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Oschatz Gewachsen in Sachsen - Oschatzer Unternehmen suchen Nachwuchs
Region Oschatz Gewachsen in Sachsen - Oschatzer Unternehmen suchen Nachwuchs
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16:38 12.02.2014
Die Baum- und Rosenschule Müller ist die einzige in Deutschland, die Sauerkirschen der neuen Sorte "Jachim" - eine Säulenkirsche, die auf engstem Raum viele Früchte trägt - veredeln darf. Dag Müller (links) zeigt Moritz Tamme (2.v.l.), wie das Gehölz veredelt wird. Erst im September ist der Kirschbaum reif für den Verkauf. Quelle: Kathrin Gerlach

Unter ihnen auch die Baumschule Müller. Hier werden schon seit Jahren Gärtner in den Fachrichtungen Garten- und Landschaftsbau sowie Baumschule ausgebildet.

"Wir definieren keine Normen, die Auszubildende erfüllen müssen, damit sie bei uns einen Ausbildungsplatz bekommen", meint Dag Müller, Geschäftsführer der Baum- und Rosenschule Wolfgang Müller und Sohn KG. "Wir bilden aus, wenn wir echtes Interesse an unserer Arbeit spüren." Und so ist es dem Gärtnermeister für Baumschulen auch ganz egal, auf welchen Wegen seine Lehrlinge zu ihm kommen oder wohin es sie danach verschlägt. Er will in Verantwortung für seine Branche vor allem gute Fachleute ausbilden, die Freude am Gedeihen und Wachsen der Natur, Spaß an moderner Technik und keine Scheu vor körperlich schwerer Arbeit haben.

Der 32-jährige Thomas Blas - Bachelor of arts der Kunstgeschichte - macht im Familienunternehmen Müller gerade eine Lehre zum Landschaftsgärtner, um später als Fachberater im Müllerschen Pflanzen-Center zu arbeiten.

Moritz Tamme aus Meißen schaut sich bei den Müllers ab, was ihm in seiner eigenen Familie leider nicht vergönnt war: die Übernahme eines Familienbetriebes. Wie Dag Müller wuchs auch er in der Baumschule des Vaters auf. Mit 16 allerdings entschied er sich für eine "artfremde" Lehre zum Kfz-Mechatroniker. Im vergangenen Jahr dann konfrontierte ihn der Tod seines Vaters mit der Entscheidung, die gärtnerische Familientradition sterben zu lassen oder das Geschäft des Vaters zu übernehmen.

Der 24-Jährige suchte Rat bei Wolfgang Müller, dem Präsidenten des Bundes deutscher Baumschulen in Sachsen. Und er wagte den Schritt: Gemeinsam mit seinem Bruder Albert will er die Baumschule Tamme erhalten. Dafür lernt er nun den Beruf des Gärtners für Baumschulen von der Pike auf und nimmt die Entbehrung der Doppelbelastung aus Lehre und Arbeit in der heimischen Baumschule in Kauf. - "Die denkbar schwierigste Variante der Unternehmensnachfolge", schätzt Dag Müller den Mut seines Azubis und zugleich sein eigenes Glück: Immerhin konnte er an der Seite seines Vaters lernen, wie man Gehölze veredelt, sie über Jahre pflegt, ihr Wachstum beobachtet, fördert und beeinflusst. Und selbst heute - als erfahrener Gärtnermeister und Geschäftsführer der Baum- und Rosenschule Müller - weiß er, dass er seinen Vater Wolfgang jederzeit zu Rate ziehen kann.

"Voraussetzungen für die Arbeit als Baumschuler sind umfassendes Wissen in Botanik, Pflanzenschutz oder beispielsweise Sortenkunde - Dinge, die man in der Berufsschule lernen kann. Wir brauchen aber auch viel Erfahrung, denn wir leben und arbeiten im Einklang mit und in Abhängigkeit von der Natur", beschreibt Dag Müller.

Es kostet viel Geduld, Mühe und Schweiß, ehe aus einem Sämling ein Apfelbaum oder eine Rose wird. Allein die Vorstellung, dass das 18-köpfige Team der Baumschule pro Jahr 35 000 Stammrosen und 50 000 Buschrosen in mehr als 100 Sorten sowie 80 000 Obstgehölze produziert, lässt den Arbeitsumfang erahnen. In der Baum- und Rosenschule Müller finden junge Menschen einen Ausbildungsbetrieb mit besten Referenzen. Sie gehört zu den führenden Produzenten von Hochstamm- und Buschrosen sowie Obstgehölzen in Deutschland, ist Partner von Instituten für Obstforschung und Gartenbau, engagiert sich für die Entwicklung und Vermehrung neuer Sorten und für den Erhalt der Baumschulen in Sachsen. Im Vorjahr wurden Wolfgang und Dag Müller mit dem Unternehmerpreis der Oschatzer Allgemeinen Zeitung für erfolgreiche Unternehmensnachfolge ausgezeichnet. Jetzt sorgen die Müllers dafür, dass post mortem auch einer ihrer Kollegen sein Unternehmen an seine Söhne übergeben kann. "In seiner dreijährigen Lehre werden wir Moritz alles beibringen, was er braucht, um die Baumschule Tamme zu erhalten", betont Dag Müller.

Der Gedanke, dass er damit in die Konkurrenz direkt vor der Haustür in Meißen investiert, ist ihm fremd: "Wir Baumschuler in Sachsen sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern als Kollegen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: unseren Kunden Pflanzen anzubieten, die in Sachsen gewachsen sind."

Kathrin Gerlach

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