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Oschatz Haussegen hängt schief
Region Oschatz Haussegen hängt schief
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17:30 26.10.2012
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Ja, ja, Sie haben schon Recht, jeder Vergleich hinkt. Aber etwas Wahres ist immer dran. Ich wohne in Sachsen, in einer Kleinstadt mit gut 15 000 Einwohnern. Mir gefällt es hier, zumal der Name der Stadt sehr viel versprechend ist - Oschatz! Wer hat schon einen solchen liebenswerten Namen?

Aber wie das so ist, jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten.

In der Gastronomie hängt nämlich der Haussegen schief - mehr als schief. Eine Stadt wie Oschatz, die sich zudem noch Große Kreisstadt nennt, kann darauf verweisen, dass in ihren Mauern in den zurückliegenden Jahren an einem Sonnabend im Mai, die sogenannte Kneipennacht, also das Fest der Kneipen, stattfand. In diesem Jahr ging die Sache allerdings den Bach runter. Nicht mal mehr als eine Hand voll Lokale beteiligten sich daran. Also - die Sache ist beerdigt.

Das ist jedoch nur die Spitze des Eisberges. Aus dem Kneipenfest hat sich eine handfeste Epidemie, die Kneipenpest, entwickelt. In diesem Jahr (Herbst 2012) haben bisher drei Gaststätten dicht gemacht. Optimisten sind der Meinung, dass es bis Jahresende nur noch höchstens zwei sein werden, die dicht machen, obwohl weitere zwei auf dem Zahnfleisch dahin siechen.

Dabei hat Oschatz gastronomisch doch eigentlich etwas Außergewöhnliches zu bieten. Am Neumarkt lädt angeblich eine der ältesten Gaststätten Sachsens "Zum Schwan" ein. Hotel inklusive! Aber der " Schwan" ist flügellahm. Das Restaurant ist ja fast mehr geschlossen als geöffnet. Auch Silvester, obwohl es die Räumlichkeiten hergeben, ist hier tote Hose. Hotel inklusive! Die einst dabei waren, erinnern sich noch gern an die rauschende Ballnacht zur Jahrtausendwende. Der Schwan war gerade wieder zu neuem Leben erwacht. Das waren noch Zeiten. Lang, lang ist`s her.

Ja, und dann ist da noch die Stadthalle am Altmarkt, bekannt als "Thomas-Müntzer-Haus". In grauer Vorzeit hieß der Vorzeigetempel "Zum goldenen Löwen". Angeblich kehrte hier seinerzeit auch mal Geheimrat Goethe ein. Dieser Glanz ist leider auch inzwischen mehr als nur verblichen, denn die Oschatzer Einwohner haben mit dem "Müntzer", wie das Haus im Volksmund immer noch genannt wird, offenbar nichts mehr im Sinn.

Bereits Mitte Oktober, also zweieinhalb Monate vor Silvester, warfen nämlich die Verantwortlichen der Freizeitstätten GmbH der Stadt das Handtuch. Die geplante Party zum Jahreswechsel wurde ersatzlos gestrichen. Kein Bedarf - sagen sie. Kein Niveau, meinen die Einwohner.

Da fällt mir doch der eingangs erwähne Vergleich ein, der ja gar nicht so stark hinkt. Unsere Kleinstadt ist zwar nur halb so groß wie der Zentralfriedhof von Chicago, aber dafür gastronomisch doppelt so tot.

maba

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