehr privaten Waldbesitz, den Kommunen, Kirchgemeinden und Privatleute bewirtschaften (lassen), um daraus Kapital zu schlagen. Auch wenn die Rendite überschaubar bleibt, funktioniert es. Das Geschäft mit dem Wald wird salonfähig. Auch dank vieler Experten, die sich als Berater verstehen.

Rund die Hälfte der Wälder im Privatbesitz

„Sachsen ist ein Land des Privatwaldes“, sagt Forstdirektor Andreas Padberg, Leiter des Forstbezirkes Leipzig. Das gelte auch für den Forstbezirk Leipzig, zu dem die Wälder in der Region Oschatz gehören: Von den rund 33 600 Hektar Wald im Forstbezirk gehöre rund die Hälfte privaten Waldbesitzern, knapp 2000 von ihnen Kommunen und Kirchgemeinden. Mit 118 der 130 körperschaftlichen Waldbesitzer hat der Forstbezirk Revierdienst-Verträge geschlossen: „Hier übernehmen unsere Förster die Betreuung auf Grundlage eines Vertrages. Sie kümmern sich zum Beispiel um die Pflege, um die Verkehrssicherung, um Neupflanzungen und so weiter.“ Den 6500 privaten Waldbesitzern im Forstbezirk bietet Sachsenforst kostenfrei Beratung bei der Bewirtschaftung und Pflege, unterstützt beim Verkauf des Holzes und beim Waldumbau zu Mischwäldern. Fünf Sachsenforst-Revierförster kümmern sich im Forstbezirk Leipzig ausschließlich um diesen Privat- und Körperschaftswald.

Staatsbetrieb Sachsenforst betreut Oschatzer Wald

Für den 166 Hektar großen Oschatzer Stadtwald hat sich die Döllnitzstadt kompetente Betreuung per Vertrag mit dem Staatsbetrieb Sachsenforst gesichert. Kosten: 3000 Euro im Jahr. „Damit steht uns mit Herr Petersen ein überaus fachkundiger Förster zur Seite“, sagt der Oschatzer Hauptamtsleiter Manfred Schade. Für den Zeitraum von 2012 bis 2021 hat Petersen eine Art Fahrplan für die Entwicklung des Stadtwaldes aufgestellt. Auf dieser Basis wird ein jährlicher Wirtschaftsplan aufgestellt.

Reich wird die Stadt Oschatz mit ihrem Wald allerdings nicht. Laut Hauptamtsleiter Schade sind im städtischen Haushalt Ausgaben von rund 20 000 Euro zum Beispiel für den Bau von Waldwegen oder die Durchforstung (zum Beispiel das Fällen von Bäumen) vorgesehen. „Den Gesamtausgaben in Höhe von fast 30 000 Euro stehen durchschnittliche Erlöse aus dem Holzverkauf in gleicher Höhe gegenüber“, so Schade. Richtig Geld in die Stadtkasse würde erst bei einem Verkauf des Oschatzer Stadtwaldes fließen. Doch davon ist bislang keine Rede.

Wer Wald besitzt, besitzt einen Schatz. Einen Schatz, der über Generationen geformt wurde und der in künftige Generationen reicht. Dessen sind sich die privaten Waldbesitzer durchaus bewusst, sagt Mathias Stahn, als Referent für den Privat- und Körperschaftswald im Forstbezirk Leipzig zuständig: „Viele sind sehr engagiert, schlagen regelmäßig Brennholz, beteiligen sich auch an Holz-Auktionen, die wir einmal im Jahr ausrichten.“ Andere, die meist nur kleine Parzellen besäßen, ließen den Wald wachsen und gedeihen.

Jene, die seit der Wende von der BVVG Wald kauften, setzten dagegen auf eine intensive Bewirtschaftung. Zu ihnen zählt Stahn auch Unternehmen wie Kieswerke und Steinbrüche, die waldbestandene Betriebsflächen besitzen. Insgesamt sei die Nutzung aber geringer als im Landeswald, was nicht zuletzt an den oft kleineren Ausmaßen liege: 62 Prozent der privaten Wälder seien allenfalls ein Hektar klein: „Das erschwert natürlich die Bewirtschaftung, ganz abgesehen von einer Lage inmitten Feldern oder an schwer erreichbaren Gewässerläufen.“

Staatsbetrieb bietet Beratung an

„Was wir als Staatsbetrieb den Privaten anbieten, ist eine Beratung – fundiert, neutral und kostenfrei“, sagt Stahn. Die fünf Förster führen jährlich an die 1200 Beratungsgespräche, erreichen damit rund 500 Waldbesitzer. Es geht dabei um Waldbau und Schädlinge, um Naturschutz und neueste Erkenntnisse etwa aus der waldbaulichen Klimaforschung, die Sachsenforst in Graupa betreibt und die so nicht nur im Landeswald zum Tragen kämen. Egal ob die Bekämpfung des Borkenkäfers an der Fichte oder der richtige Umgang mit dem Eschen-Triebsterben: „Das betrifft alle Eigentumsformen mehr oder weniger gleich. Das ist keine Frage der Bewirtschaftung.“ Wobei sich das Problem reiner Fichten-Bestände in privaten Wäldern weniger stelle.

Gute Resonanz findet die jährliche Fachtagung auf dem Wermsdorfer Schloss Hubertusburg mit zuletzt jeweils über 100 Waldbesitzern. „Die Herausforderungen an den Wald kennen keine Eigentumsgrenzen“, sagt Padberg. „Klimawandel, wachsende Ansprüche der Bevölkerung an die Erholungsnutzung oder auch unterschiedliche Naturschutzanforderungen – aktuelle Erkenntnisse oder die Ergebnisse der von Sachsenforst betriebenen Versuchs- und Beobachtungsflächen im Wald beziehen wir ein und setzen auf der jährlichen Tagung aktuelle Schwerpunkte.“

Höchstpreise für Stämme aus der Region

Wenn im Januar in der Dresdner Heide die nächste Submission von Holz aus dem Gesamtwald bundesweit Interessenten aus Holzindustrie und verarbeitendem Gewerbe anspricht, kommen erneut auch zahlreiche Stämme aus dem Forstbezirk Leipzig unter den Hammer. „In den vergangenen Jahren erzielten mehrfach Stämme aus unserer Region Höchstpreise“, so Stahn. Für die Auktion erfolge zurzeit der Einschlag. Private Besitzer, die sich 2018 beteiligen wollten, müssten spätestens im Spätsommer nächsten Jahres mit ihrem Revierförster geeignete Bäume auswählen: „Wir würden uns freuen, wenn diese Möglichkeit noch stärker genutzt würde.“

Mittelfristig soll der Wald zu resistenterem Laubmischwald umgebaut werden, so wie es zum Beispiel im Falle von mit Fichten bestandenen Flächen in der Umgebung von Oschatz angezeigt ist. Im Gegensatz zum waldarmen Revier Döbeln mit seinen wertvollen Ackerböden weist das Revier Hubertusburg allein schon durch den Wermsdorfer Forst ein höheres Bewaldungsprozent auf.

Schlicht und treffend Waldpost heißt eine Publikation, die der Staatsbetrieb Sachsenforst alljährlich speziell für die privaten Waldbesitzer herausgibt. Die Ausgabe 2016/17 ist soeben erschienen und bei den Revierförstern zu haben.

Von ekkehard schulreich und frank hörügel

Oschatz 51.3006128 13.1059825
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