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Oschatz Geschichte und Geschichten im Schmannewitzer Museum
Region Oschatz Geschichte und Geschichten im Schmannewitzer Museum
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00:33 17.05.2018
Bäuerliches Museum Schmannewitz
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Schmannewitz

Nur noch die alten Bilder erinnern an ein Gebäude, das nicht mehr bewohnbar war und doch so viel Geschichte widerspiegelte. Deshalb war es dem Verschönerungsverein 1882 Schmannewitz so wichtig, ausgerechnet dieses Gebäude – in der Dr.-Alfred-Brehm-Straße 2 – in Schmannewitz zu erhalten. Heute hat sich das Haus in ein Museum verwandelt. Geöffnet für alle Interessierten ist es zwischen Ostern und dem ersten Advent jedes Wochenende zwischen 14 und 16 Uhr.

1882 fing alles an

Spulen wir die Uhr noch ein wenig zurück – über ein Jahrhundert weit – zum Jahr 1882. Denn bereits da erkannten die alten Bewohner des Dorfes die Chance, die sich durch das Landschaftsschutzgebiet der Dahlener Heide ergab. „Der Boden war karg. Die Oberfläche der Dahlener Heide ist ein Endmoränengebiet. Natürlich wurde auch hier Landwirtschaft betrieben, aber durch den Sandboden war dies nicht besonders ertragreich. Doch das Waldgebiet bot die Chance für den Tourismus. Auch die Bahnlinie war gut“, sagt Vereinsmitglied Gudrun Dietze. Zu dieser Zeit gab es bereits den Schmannewitzer Männerchor. Aus diesem gründete sich der Verschönerungsverein 1882. Wiederbelebt wurde der gemeinnützige Heimatverein 1991. „Unsere Ziele sind Heimatpflege regionaler Besonderheiten im sanften Umgang mit der Natur und Umwelt.“ Natürlich stellte man sich damals auch die Frage „Was machen wir?“ In einem festen großen Zelt wurden Exponate aus dem gesamten Ort gesammelt. „Hier war Heinz Martin ein echter Pionier. Als ehemaliger Landwirt wusste der Rentner, wo im Ort geeignete landwirtschaftliche Exponate stehen. Wir hatten schließlich so viele Ausstellungsstücke, dass uns klar wurde, dass ein echtes Museum besser geeignet wäre“, erinnert sich Gudrun Dietze. Hier kommt das Gebäude in der Dr.-Alfred-Brehm-Straße ins Spiel. Dieses war ein altes Gemeindegebäude, welches seit 1992 nicht mehr bewohnt wurde. „Es war ein mittelbäuerliches Wohnhaus auf einem Dreiseitenhof. Uns war schnell klar, dass dies in Angriff genommen werden müsste. Ein Baufachmann sagte, dass eine Nutzung zu Wohnzwecken nicht möglich sei und trotz aller Schwierigkeiten konnten wir die Ausstellung am 3. Oktober 1993 eröffnen“, berichtet sie stolz.

Kleine Heimatstube mit 300 Exponaten war geplant

Natürlich musste dafür viel getan werden. Es wurde raus- geräumt, sauber gemacht und auch die Erben hatten einiges zurückgelassen. Geplant war eine kleine Heimatstube mit etwa 300 großen und kleinen Exponaten. Heinz Martin habe immer zugegriffen, wo es etwas brauchbares gab. „Mit der ersten Etage ging es los. Wir hatten viele Besucher, aber es war noch nicht ganz so gut wie erhofft. Doch von unseren Mitgliedern und den engagierten Bürgern haben wir uns bestätigt gefühlt, unser Vorhaben zu verwirklichen. Unsere Öffnungszeiten haben wir damals mit drei Familien abdecken können. Heute sind es neun Leute, die sich in die Öffnungszeiten rein teilen.“

Als Partner hatte der Verein das Amt für ländliche Neuordnung, die den Plan auch finanziell unterstützten. Das Gebäude sollte restauriert werden. Dafür musste jedoch die gesamte Ausstellung vorerst wieder hinaus. 1996 konnte dann wieder Publikum ins Museum.

Ausstellungsstücke können Geschichte erzählen

Die Stücke, die im Museum zu finden sind, können Geschichte(n) erzählen. So befand sich neben der Küche der Kuhstall. Heute weisen nur noch die Schilder mit den Namen auf die Existenz der Tiere hin. Futteraufbereiter, Dämpfer, Rübenschneidemaschinen, Strohschneider, Kartoffelquetsche und -wäsche lassen erahnen, dass die Arbeit in der damaligen Zeit alles andere als einfach war. Auch der Backofen konnte saniert werden. So fand bereits im selben Jahr das allererste Schaubrotbacken in diesem Ofen statt. „All das ist von unten heraus gewachsen. Wir hatten so viele Ideen. Wir wollten eine kleine Imkerei, wollten Pflaumenmus herstellen.“ Doch auch wenn aus einigen Ideen letztendlich nichts wurde, entwickelte sich das Schaubrotbacken zu einem festen Event. Ein solches muss vorbereitet werden. Denn der Ofen muss Tage zuvor vorgeheizt werden, um am Tag der Schau auch wirklich Brote backen zu können.

In der oberen Etage entdeckt man den Lebensraum einer Familie. In der Schlafstube kann man einen Kinderwagen erkennen, der wohl auch heute wieder modern wäre. „Als wir ihn bekommen haben, war er vollkommen kaputt. Die Mäuse hatten ihn zerfressen. In Dresden konnte er wieder hergerichtet werden“, sagt Gudrun Dietze. Die gute Stube wurde früher wirklich nur für Besuch genutzt. In der Gerätekammer wurden Besenstiele und vieles mehr auf der Schnitzbank hergestellt. Geht man eine weitere Treppe hinauf, gelangt man in das Getreidelager. Mit einem Sackaufzug wurde dieses hierher befördert. Später habe man diesen genutzt, um die großen Geräte für die Ausstellung dort hinauf zu bekommen.

2006 zog die Information im Auszugshaus ein

Als im Seitengebäude das ehemalige Auszugshaus 2006 frei wurde, zog hier die Information ein. Der Heuboden wurde zu einer Sonderausstellung umfunktioniert. Hier findet man alles über den Männerchor und Großmutters Schulzeit. Auch die Möglichkeit für Vorträge ist hier vorhanden. Filme, die mit Unterstützung vom Verein selbst gedreht wurden, zeigen das Leben der Bauern in Schmannewitz und ihren Arbeitstechniken. „Als der Bauhof aus dem Gebäude war, stand auch die große Scheune leer. Hier hatten wir nun die Möglichkeit, die großen Geräte wie Dreschmaschinen und große Wagen unterzustellen. Diese befanden sich zuvor in einem leerstehenden landwirtschaftlichen Gebäude ein Stück abseits des Museums. Ein Gerät, was wir hier ausstellen, stellte uns anfangs vor ein großes Rätsel. Es hatte Löcher und bewegte sich. Später stellte sich heraus, dass es sich um eine Moorkarre handelte. Das ergab Sinn, denn hier in Schmannewitz gab es Torf.“

Museum feiert 25-Jähriges

Wo sich heute die Schauschmiede befindet, war früher die Werkstatt des Bauhofes. „Uns hatte jemand aus Querbitzsch eine Schmiede angeboten. Zehn Jahre lang lag sie ungezeigt bei uns. Erst dann – mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Sponsoren – konnten wir diese aufbauen und für die Besucher zugänglich machen. Es musste einiges restauriert werden. So war der Blasebalg aus Leder ziemlich durchlöchert und musste geflickt werden. Jetzt können wir ihn wieder vorführen. Auch der Federhammer, der mit einem Motor betrieben wird, ist ein echter Hingucker. Am 3. Oktober brennt auch das Schmiedefeuer wieder zu unserem Erntefest.“

In diesem Jahr soll das Fest groß gefeiert werden, da das Museum 25-jähriges Jubiläum hat. Dafür werden bereits jetzt erste Vorkehrungen getroffen. Gudrun Dietze ist stolz darauf, was in den letzten 25 Jahren hier geschaffen wurde. Eine Entwicklung, die am Anfang wohl noch keiner für möglich gehalten hatte. Nun hoffen die Mitglieder des Vereins natürlich, viele Besucher zum Schaubrotbacken am 13. Mai und zum Erntefest am 3. Oktober in Schmannewitz begrüßen zu können.

Von Kristin Engel

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