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Goldgräber-Stimmung beim Ackerland

Goldgräber-Stimmung beim Ackerland

Die Preise fürs Ackerland explodieren und bereiten den heimischen Bauern Sorgenfalten. Viele Betriebe bekämen Schwierigkeiten, sich freie Flächen zu leisten und die hohen Pacht- und Bodenpreise, die sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt haben, zu erwirtschaften.

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Landwirtschaftliche Flächen in der Collm-Region sind begehrt. Innerhalb von fünf Jahren haben sich Pacht- und Bodenpreise verdoppelt.

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Region Oschatz. Das sagt Torsten Krawczyk, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Döbeln-Oschatz. Hinzu käme, dass vereinzelt außerlandwirtschaftliche Investoren im harten Wettbewerb um ostdeutsches Ackerland mitmischen, spekulieren und durch ihre Ankäufe somit die Preise seit der Finanzkrise 2008 in unerschwingliche Höhen treiben - sehr zum Zorn der Bauern.

 

In Nordsachsen wechselten voriges Jahr laut dem aktuellen sächsischen Agrarbericht landwirtschaftliche Flächen im Schnitt für 11 373 Euro pro Hektar den Besitzer, eine Verteuerung von 971 Euro gegenüber dem Jahr 2012. In ganz Sachsen lag der Kaufpreis durchschnittlich bei 8561 Euro je Hektar. "Schuld daran sind unter anderem die Niedrigzinsen", so Krawczyk. "Aktienmarkt und Anleihen sind unattraktiv geworden, und so stürzen sich alle auf den Bodenmarkt, wollen dort investieren und ihn als Wertanlage nutzen." In den neuen Bundesländern herrscht teilweise Goldgräber-Stimmung, und den Bauern werden die wenigen freien Flächen unter der Nase weggekauft.

 

Dieses Phänomen wird mit dem Begriff "Landgrabbing", zu Deutsch: "nach Land grabschen" umschrieben - betroffen sind auch Junglandwirte, denen es immer schwer fällt, auf dem aufgeheizten Bodenmarkt einen eigenen Hof zu gründen. Ostdeutsche Jungbauern sowie Auszubildende und Studenten der Landwirtschaft riefen 2013 deshalb die Kampagne "Bauer sucht Land" ins Leben und hoffen auf politische Unterstützung und einen Wandel in der Agrarstruktur: "Entgegen landläufiger Meinung gibt es sie noch: Junge Menschen, die auf dem Land leben und arbeiten wollen", sagt Johannes Erz, Sprecher der Initiative. "Wir brauchen eine faire Chance beim Zugang zu Agrarland", betont er.

 

Mitschuld an der Kostenentwicklung trage nach Ansicht vieler Landwirte auch die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH. Als Nachfolgerin der Treuhand hat sie die Preislawine mit großen Ausschreibungs-Losen erst ins Rollen gebracht, da sie auch große Teile ostdeutschen Ackerlands meistbietend an finanzstarke Investoren veräußert hat, die kein Interesse an Landwirtschaft besitzen.

 

Normalerweise heißt es: Je besser der Boden, umso umkämpfter. Doch selbst in der Region Oschatz, wo eigentlich leichte und damit nicht so ertragreiche Böden vorherrschen, steigt die Nachfrage. Und so seien zuletzt sogar Spitzenwerte bis 20 000 Euro pro Hektar für relativ kleine Flurstücke erzielt worden, berichtet Torsten Krawczyk. Diese Summen können die ortsansässigen Landwirte kaum bezahlen und müssten bei Auktionen vermögenden Privatleuten den Vortritt lassen. "Derzeit ist wohl keine Trendwende ersichtlich."

 

"Wir als großer Landwirtschaftsbetrieb und Arbeitgeber in der Region betrachten die Situation mit Besorgnis", sagt Frank Hennig, Vorstandsmitglied der Agrargenossenschaft Naundorf-Niedergoseln. Agrarland sei für einen landwirtschaftlichen Betrieb die Existenzgrundlage. "Die Sicherung des Bodens hat für uns deshalb obere Priorität", sagt Hennig. "Durch den Einsatz von organischen Düngemitteln und ordentlicher Fruchtfolgegestaltung erhalten wir die uns zur Pacht anvertrauten Flächen in einem ordentlichen Zustand."

 

"Die Kauf- und Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen sind in den letzten Jahren kontinuierlich und nicht unerheblich gestiegen", bestätigt auch Nico Friebel vom Sächsischen Landesbauernverband. Grund seien neben der allgemein verbesserten Erlössituation in der Landwirtschaft und den damit verbundenen höheren Gewinnerwartungen, auch der Ansturm auf erneuerbare Energiequellen. Die Entwicklung bei Biogas befeuerte zusätzlich die Nachfrage, da große Flächen für den Anbau beispielsweise von Mais benötigt werden.

 

Verkäufe von Ackerland an außerlandwirtschaftliche Investoren würden in Sachsen aber eher eine untergeordnete Rolle spielen, so Friebel. "Alle Verkäufe von landwirtschaftlichen Flächen, die größer als 0,5 Hektar sind, bedürfen der Genehmigung durch das Landratsamt nach dem Grundstücksverkehrsgesetz." Soll an einen Nichtlandwirt veräußert werden, obwohl ein Landwirt an der Fläche interessiert ist, erhält der Landwirt das Vorkaufsrecht "Dies funktioniert in Sachsen recht gut." Allerdings unterliegen derzeit der Kauf von gesamten Agrarbetrieben keiner Genehmigungspflicht, bemängelt er.

Benjamin Winkler

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