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Grab-Rednerinnen im Trend - nur das Sargtragen bleibt Männersache

Grab-Rednerinnen im Trend - nur das Sargtragen bleibt Männersache

In den Niederlanden wollen sich immer mehr Menschen von Frauen zu Grabe tragen lassen - und verfügen dies sogar im Testament. Wie die OAZ jüngst berichtete, sucht die Gilde der Sargträgerinnen in Amsterdam Nachwuchs.

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Den Sarg tragen meist Männer, die Grabrede halten meist Frauen - in Oschatz sind damit Norman Wünsche und Veronika Swienty betraut.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz/Mügeln. Von christian kunze

 

In der Oschatzer Region kann von solch einem Trend nicht die Rede sein. Dafür sind weibliche Trauerredner gefragter denn je.

 

Ein zunehmendes Interesse daran, dass Frauen den Sarg bei Beerdigungen tragen, kann Norman Wünsche nicht verzeichnen. Für den Oschatzer Bestattungsunternehmer ist es schwer vorstellbar, dass dies für Frauen eine angenehme Arbeit ist. "Schließlich ist es mit großer körperlicher Anstrengung verbunden und damit eher kräftigen Männern vorbehalten", sagt er. Auch bei der Überführung von Verstorbenen kämen vor allem Männer zum Einsatz. Allerdings gibt es laut Wünsche vermehrt weibliche Trauerredner. Er selbst hat eine Frau angestellt, die in seinem Unternehmen, neben ihm selbst, dieses Amt wahrnimmt. Es gibt zwei andere Trauerrednerinnen in der Oschatzer Region. Die Bereitschaft von Frauen, diese anspruchsvolle Aufgabe zu übernehmen, begrüßt Norman Wünsche. "Diese Tätigkeit kann nicht jeder ausüben. Dafür bedarf es guter Rhetorik und sehr viel Einfühlungsvermögen. Ob Frauen dafür besser geeignet sind als Männer, vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist eine gute Sache, wenn Familienangehörige verschiedene Trauerredner oder eine Rednerin zur Auswahl haben."

 

Sargtragen als Frauendomäne? Davon könne keine Rede sein, sagt der Mügelner Bestatter Wilfried Jacob. Nicht jede Frau, die es gern tun möchte, bringt die körperlichen Voraussetzungen dafür mit. Hinzu käme, dass nicht auf allen Friedhöfen gleiche Bedingungen herrschen. "Unebenheiten, Enge und andere Faktoren wirken sich da aus. Das zu meistern, will gelernt sein." Das Interesse der Frauen am Beruf des Trauerredners ist laut Wilfried Jacob nicht neu. "Es gibt nur wenige Trauerredner und die meisten, die ich kenne sind weiblich." Prinzipiell mache es keinen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau eine Grabrede hält. Die Eigenschaften dafür könnten beide Geschlechter mitbringen, ist Jacob überzeugt. Die Zahl der Trauerrednerinnen sei übrigens schon vor geraumer Zeit sprunghaft angestiegen. Zuvor hätten dies ausschließlich Männer gemacht. "Bis vor zwanzig Jahren war das die absolute Ausnahme. Ich könnte mich nicht erinnern, das zuvor mal eine Frau gesprochen hätte".

 

"Dass nur Frauen Särge tragen, ist ein neuer Gedanke, aber allenfalls eine gute Geschäftsidee. Ich halte das in der Praxis nicht für umsetzbar", sagt Jürgen Katscher. Der Bestatter aus Mügeln beschäftigt zwar eine Frau, die hin und wieder mit anderen Männern gemeinsam Särge trägt. "Da die Menschen aber immer größer und schwerer werden, ist auch mehr Anstrengung notwendig, um sie auf ihrem letzten Weg zu transportieren", sagt Katscher. Bei Beerdigungen und Hausbesuchen im Trauerfall eine Frau dabei zu haben, sei vorteilhaft. "Viele Angehörige schätzen es, wenn Mitarbeiterinnen in dieser schweren Stunde an ihrer Seite sind." Weibliche Trauerredner werden laut Katscher sehr oft von den Hinterbliebenen gewünscht, er versucht darauf einzugehen. Ob Männer oder Frauen sprechen, obliege den Hinterbliebenen. Schließlich, so der Mügelner, entscheiden sich mehr und mehr Familien dafür, dass im kleinen Kreis Abschied genommen wird - dann sei nicht zwingend ein Redner notwendig.

 

Melanie Nöbel, geschäftsführende Gesellschafterin der Bestattungshaus Nöbel GmbH, hält nicht allein körperliche Voraussetzungen entscheidend für die Sargträger-Aufgabe. "Bestattungen sind Männerdomäne, in die vermehrt Frauen vordringen", sagt sie. Das sei auch gut so, denn das "zarte Geschlecht" sei einfühlsamer - auch als Redner.

Christian Kunze

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