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Haufenweise Arbeit in Oschatz mit Gartenschnipseln und Stasi-Spitzeln

Achtung, Satire! Haufenweise Arbeit in Oschatz mit Gartenschnipseln und Stasi-Spitzeln

Der Trend geht zur Transparenz, in Garten, Wald und der eigenen Vergangenheit. Die Oschatzer wollen endlich mehr wissen über den Nährwert ihres Bodens, Bäume die zu Boden fallen und dem was auf dem Boden der Stasi einst in Akten über sie geschrieben wurde. Da haben alle in diesen Bereichen Tätigen nun haufenweise Arbeit.

In diesen Säcken schlummern geschnipselte Stasi-Akten. Mancher nutzt solche Säcke auch für das Sammeln von Gartenabfällen. Arbeit macht beides.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Region. Nostalgie in Oschatz: Um etwas zu bekommen, mussten Anfang der Woche zahlreiche Bürger anstehen. Jedoch gab es im E-Werk keine Südfrüchte, wie sie zu DDR-Zeiten für lange Schlangen sorgten, sondern Anträge auf Einsicht in die Akten der Staatssicherheit des SED-Regimes. Wer hätte gedacht, dass er nach fast 30 Jahren erneut gern auf etwas wartet, was selten zu haben ist?

Selten zu haben sind auch Auskünfte über die gefällten und neu gepflanzten Bäume im Stadtgebiet. Grünen-Stadträtin Uta Schmidt fordert deshalb mehr Transparenz zur Arbeit der Stadtgärtnerei. Merke: Auch Jahre nach dem Mauerfall ist hierzulande das Interesse an Akten groß, die normalerweise keinem so einfach zugänglich sind. Wer im heimischen Garten selbst Grünpflanzen verschneidet und den Abfall kompostiert, wendet die drei Haufen-Methode an, um guten Dünger zu bekommen. Der Hobbygärtner unterscheidet sich also gar nicht so sehr vom Mitarbeiter in der Stasi-Unterlagenbehörde. Denn auch dort werden jetzt haufenweisen Anträge und Akten gewälzt, es wird Altes, Verrottetes, schon beinahe Vergessenes von ganz unten wieder nach oben ans Licht geholt. Fraglich ist nur, ob die Hinterlassenschaften von „Horch und Guck“ so viel Mehrwert haben wie gammeligen Gartenabfälle.

Wahrscheinlich war der Ansturm auf die Ausspäh-Ausstellung nur so groß, weil zahlreiche Einwohner der Region demselben Missverständnis aufgelegen sind. Sie fanden auf dem Küchentisch eine Notiz in Großbuchstaben. „BIN IM KELLER“ stand da – was jedoch keine späte Beichte eines IM (Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi) ist, sondern ein Hinweis, dass sich ein Mitbewohner im untersten Stock des Hauses befindet.

Von Christian Kunze

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