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Günter Schmidt aus Collm überwintert in Costa Rica

Weltenbummler Günter Schmidt aus Collm überwintert in Costa Rica

Anita und Günter Schmidt aus Collm überwintern derzeit in Costa Rica. Dort bekommt es das Ehepaar mit hohen Wellen und vorwitzigen Krokodilen zu tun. Natürlich geht Schmidt auch im Winterquartier seiner Leidenschaft dem Marathon nach. Außerdem ist er auf der Suche nach einem Mitbringsel für die Kleine Gartenschau in Oschatz – was durchaus riskant werden könnte.

Besser Abstand halten: Vorne Schmidt, hinten eines der überhaupt nicht scheuen Krokodile.

Quelle: Anita Schmidt

Collm/Costa Rica. Darauf musste er zwei Jahre warten: Sind Günter und Anita Schmidt im Winter eigentlich immer, wirklich immer in wärmere Gefilde geflüchtet, hing das Ehepaar aus Collm zuletzt in der Heimat fest. Grund war Schmidts Ehrenamt als Schöffe am Leipziger Landgericht. „Wir hatten es mit einem besonders umfangreichen und kniffeligen Fall zu tun, der sich über Jahre hinzog“, blickt er zurück. „An monatelange Urlaube war da nicht zu denken.“

Diesen Winter haben es Schmidts wieder geschafft: Seit November sind sie in Costa Rica und damit sowohl der Kälte als auch dem Weihnachtstrubel entgangen. „Brauchen wir alles nicht“, kommentiert Schmidt. In Mittelamerika führt das Ehepaar ein recht beschauliches Rentnerleben – das hat der Collmer jedenfalls vorab angekündigt. Sein Bericht aus dem Süden liest sich dann doch etwas anders, das ging schon mit der Anreise los: „Nun sind wir schon wieder fast zwei Monate in Costa Rica und bisher gab es eigentlich nur ein Problem. Und das schon in Frankfurt. Beim Einchecken wurde uns mitgeteilt, dass wir ein Visum benötigen. Oder einen Nachweis über unsere Ausreise innerhalb von 90 Tagen. Das war schon immer so, nur hatte das bisher keinen Menschen interessiert“, beschreibt der Collmer. Da war guter Rat teuer. Ziemlich teuer sogar, denn Schmidts mussten einen Flug von San Jose nach Miami buchen, „nur so aus Spaß…“ Und hat es was genützt? Nicht wirklich. „Bei der Einreisekontrolle in San Jose hat sich kein Mensch für die Tickets interessiert“, empört sich Günter Schmidt.

Zum Glück war dann die Ankunft im Örtchen Cahuita recht entspannt. Dort sei eigentlich alles so wie vor drei Jahren. „Wir wohnen im gleichen Bungalow, im Baum davor sitzen die gleichen Affen, im Garten liegen die gleichen Krokodile.“ Nur seien die eben etwas größer geworden, noch größer. Und die Tiere könnten immer noch nicht lesen. Schließlich stehe überall geschrieben, dass sie zur Familie der Krokodilkaimane gehören und scheue Tiere sind. „Scheue Tiere?“ entgegnet Günter Schmidt und erzählt: „Eins hat mich durch den Garten gejagt, dass ich auf der Flucht die Latschen verloren habe. Einen Schuh hat es sich dann vorgenommen, und als ich mir Zahnabdrücke betrachtet habe, wurde mir bewusst: Eine Sekunde vorher war da noch mein Fuß!“

Und nun rücken die Tiere Anita und Günter Schmidt noch mehr auf die Pelle. Das Wetter ist schuld, genauer die stürmische See. „Seit zwei Wochen haben wir keinen Strand mehr. Das Meer spielt verrückt, schwappt bis in den Nationalpark. Und türmt vor der Mündung des Flusses, der durch unseren Garten fließt, Unmengen Sand auf. Das Ergebnis: Unser ganzer Garten steht unter Wasser, und die Krokodile liegen nachts fast vor der Haustür“, beschreibt der Senior im Winterquartier.

Zwischen Strandspaziergängen, Erntearbeiten im Garten und Machtkämpfen mit Krokodilen geht Schmidt in Costa Rica auch seiner Sportleidenschaft nach. Schon vor der Abreise hat er angekündigt, erneut am Marathon in der Hauptstadt San José teilnehmen zu wollen. Bei Ehefrau Anita ruft das mittlerweile nur noch ein Schulterzucken hervor. „Sie meint immer ’früher mussten wir dorthin reisen, wo anschließend ein Dia-Vortrag heraussprang, mittlerweile sind wir immer dahin unterwegs, wo ein Marathon stattfindet’“, weiß der Hobbyläufer. Jetzt konnte Schmidt immerhin zum zweiten Mal beim Costa Rica-Marathon starten. „Und habe meine Meisterleistung von 2012 wiederholt, wurde erneut nicht nur bester Deutscher, sondern auch wieder bester Europäer“, verkündet er – ganz entspannt bei einer Zeit unter fünf Stunden. Wer mehr darüber wissen möchte, auf dem Internetprotal www.runnersworld.de gibt es einen Laufbericht dazu.

Und wie haben Schmidts nun Weihnachten verbracht? „Weihnachten war auch“, bestätigt er. „Glaube ich. Viel gemerkt hat man davon nicht. Mit einer Ausnahme. Am 24. Dezember haben in unserem Ort die holländischen Besitzer eines Warenhauses Geschenke verteilt.“ Die Kinder seien dafür sogar mit Bussen aus der Umgebung gekommen. „Da war Anstellen beim Weihnachtsmann angesagt – stundenlang! Die Schlange war teilweise über hundert Meter lang. Wie ich später erfahren habe, haben 1200 Kinder Geschenkbeutel erhalten.“

Hat Schmidts E-Mails aus Costa Rica schon einmal mit dem Satz beschlossen: „Ich kann nicht weiter plaudern, ich muss wieder an den Strand“, wird der 63-Jährige im Winterquartier auch ein bisschen arbeiten müssen. Schließlich habe er eine wichtige Aufgabe übernommen: Die Oschatzer Stadtverwaltung hat den Collmer gebeten, im Rahmen der Kleinen Landesgartenschau im Juni dieses Jahres etwas über Tiere und Pflanzen im Garten in Costa Rica zu berichten. „Früher hat mich nicht besonders interessiert, was da so wächst“, gesteht Günter Schmidt. Nun wisse er bereits, was da unmittelbar vor dem Haus steht, ist ein Nonibaum. „Der Saft aus der Frucht ist in Deutschland sündhaft teuer. Hier fressen die Früchte nicht mal die Affen.“ So langsam macht sich der Collmer, der viele Jahre Süd- und Mittelamerika bereist hat, mit der landestypischen Flora vertraut. Außerdem esse er jetzt schon eine selbst geerntete Frucht mit Namen Seso vegetal. Nicht reife und überreife Früchte sind giftig, heißt es. „Gelingt es mir weiterhin, den Reifezustand der Frucht konkret einzuschätzen, dürfte die Oschatzer zur Kleinen Gartenschau vielleicht doch ein interessanter Vortrag erwarten. Wenn nicht, hat sich die Sache ohnehin erledigt…“

Von Jana Brechlin

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