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Oschatz Harte Fakten zu weichen Matratzen
Region Oschatz Harte Fakten zu weichen Matratzen
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17:42 18.05.2014
Frankenstolz-Niederlassungsleiter Andreas Puchinger (rechts, vorn) erklärt den Besuchern die Produktionsabläufe im neuen Oschatzer Werk. Quelle: Dirk Hunger

Ein Ziel auf der Runde war die Matratzenfabrik Frankenstolz am Wellerswalder Weg, wo die Radler durch die neue Produktionshalle geführt wurden.

Werden hier montags bis freitags weiche, bequeme Schlafunterlagen hergestellt, interessierten sich viele Besucher für harte Fakten: "Stimmt es, dass hier nur noch Leute aus Polen arbeiten?" oder "Wie halten Sie es mit dem Mindestlohn?", wollten die Oschatzer wissen. Und Niederlassungsleiter Andreas Puchinger sowie René Ritz, Geschäftsführer der Bader-Kara-Gruppe, die sich um das Personal für das Unternehmen kümmert, gaben bereitwillig Auskunft.

Er wisse um die Gerüchte, ging Puchinger in die Offensive. "Fakt ist, wir haben am Standort Oschatz derzeit 374 Mitarbeiter, etwa 100 davon sind Beschäftigte aus Polen. Wir wollen weiter wachsen und noch mehr Leute einstellen und möchten dafür bevorzugt auf Bewerber aus der Region zurückgreifen, aber es gibt hier kaum Näherinnen", erklärte er. Selbst im Werk ausgebildete Näherinnen würden lieber schnell in die Bekleidungsbranche wechseln.

Im Nachbarland gebe es dagegen reichlich Fachkräfte, weiß René Ritz, die man für langfristige Arbeitsverträge in Deutschland gewinnen könne. "Die Leute sind alle in Deutschland sozial- und krankenversichert und geben hier ihr Geld aus. Wir arbeiten mit den Wohnstätten und Krankenkassen zusammen, damit die Beschäftigten schnell integriert werden", so Ritz.

Die Konkurrenz in der Branche lasse einen Großteil ihrer Ware im Ausland produzieren. "Wir dagegen lassen komplett in Deutschland fertigen", so der Oschatzer Niederlassungsleiter Andreas Puchinger. Mit Näher-Löhnen von 1,14 Euro pro Stunde wie etwa in Rumänien üblich habe die Arbeit vor Ort nichts zu tun. Hier bekommt ein Näher oder Stepper etwa siebenmal so viel, Fachleute liegen darüber. Und davon würden auch künftig jede Menge gebraucht, denn auch am Standort Oschatz wolle man wachsen, kündigte Puchinger an.

In den beiden Werkshallen am Wellerswalder Weg werden Rollmatratzen produziert, weiter aufgearbeitet - wobei Begriffe wie aufbacken und einschäumen fallen, geklebt, geschnitten und anschließend in die hier genähten Bezüge eingepasst. Eine Klebestraße geht Ende des Monats in Betrieb, in speziellen Schneidanlagen bekommen die Quader ihre besonderen Formen, damit sich später die müden Besitzer über Nacht auf ihren Matratzen erholen können.

Neben meterhoch aufgestapelten Matratzenrohlingen beeindruckten vor allem die langen Fertigungsanlagen die Besucher der Radtour. Und Oberbürgermeister Andreas Kretschmar sah sich bestätigt, dass es richtig war, diese Fläche in den 90er Jahren zum Industriegebiet zu entwickeln. "Zwischendurch gab es Vorstellungen, an dieser Stelle einen Solarpark aufzubauen. Aber wir wollten, dass hier Industrie angesiedelt wird, die Arbeitsplätze schafft - und das ist aufgegangen", sagte er. Jana Brechlin

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Brechlin, Jana

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