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Oschatz Geschichte(n) auf dem Mügelner Friedhof entdeckt
Region Oschatz Geschichte(n) auf dem Mügelner Friedhof entdeckt
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07:52 10.04.2012
Andreas Lobe zeigt historische Fotos vom Friedhof Mügeln. Bei dem Streifzug über den Gottesacker erfahren die Teilnehmer viele interessante Anekdoten. Quelle: SB
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Mügeln

Unter anderem hatte er angekündigt, das Grab einer Königin zu zeigen. Und er hat sein Versprechen gehalten.

Zu Beginn der einstündigen Führung ging Andreas Lobe auf die Geschichte des Friedhofes ein. Immerhin war die Stätte nicht schon immer an dieser Stelle. Zur Reformationszeit befand sich der Friedhof noch an der Kirche. Der Platz reichte bald nicht mehr, so wurde weiterer Grund dazu gekauft.

Auch eine Kirche mit Gruft für Pastoren sei dazu gekommen. Diese wurde 1614 geweiht. Das allerdings hielt das Militär im Befreiungskrieg 1813 nicht ab, das Gotteshaus zu einem Militärmagazin umzufunktionieren.

Der Pest im Jahr 1637 waren über 1000 Menschen zum Opfer gefallen. "Gerade mal 16 Ehepaare hatten die Pest überlebt. Die Toten fanden unter anderem auf dem neuen Stück Friedhof ihre Ruhe", wusste er. Im Zweiten Weltkrieg seien hier Zwangsarbeiter beerdigt worden. Lobe kritisierte bei dieser Gelegenheit den ungepflegten Zustand der Gräber.

Bei dem Rundgang ging Andreas Lobe auf verschiedene Gräber ein, vor allem auf die Ruhestätten von ehemaligen Mügelnern, die als Industrielle oder Handwerker auch ein Herz für die Stadt und ihre Menschen hatten.

Dazu zählte die Familie des Sattlermeisters Hummitzsch. Die Stadt hatte nach seinem Tod 1916 seine archäologische Sammlung aufgekauft. "In vier Jahren können wir 100 Jahre Hummitzsch-Sammlung feiern", so Lobe.

Am Grab des ehemaligen Bürgermeisters Theodor Börngen - er übte das Amt von 1886 bis 1921 aus - verweilten die Besucher und hörten, was er zu damaliger Zeit vollbracht hat. "Er hat die Industrialisierung voran getrieben."

Einiges zu erzählen gab es auch zu den Familien Schulz, Einenkel, Schindler, Schlagwitz und Posselt. Der Apotheker Teubner sei Mitbegründer der "Lipsia" gewesen. Und die Familien Teschner und Schumann demonstrierten die Nähe zu den Arbeitern.

Am Ende standen die Teilnehmer des Rundganges vor dem Grab der angekündigten Königin. Es war die bis dahin erste Schützenkönigin Hulda Bayrich, die 1963 verstarb und auf dem Mügelner Friedhof ihre letzte Ruhe fand.

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