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Oschatz Hälfte der Handwerksbetriebe braucht neuen Chef
Region Oschatz Hälfte der Handwerksbetriebe braucht neuen Chef
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07:00 12.09.2018
Bei Veranstaltungen wie hier im Berufsschulzentrum Böhlen sucht die Kreishandwerkerschaft nach Nachwuchs. Quelle: Julia Tonne
Landkreis Leipzig

Wer sich mit einem Handwerksbetrieb selbstständig machen will, hat derzeit besonders gute Chancen. Darauf macht Ingo Schöne, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Landkreis Leipzig/Nordsachsen, aufmerksam. Noch nie in den letzten drei Jahrzehnten waren so viele Inhaber von Handwerksbetrieben auf der Suche nach einem Nachfolger. „In mindestens 50 Prozent aller Betriebe steht in den nächsten acht bis zehn Jahren ein Wechsel an.“

Generationenwechsel in Unternehmen noch nicht beendet

Immerhin haben die meisten Firmenchefs nach Wende und Wiedervereinigung begonnen, sich selbstständig zu machen. Es waren die Jahre der Neu- und Wiedergründungen nach den Zeiten, als privates Unternehmertum eher bekämpft und behindert wurde. „Viele waren damals Mitte 30 und sind noch einmal richtig durchgestartet“, so Schöne. Begünstigt wurde das seinerzeit auch durch den Umstand, dass das Arbeitsamt die Meisterausbildung finanzierte.

Mittlerweile sind die Jung-Unternehmer von damals in die Jahre gekommen und suchen nach Nachfolgern. Branchenunabhängig, wie der Hauptgeschäftsführer betont. Ob Tischler oder Bäcker, das Nachfolgeproblem stellt sich in sämtlichen 17 Innungen der Kreishandwerkerschaft mit etwa 380 Betrieben.

Handwerksberuf bietet Risiko und Chance

Ingo Schöne, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Landkreis Leipzig/Nordsachsen . Quelle: LVZ

In etwa einem Viertel aller Unternehmen ist der Generationenwechsel bereits erfolgt. Schöne: „Ich kann junge Leute nur dazu animieren, sich zum Meister fortzubilden.“ Generell sei es gut, wenn sich mehr Leute wieder für einen Handwerksberuf erwärmen könnten. Der sei kein Zuckerschlecken, wohl aber in einer Mischung aus körperlicher und geistiger Arbeit eine lohnenswerte Herausforderung, um auf eigenen Füßen zu stehen, lange Arbeitszeiten und ein höheres Risiko inclusive. Ein selbstständiger Unternehmer sei aber sein eigener Herr, müsse nicht mit einer Kündigung rechnen und könne sein Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Marktsituation so gut wie Anfang der 90er-Jahre

Hinzu komme, dass die Erfolgsaussichten, als Handwerksbetrieb am Markt zu bestehen, gegenwärtig so gut sind wie lange nicht. Ein Folge des demografischen Wandels, weil die Schere zwischen Angebot, also vorhandenen Betrieben, und Nachfrage, also den Kundenwünschen, immer weiter auseinandergeht. Ingo Schöne: „Heute sind die Zeiten für Handwerksbetriebe ähnlich gut wie Anfang der 90er-Jahre.“

Bis zu 150 neue Arbeitsplätze im Baugewerbe jährlich

Die Kreishandwerkerschaft selbst geht in die Offensive bei der Werbung von Nachwuchs, seit Jahren schon bei der alljährlichen Berufsorientierungsmesse im Berufsschulzentrum Böhlen im November. Eine Veranstaltung, bei der der potenzielle Firmennachwuchs Gelegenheit bekommt, in künftige Berufe hineinzuschnuppern. Auch sinnlich wahrnehmbar, wenn die jungen Leute etwa bestimmte Werkstoffe und Werkzeuge in die Hand nehmen können. Denn der Bedarf in den beiden Landkreisen Leipzig und Nordsachsen ist groß. „Allein im Baugewerbe könnten wir jedes Jahr 100 bis 150 neue Arbeitsplätze besetzen.“

Ein Ziel, das aber auch an der Einsatzbereitschaft des Nachwuchses scheitert. Ein Drittel kommt nicht durch die Gesellenprüfung oder schafft es gar nicht erst bis dorthin, und das hat nach Überzeugung von Hauptgeschäftsführer Schöne auch damit zu tun, dass klassische Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit oder die Fähigkeit, acht Stunden am Stück durchzuarbeiten, oftmals nur mäßig ausgeprägt sind. Ganz abgesehen davon, dass der erfolgreiche Abschuss einer Ausbildung etwa im Bereich Heizung/Sanitär mit einem schlechtem Schulzeugnis von vornherein aussichtslos ist.

Handwerksbetriebe in Region Leipzig rückläufig

Die Zahl der Betriebsstätten im Handwerk in Sachsen ist aktuell rückläufig. Der Trend wird sich noch weiter verstärken. Im Landkreis Leipzig waren zu Beginn des letzten Jahres 3869 Betriebe registriert. Zwölf Monate später waren es nur noch 3784. Dabei sind sowohl erlaubnispflichtige Berufe im Handwerk, freie Handwerksberufe und handwerksähnliche Tätigkeiten zusammengefasst.

Von Nikos Natsidis

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