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Oschatz Günter Schmidt schließt letzte Ehen zu Himmelfahrt in Collm
Region Oschatz Günter Schmidt schließt letzte Ehen zu Himmelfahrt in Collm
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00:18 26.05.2017
Günter Schmidt ist seit 1991 das Gesicht des Collmer Heiratsmarktes, in Zukunft will er selber mit dem Fahrrad auf Himmelfahrtspartie gehen. Quelle: Foto: Bärbel Schumann
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Collm

Für viele Paare war es der Probelauf für die „echte Ehe“, für andere ein Wetteinsatz, eine Liebeserklärung oder schlichtweg ein Himmelfahrtsgaudi: die Ein-Tages-Ehen zum Heiratsmarkt in Collm. 979 Ehen hat der Standesbeamte auf Zeit Günter Schmidt in den letzten 25 Jahren hier geschlossen – einige davon sogar immer wieder.

1991 hat der Weltenbummler erstmals an die alte Tradition angeknüpft und die Bushaltestelle auf dem Dorfplatz zum Standesamt erklärt. Gemeinsam mit dem Heimatverein war der Heiratsmarkt seitdem Jahr für Jahr eine Attraktion zu Himmelfahrt. Doch jetzt will Schmidt ernsthaft seinen schwarzen Zylinder an den Nagel hängen. „Ich mache Schluss“, ist er entschlossen. Mit der 1000. Hochzeit will der 65-jährige ehemalige Schlafwagenschaffner auch in die Standesbeamten-Rente gehen. Wer das Spektakel also noch einmal miterleben und sich vom Collmer Kuppler trauen lassen will, sollte am Donnerstag unbedingt das Bergdorf ansteuern.

Was nur treibt den rastlosen Rentner dazu, den schönen Job an den Nagel zu hängen? An der Arbeitsbelastung kann es nicht liegen, immerhin bringt Schmidt nur einmal im Jahr Heiratswillige unter die Haube. Und als passioniertem Marathonläufer dürfte ihm auch die Puste nicht so schnell ausgehen. Auch die Aufregung wird kaum der Grund dafür sein, denn der Collmer hat reichlich Routine, wie auch einige seiner „Klienten“ – ein Ehepaar aus Leipzig zum Beispiel heiratet dieses Jahr bereits zum 14. Mal. Hier wissen also alle, wie es geht. „Ich könnte jetzt genauso gut ein Bier trinken gehen, die beiden sind mittlerweile so geübt im Heiraten, die brauchen kaum noch einen Standesbeamten“, hat er bereits früher verlauten lassen.

Auch am mangelnden Erfolg wird es nicht liegen, dass Günter Schmidt das Kuppeln aufgeben will. 979 Hochzeiten und keine einzige Scheidung – welcher Standesbeamte kann schon auf so eine Bilanz zurückblicken? Dabei dürfte ihm zugute kommen, dass eine amtliche Trennung selbst bei Nichtgefallen gar nicht nötig wäre, denn nach 24 Stunden lösen sich die Himmelfahrts-Ehen im Nichts auf, so steht es jedenfalls im Kleingedruckten der Heiratsurkunden.

Nein, der Grund für das Ende der Schmidt’schen Ära ist ein ganz anderer: „Ich möchte endlich mal Himmelfahrt frei haben und den Tag so verbringen, wie es sich für normale Männer gehört. Ich habe ein Fahrrad – und eine Frau, die mir einen Männertagsausflug erlaubt“, verrät er. Für seinen Abgang von der Hochzeitsbühne hat sich der 65-Jährige auch schon etwas ganz Besonderes erlebt: Der soll mit der 1000. Hochzeit im kommenden Jahr stattfinden. Heißt, Schmidt traut am Donnerstag noch das 999. Paar, macht 2018 zur Eröffnung des Heiratsmarktes dann die 1000 voll, steigt anschließend auf sein Fahrrad und radelt in den Himmelfahrtstag.

Wer die Gelegenheit nutzen will, sich vom „Kuppler vom Collm“ trauen zu lassen, kann sich noch dafür anmelden. Eröffnet wird der Heiratsmarkt am Donnerstag um 11 Uhr mit der 980. Eheschließung, als Gebühr werden pro Kilogramm Gewicht fünf Cent fällig. Um 13 Uhr wird das schönste Himmelfahrtsgefährt gekürt.

Anmeldungen unter Telefon 03435 926319 oder E-Mail schmidt_dia@web.de

Von Jana Brechlin

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