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Gewerkschaft kritisiert Gehaltserhöhungen für Beschäftigte der Stadt Oschatz

Gewerkschaft kritisiert Gehaltserhöhungen für Beschäftigte der Stadt Oschatz

Die 193 Beschäftigten der Stadtverwaltung Oschatz bekommen seit dem 1. Januar zwei Prozent mehr Geld, im nächsten Jahr sollen weitere zwei Prozent drauf gelegt werden.

Oschatz. Ist die Gehaltserhöhung in Oschatz für die Gewerkschaft ein Grund zum Jubeln?

 

 

Im Gegenteil, das ist nur ein Trostpflästerchen: Bei einer offenen Mitgliederversammlung am Dienstag ist klar geworden: Langsam reicht es den Beschäftigten in Oschatz. Sie fühlen sich nicht mehr als Beschäftigte zweiter, sondern mittlerweile dritter Klasse. Die aktuelle Gehaltserhöhung entspricht fünf bis sechs Euro im Monat. Das Gehalt der Kita-Beschäftigten in Oschatz liegt mittlerweile nur noch bei 85 Prozent des Niveaus im öffentlichen Dienst.

 

Ebenfalls neu ist, dass für gute Nachwuchskräfte eine sogenannte Spitzenprämie von einmalig 2000 Euro eingeführt wird. Die Stadtverwaltung wertet diese Prämie als Vorteil gegenüber dem Tarifsystem im öffentlichen Dienst. Ist das so?

Mit der Kopfprämie will die Stadtverwaltung die neuen Kollegen für drei Jahre an die Stadt Oschatz binden. Was passiert aber, wenn es sich herausstellt, dass die Kollegen nicht die Erwartungen erfüllen? Das heißt, wenn die erwartete Qualität nicht kommt oder es anderweitige Probleme gibt. Dafür ist normalerweise eine Probezeit da, soll die bei den Kopfprämien-Beschäftigten dann ausgeschalten werden? Wenn es um eine dreijährige Bindung an die Stadt Oschatz geht, wäre ja eine Probezeit überflüssig. Wenn die Stadt Oschatz Geld für Kopfprämien hat, dann sollte sie dieses lieber für die Erhöhung der Gehälter von derzeitigen Beschäftigten verwenden.

Erzieherinnen in Kindertagesstätten sind überall in Sachsen knapp und auch in den Kitas der Nachbargemeinden begehrt. Ist Oschatz mit der jüngsten Gehaltserhöhung konkurrenzfähig?

Überhaupt nicht. Alle Umlandgemeinden sind im öffentlichen Dienst, Oschatz zahlt 85 Prozent des Gehaltes. Bei älteren Erzieherinnen macht der Unterschied bis zu 600 Euro im Monat aus. Seit dem Austritt aus dem Arbeitgeberverband und damit aus dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes gab es in Oschatz nur geringfügige Erhöhungen, die aber nicht annähernd an die tariflichen Erhöhungen aus den Tarifrunden herankommen. In die nächste Tarifrunde für 2013 gehen die Gewerkschaften mit einer Forderung von sechs bis sieben Prozent. Oschatz wird automatisch weiter zurückfallen.

Was rät die GEW ihren Mitgliedern: Sollen sie die schlechtere Bezahlung im Vergleich zum Umland klaglos hinnehmen?

Nein. Die Beschäftigten haben nachdrücklich den Wunsch geäußert, dass Oschatz wieder einen Tarifvertrag abschließt - und wenn es ein Haustarifvertrag ist. Die Gewerkschaften führen Tarifverhandlungen für ihre Mitglieder. Solange in der Stadtverwaltung der überwiegende Anteil der Beschäftigten nicht gewerkschaftlich organisiert ist, sehen die Gewerkschaften keine Veranlassung, die Stadtverwaltung zu Tarifverhandlungen aufzufordern. Wenn zu viele Leute auf den Trittbrettern stehen, bleibt der Wagen stecken. Wir wollen den Wagen gern wieder ins Rollen bringen. Das geht aber nur, wenn viel weniger Beschäftigte Trittbrettfahrer sind.

Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (parteilos) will mit der Aktion "O Schatz, komm zurück!" ehemalige Oschatzer zur Rückkehr in ihre Heimatstadt bewegen. Ist die Stadtverwaltung selbst ein so attraktiver Arbeitgeber, dass Ex-Oschatzer zurückkommen?

Für den sozialen Erziehungsdienst kann ich sagen: Nein, das wäre kein lukratives Angebot. Sowohl vom Gehalt her als auch vom Umgang mit den Beschäftigten nicht. Nur wegen des schönen Pflasters auf dem Marktplatz kommt niemand nach Oschatz zurück.

Sollte die Stadt Oschatz wieder in den Tarifverbund des öffentlichen Dienstes zurückkehren?

Ja, unbedingt. Die Stadt ist aus Sparsamkeitsgründen ausgetreten. Die kleineren Kommunen im Umfeld haben sicher noch mehr Geldprobleme, bekommen es aber trotzdem hin, ihre Beschäftigten ordentlich zu bezahlen. In Böhlen bei Leipzig gilt zum Beispiel: Die Bezahlung der Erzieher hat Vorrang vor Straßenbau. Das ist auch unsere Priorität.

Fragen:

Frank Hörügel

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