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Oschatz Heimatforscher Michael bringt Chronik von Bürgermeister Sieblist ans Licht
Region Oschatz Heimatforscher Michael bringt Chronik von Bürgermeister Sieblist ans Licht
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11:56 19.05.2015

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Von Gabi Liebegall

Horst fiel als Gefreiter am 13. März 1945, nachdem sein älterer Bruder Konstantin bereits im August 1943 in Russland sein Leben verloren hatte. "Mit unseren Jungen ist auch unser Leben vor dem Tode beendet", schrieb Sieblist in seiner Biografie.

Konrad Sieblist, der vom 1. August 1914 bis 1939 Bürgermeister der Stadt Oschatz war, erlebte in seiner Amtszeit bereits den Ersten Weltkrieg und bekam hautnah mit, was die damals 11 000 Einwohner der Stadt in diesen fünf Jahren durchgemacht haben. Der Oschatzer Heimatforscher Wolfgang Michael hat die Kriegschronik von Sieblist aufgearbeitet und am Mittwochabend im Thomas-Müntzer-Haus öffentlich vorgestellt. Sieblist - Nachfolger des bekannten Bürgermeisters Robert Härtwig - wurde am 23. April 1880 in Konstantinopel (heute Istanbul) geboren und starb 1969 in Dresden.

Wolfgang Michael überzeugte mit seinen recherchierten Aufzeichnungen und fesselte die 20 Zuhörer mit Zahlen, Fakten und Zusammenhängen. Die Dokumente, die Michael mit dem Beamer an die Leinwand beamte, zeigten unter anderem, dass das Papier für die Kriegserklärung Anfang August 1914 bereits vorbereitet war. "Mit Bleistift wurde dann das Datum 2. August eingetragen."

Die Mobilmachung galt nicht nur für das Militär, sondern auch für die Pferde. "Von 131 Pferden wurden nur 83 als kriegstauglich erklärt." Am 3. August 1914 hätten die Ulanen unter Beifallsrufen die Stadt Oschatz verlassen.

In den Krieg zogen auch Oschatzer Primaner. Zuvor legten sie am 20. August 1914 ein Not-Examen ab.

Einen Tag später gab es die sogenannte Verlustliste, eine Tafel, auf der die Namen der Kriegsopfer aufgezeichnet wurden. Das erste Oschatzer Kriegsopfer war der Schmiedegeselle Eduard Bruno Knof. Zu Lazaretten wurden die beiden großen Gebäude in der Dresdener Straße, später sowjetische Garnison, und das Haus in der Seminarstraße, das jetzt abgerissen wurde.

Da die Männer an der Front kämpften, übernahmen die Frauen die wichtigsten Aufgaben. Sie strickten zum Beispiel Militärsocken und bekamen eine Mark pro Paar.

"Ab 1915 gab es nur noch schlechte Nachrichten", schreibt Sieblist. Das große Sparen sei losgegangen. "Es gab kein Kleingeld, Brot musste mit verschiedenen anderen Zutaten gebacken werden, Stroh und Heu galt es ebenfalls zu sparen. Und auf 8800 Quadratmetern baute die Stadt Kartoffeln an. "Oschatz brauchte Geld und führte eine Steuer für Unverheiratete ein", hat Michael recherchiert. Nahrungsmittel wurden knapp, und es gab für alles mögliche Bezugskarten. Ein Achtel Stück Butter musste für eine Woche reichen.

Im Jahr 1916 war Oschatz dank Sparsamkeit und Steuern relativ schnell wieder auf den Beinen. Bezüglich der Kriegstoten gehen die Zahlen auseinander. Bei Sieblist sind es 248. "Am Ehrenmal stehen aber 346 Namen, die Ulanen nicht mitgezählt", so Michael.

Die gesamte Chronik liegt als 312-seitige Word-Datei im Oschatzer Archiv zur Einsicht.

Gabi Liebegall

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