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Harte Vorwürfe - milder Richterspruch

Harte Vorwürfe - milder Richterspruch

Eine junge Frau rastete aus, schlug mit ihrer Handtasche auf ihren Exfreund ein. Doch damit nicht genug. Die aufgebrachte Frau packte ihre vermeintliche Nebenbuhlerin am Pferdeschwanz, schüttelte deren Kopf vor und zurück.

Die so Angegriffene ging zu Boden und die Eifersüchtige trat ihr gegen den Oberschenkel.

 

Klingt alles wie eine Geschichte aus dem "Pack-schlägt-sich-Pack-verträgt-sich-Millieu". Stellte sich gestern vor Strafrichter René Stitterich am Amtsgericht Döbeln völlig anders dar. Auf der Anklagebank saß Franziska K., eine attraktive junge Frau, berufstätig obendrein und nicht vorbestraft. "Es tut mir alles leid", sagte sie und gestand die Tatvorwürfe. "Ich war betrunken und übertrieben eifersüchtig." Sie dachte, ihr Ex-Freund Patrick T. würde mit einer anderen nach Hause gehen, die er an diesem Tanzabend im Harthaer Schwan kennengelernt hatte. Dann zeigte sie ihre Handtasche vor. Schließlich braucht es "gefährliches Werkzeug" um den Tatbestand der "gefährlichen Körperverletzung zu erfüllen, wegen dem die 28-Jährige vorm Kadi stand. "Das ist ja ein wirklich gefährliches Werkzeug", würdigte Richter Stitterich das Täschchen, dass Franziska K. vorzeigte, mit einer deutlichen Spur Ironie.

 

Die Geschädigte bestritt im Zeugenstand, damals die neue Freundin von Patrick T. gewesen zu sein, sah sich damals grundlos angegriffen. Durch den Fußtritt erlitt sie ein Hämatom am Oberschenkel. Und außerdem ein Schleudertrauma, weil die Angeklagte Jennys Kopf vor und zurückwarf. Zwei Wochen nach dem Vorfall bat sie die Angeklagte um Verzeihung und hat ihr zudem über 1600 Euro Schmerzensgeld gezahlt.

 

Patrick T., der den vermeintlichen Anlass für das Eifersuchtsdrama bot, hatte durch den Hieb mit der Handtasche lediglich Nasenbluten. Nachdem sich Richter Stitterich das alles angehört hatte, wertete er den Vorfall nicht mehr als gefährliche, sondern nur noch als einfache Körperverletzung. "Es schein ein einmaliger Ausrutscher gewesen zu sein. Ich könnte hier in Richtung 153a denken", sagte er zu Staatsanwalt Sascha Gruschwitz. Für Nicht-Juristen: Paragraf 153a sieht vor, bei geringer Schuld von Angeklagten das Strafverfahren einzustellen, wenn er oder sie eine Geldauflage zahlt. Staatsanwalt Gruschwitz hatte nichts dagegen, den Prozess auf diese milde Weise zu beenden. So muss Franziska K. jetzt 400 Euro an den Betreuungsverein Oschatz, also eine gemeinnützige Vereinigung zahlen. Normalerweise hätte sie dafür ein halbes Jahr Zeit. Aber sie will offenbar so schnell wie möglich mit der peinlichen Geschichte abschließen. "Sofort" könne sie bezahlen, sagte sie auf die Frage, bis wann sie die Geldauflage zu zahlen gedenke.

 

Franziska K.'s Vorstrafenregister bleibt mit dieser richterlichen Entscheidung blütenweiß. Weil sie nicht verurteilt wurde, gilt sie weiterhin als unschuldig.

Dirk Wurzel

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