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Oschatz Gigantomanie hinterm Gitterzaun
Region Oschatz Gigantomanie hinterm Gitterzaun
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23:05 04.06.2014

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Die riesigen, imposanten Gebäude - zwei Hallen und ein Verwaltungsbau - stehen. Auf die reine Lagerfläche würden fast sieben Fußballfelder passen, 31 auf das gesamte Gelände. Das blau-gelbe Edeka-Logo, das gleich zweimal in Richtung Autobahn leuchtet, ist 14 mal 18 Meter groß. Wer das mit hohen Zäunen gesicherte Areal einmal gemütlichen Schrittes umrunden will, braucht etwa 20 Minuten dafür. Gigantomanie pur.

Es läuft nicht alles nach Plan

Bei so einem Wahnsinns-Bau läuft nicht alles nach Plan. Der ursprüngliche Termin der Inbetriebnahme kann nicht gehalten werden, wie Anfang des Jahres die Gewerkschaft Verdi durchsickern ließ. Die Geschäftsleitung des Handelsriesen hält sich bedeckt, gibt aktuell keine Auskünfte zur weiteren Terminplanung und auch nicht darüber, was aus den Beschäftigten der beiden Edeka-Lager in Hof (bei Oschatz) und Borna wird, die durch den Berbersdorfer Mega-Bau ersetzt werden sollen. Auch einen Blick hinter die Kulissen der großen Hallen, wo derzeit ein großes Gewimmel von Bauleuten und -maschinen herrschen dürfte, gewähren die Unternehmenschefs nicht und bitten dafür um Verständnis.

Draußen auf der Baustelle hält sich die Betriebsamkeit in Grenzen. Eine Planierraupe bewegt gemächlich Erdmassen entlang der nördlichen Lagerhalle. Ein Mann gerät ins Schwitzen, weil er ein kleines Ackergerät vor sich her schiebt und so eine schmale Randfläche bearbeitet, auf der einmal etwas Gras sprießen wird. Eher die Ausnahme bei riesigen Parkplätzen, Straßen und sogar einer eigenen Tankstelle mit Waschplatz. Doch das haben Logistikzentren nunmal so an sich.

Der Mann am Ackergerät zuckt mit den Schultern. Nein, er wisse nicht, wann das Regionallager eingeweiht wird. Vielleicht könne der Wachmann am Eingangstor helfen. Der ist in seine Belletristik versunken, sagt aber trotzdem wie aus der Pistole geschossen: "Nicht ansatzweise weiß ich, wann es hier losgeht." Ab und zu rollen große Laster und kleine Pkw vom und auf das Gelände, Edeka-Fahnen flattern im Wind. Hinter dem Lagerareal biegt eine Straße ab ins Gewerbegebiet Striegistal-Süd, sie heißt Edekastraße. Von dort aus blickt man auf die Rückseite der Lagerhallen, wo auch zig Büro-, Aufenthalts- und Material-Container der Baufirmen stehen.

Immerhin, einen Imbiss gibt es schon auf dem Gelände: "Rosis Bistro - hinter dem Hauptgebäude, 8 bis 15 Uhr", steht auf einem Schild neben dem Tor. Bauarbeiter brauchen schließlich was ordentliches zwischen die Kiemen. Und so verkehrsgünstig das Lager auch gelegen ist, so ist es für ein schnelles Mittagessen zu weit weg vom Schuss.

Noch mehr Gewerbefläche

Bis zum Ortseingang von Berbersdorf sind es etwa zwei Kilometer. Dort ist ein riesiges Regenrückhaltebecken entstanden - so groß wie ein Freibad - das künftig das Oberflächenwasser einer weiteren, 20 Hektar großen Gewerbefläche aufnehmen soll. Zwei Bauleute legen letzte Hand an: "Soll doch alles schmuck sein, wenn der Minister am Freitag kommt", frotzeln sie. Da schwebt ein Hubschrauber heran, landet neben dem am Horizont erkennbaren Edeka-Lager. "Oder kommt der Minister heute schon per Lufttaxi? Nein, das ist der Edeka-Chef persönlich", geht die Witzelei der Bauleute weiter. Weder noch, wie sich wenig später herausstellt. Einer der Beschäftigten auf der Baustelle hat einen Krampfanfall erlitten. Der Hubschrauber gehört zur Luftrettung. "Ein internistischer Notfall, der Hubschrauber war gerade in der Nähe, da haben wir ihn nach Berbersdorf beordert", so die Auskunft der Rettungsleitstelle Freiberg.

Das mit dem Ministerbesuch kann auch noch geklärt werden. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) kommt tatsächlich morgen ins Striegistal. Aber nicht wegen des Regenrückhaltebeckens, sondern wegen des Fördermittelbescheids für den Abriss des Etzdorfer Gasthofes. Nach der Wahl ist vor der Wahl. Und aus sicherer Quelle ist schließlich zu erfahren: Edeka will im Frühjahr 2015 mit der Inbetriebnahme das Regionallagers beginnen.

Olaf Büchel

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