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Oschatz Gratwanderung zwischen Pornografie und Satire
Region Oschatz Gratwanderung zwischen Pornografie und Satire
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17:25 04.04.2012

Wo hört Satire auf - und wo fängt Pornografie an? Der Auftritt der Punk-Band "Die Kassierer" am 10. März beim sogenannten Strukturwandelfestival im Oschatzer E-Werk bietet reichlich Stoff zur Diskussion über diese Frage.

Auf dem Internet-Videoportal Youtube hat ein Konzertbesucher unter dem Namen "EisteeMitOhneEis" einen Mitschnitt des Auftrittes von "Die Kassierer" am 10. März veröffentlicht. Bis gestern sahen über 500 Internetnutzer das Video, in dem zwei Bandmitglieder auf der E-Werk-Bühne ihre Genitalien entblößen und Geschlechtsverkehr simulieren. "Ganz großes Kino!!!", kommentiert ein Zuschauer namens "der-sachsenmatze" das Video, andere finden es einfach nur abstoßend.

"Die Kassierer" sind eine Punkband aus Bochum-Wattenscheid. Sie wurden 1985 gegründet und singen provokante und anstößige, aber auch politische Texte. Ihre Themen sind zum Beispiel Alkoholkonsum, Gewalt und Sexualität. Gegen mehrere ihrer Alben wurden Verbotsanträge gestellt, die aber alle abgewiesen wurden. Die Gerichte sahen die Texte als satirisch und ironisch und die Alben als Kunst an.

Das Konzert in Oschatz wurde nicht vom E-Werk, sondern vom Veranstalter Strukturwandelfestival organisiert. An diesem Abend kamen Busse voller Punkfans aus dem Ruhrgebiet nach Oschatz. "Das Konzert war komplett ausverkauft. Die Band ist total Kult", sagt Anja Kohlbach vom E-Werk.

Wolfgang Wendland (Wölfi), Sänger der Band, erklärt den anstößigen Teil des Konzertes in Oschatz auf OAZ-Anfrage so: "Nach längerer Diskussion kamen wir zu der Einsicht, dass eine Satire auf die zunehmende Sexualisierung, ja Pornosierung, unserer Gesellschaft nicht ohne Nacktheit auskommt." Der ganze Programmteil sei derart gestaltet, "dass man ein veritabler Idiot sein muss, um dies ernst zu nehmen". Im wirklichen Leben, so Wendland, "sind wir alle stets, bis auf wenige Ausnahmen - zum Beispiel unter der Dusche - bekleidet".

Skandalös empfindet Wendland nicht den Auftritt in Oschatz, sondern die urheberrechtswidrige Verbreitung des Videos auf Youtube. "Aber was soll man als einfacher Bürger gegen einen US-Großkonzern wie Google schon unternehmen", meint er.

-Standpunkt

Frank Hörügel

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