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Hechtbestände im Raum Oschatz gehen leicht zurück

"Fisch des Jahres" Hechtbestände im Raum Oschatz gehen leicht zurück

Der Hecht ist der bekannteste heimische Raubfisch – und der Fisch des Jahres 2016 – darauf einigten sich der Deutsche Angelfischerverband, das Bundesamt für Naturschutz, der Verband Deutscher Sporttaucher, und das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz.

Gestatten: Der Fisch des Jahres 2016. Zahlreiche Hechte wurden auch beim diesjährigen Horstseefischen wieder aus dem Wasser gezogen. Natürliche Feinde hat der Räuber keine - die größte Bedrohung geht vom Menschen aus.

Quelle: Dirk Hunger

Region Oschatz. Wenn Ufer und Auen renaturiert oder erhalten werden, dienen sie dem Hecht als Rückzugsraum und Laichplatz. Doch beides ist durch Trockenlegungen, Bau und Uferbegradigungen zunehmend bedroht, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Verbände. "Der Hecht ist beispielgebend für jene Fischarten, die zur Fortpflanzung auf intakte Ufer und Auenbereiche entlang der Gewässer angewiesen sind. Nur wenn solche naturnahen Lebensräume erhalten bleiben oder wiederhergestellt werden, können die Bestände des Hechtes und weiterer Arten in unseren Flüssen erhalten werden", mahnt die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Professor Beate Jesse. Der Hechtbestand in Deutschland sei also durch den Menschen bedroht.

Lothar Jachmann, Mitglied im Vorstand des Angelvereins Oschatz, sieht für die Zukunft des Hechts in den Gewässern in und um Oschatz nicht allzu schwarz. "Der Bestand geht leicht zurück. Aber es gibt noch genügend Kiesgruben und ehemalige Tagebaue, in denen sich der Fisch sehr wohl fühlt und keinesfalls bedroht ist", schätzt der Raubfisch-Experte ein. Der 63-Jährige ist seit vier Jahrzehnten passionierter Angler, neben den heimischen Gewässern zieht es ihn immer wieder nach Norwegen zum Sportangeln. "Mir sind die Seefische einfach lieber", sagt er mit Blick auf den späteren Verzehr der Tiere. "Denn die haben nun mal weniger Gräten". Etwas verbindet ihn allerdings bis heute mit dem Hecht. "Ich hatte mal ein echtes Prachtexemplar am Haken. Das war in Luppa und ist schon an die zehn Jahre oder noch länger her", erinnert er sich. Der Fisch maß 1,11 Meter - und landete recht bald im Kochtopf. Den Kopf des Tieres hat Jachmann allerdings behalten und präparieren lassen - noch heute hängt er als Trophäe an der Wand in Jachmanns Garage, berichtet der Senior stolz.

"Der Hecht im Karpfenteich" ist übrigens mehr als eine bloße Redewendung. Das Sinnbild für besonders dominantes Verhalten des Einzelnen in einer, meist aus männlichen Mitgliedern bestehenden Gruppe, rührt daher: Der Hecht nimmt durch sein Aussehen und seine Größe eine Sonderstellung ein - wie so mancher Mensch mit besonderen Eigenarten. Der Hecht im Karpfenteich ist ein in der Fischwirtschaft übliches Mittel, die trägen Karpfen in Bewegung zu halten, damit sie Muskelfleisch entwickeln. Obwohl die Wendung wahrscheinlich schon älter ist, kann sie erst für das späte 18. Jahrhundert belegt werden. Besonders im 19. Jahrhundert wurde sie in der politischen Satire und Karikaturen gebraucht, auf verschiedene Herrscherfiguren wie Napoleon oder Bismarck angewendet und vor allem bildlich umgesetzt.

Erfolgreiche Renaturierungsmaßnahmen zeigen, dass es gelingen kann, nicht nur dem Hecht, sondern auch zahlreichen anderen Tier- und Pflanzenarten wieder neuen Lebensraum zu geben. "Besatzmaßnahmen durch Angelfischer und Vereine sind auf Dauer keine Lösung. Aber sie helfen bei der Bestandsentwicklung in beeinträchtigten Gewässern", sagt Frank Schneider, Vorsitzender des Vereins Angelfreunde Oschatz. Die Oschatzer Angler tragen ihren Teil dazu bei, schätzt er ein. "Angeln ist längst keine Nische mehr. Allein unser Verein hat über 100 Mitglieder, und es gibt in Oschatz noch drei weitere Anglervereine", sagt er und setzt augenzwinkernd hinzu: "Angeln kommt gleich nach Fußball." Der größte Hecht, den er je am Haken hatte, sei keine Schlagzeile wert. "Der hatte nur gut 80 Zentimeter."

Christian Kunze

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