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Große Gefühle und atemberaubende Akustik am Oschatzer Mini-Meer

Große Gefühle und atemberaubende Akustik am Oschatzer Mini-Meer

Klaus W. Hoffmanns "Lied vom Anderssein", dass von Blaukarierten, Rotgefleckten und Buntgemischten erzählt, ist ein Hinweis, die einführenden Worte des Regisseurs ein weiterer: "Wer ohne Handicap ist, der hebe bitte die Hand", wendet sich Jürgen Hartmann-Bastl ans Publikum, noch ehe "Lissi und das Meer" beginnt.

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Neue Kulisse, verändertes Konzept - Theatre de Luna zeigt Poesie des Raumes am Rosensee. Fotos: Sven Bartsch

Quelle: Sven Bartsch

Oschatz. Poesie des Raumes, erstmals am Rosensee im O-Schatz-Park umgesetzt, beschäftigt sich mit dem Besonderen im Einheitsbrei - und stellt die Frage, wie wir damit umgehen, wenn jemand "anders" ist.

 

Anders, neu und besonders sind die Details in der Inszenierung. Wo sonst Lissi auf ihrem Fahrrad gleich zu Beginn in ihren Bann zieht, kommt diese Aufgabe der Trommelgruppe der Oschatzer Lebenshilfe zu. Das Theatre de Luna lässt Menschen mit sichtbaren und nicht sichtbaren Behinderungen sowie "normale" Akteure gemeinsam etwas gestalten. Diese Symbiose gelingt: Da trägt eine bunt gemischte Gruppe Matrosen je einen Kahn an einem Holzstab vor sich her. Das Steckenpferd wird zum Steckenschiff - jeder hat sein eigenes, ist seines Glückes Schmied, oder eben Kapitän auf der Fahrt durchs Leben.

 

Einige Minuten später erleben wir eine Rollstuhlfahrerin inmitten einer Tanzgruppe. Sie wirkt erst fehl am Platz, steht dann jedoch allein im Rampenlicht und beweist mit viel Selbstbewusstsein, dass man auch ohne Beine tanzen kann. Ein besonderer Kulissen-Kniff ist der Sandhügel am Seeufer, auf dem die Darsteller mal eben ausgelassen feiern, Berge erklimmen, Hürden überwinden oder schlicht den Blick zum Horizont genießen - je nachdem, welche Stimmung im Stück gerade herrscht.

 

Die Neuausrichtung des Theatre de Luna hat für Stammzuschauer als auch für jene, die zum ersten Mal zu Gast sind, ihren Reiz. Das markanteste Element ist die Entschleunigung in einer von Hektik geprägten Zeit. Wir sind gewohnt, zwischen dutzenden TV-Kanälen zu wechseln, Informationen häppchenweise aus dem Internet aufzunehmen und neigen dazu, vieles zu vergessen. Am Oschatzer Mini-Meer gehen wir auf eine Reise, die im Kontrast zu diesen Gewohnheiten steht: Minutenlange Bootsfahrten, dazu mystische Klänge, das sind Passagen, die unsere Aufmerksamkeit voll und ganz fordern.

 

"Das Meer beruhigt, weil es sich bewegt", ist ein Aphorismus, der in dieser Sommernacht auch dafür steht, dass unter der Oberfläche des Meeres und es Menschen etwas brodelt, das nicht zu sehen, aber stets zu spüren ist. "Lissi und das Meer" lotet Extreme aus, schwankt zwischen Komik und Melancholie, verursacht Lachtränen und Gänsehaut im raschen Wechsel. Wenn mitten im Stück die Stimmung kippt, dann sind die kurzen Pausen zwischen den Szenen genau richtig, um das eben Erlebte zu verarbeiten. Dabei helfen vor allem die für Bastls Inszenierungen typischen Comedy-Einlagen, in denen ein von Burnout geplagter Banker mit Lissi an der Cocktailbar flirtet oder ein Ehemann am Strand einfach nur seine Ruhe haben will - was aber dank der nörgelnden Ehefrau nicht möglich ist. Hier kehrt der Alltag in den Abend zurück.

 

Nicht im Drehbuch stehen die Auftritte etlicher tierischer Nebendarsteller - Fische, Vögel und Enten, die sich in den Vordergrund rücken - und damit zur Einmaligkeit des Erlebten beitragen. Die Alternative zum Lichtermeer zeigt den Rosensee, wie man ihn noch nie sah und lässt den Zuschauer belustigt, bedrückt und beeindruckt zurück, spricht seine gesamte Gefühlswelt an. Die Naturbühne bietet dafür den passenden weiten Raum und eine atemberaubende Akustik, die einen den Schlosspark in Lampertswalde nicht vermissen lassen.

 

Karten für die Aufführungen am 7. und 8. August in O-Park und Oschatz-Info.

Christian Kunze

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