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Oschatz Heimatgeschichte: Baby Edamer für delikate Preise in Delikatgeschäften verkauft
Region Oschatz Heimatgeschichte: Baby Edamer für delikate Preise in Delikatgeschäften verkauft
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15:58 28.04.2014
Eines von vier neuen Milchtankfahrzeugen, die 1976 für die Molkereigenossenschaft Mügeln unterwegs waren. Repro: Siegfried Tietze Quelle: Privat

Im Ergebnis dieser Konferenz erfolgte am 1. Januar 1968 der Zusammenschluss zur VdgB Molkereigenossenschaft e. G. Oschatz mit den Teilbetrieben Oschatz, Mügeln und Dahlen. Zum Direktor wurde der Betriebsleiter der Oschatzer Molkerei Egon Ritter berufen, später wurde er von Heinz Klose abgelöst. Mit dem Zusammenschluss wurde auch ein neuer großer Vorstand, aus den Einzugsgebieten Oschatz, Mügeln und Dahlen gewählt. Viele Mügelner Vorstandsmitglieder wählte man wieder in den neuen Vorstand. Im Jahre 1978 wurde Kurt Dornau zum Direktor berufen, er war gleichzeitig auch noch Betriebsleiter der Molkerei Mügeln. Mit dem Zusammenschluss wurde eine Spezialisierung dieser Betriebe eingeleitet.

Mügeln profilierte sich zum Käsewerk, Dahlen zum Butterwerk und Oschatz zum Frischwarenbetrieb. Somit stieg die Produktion bei Käse von jährlich 153 Tonnen auf 2000 Tonnen und die Butterproduktion von 581 Tonnen auf 4950 Tonnen. Hier das Sortiment der Betriebe: Molkerei Oschatz - Trinkvollmilch, Schlagsahne, Saure Sahne, Kakaomilch, Trinkjoghurt, Milchmischgetränke. Molkerei Mügeln - Camembert-Käse in verschiedenen Fettstufen, Sauermilchquark, Edamer hochfein, Baby Edamer. Molkerei Dahlen - Butter in verschiedenen Fettstufen, Land- und Kräuterbutter.

In der Molkerei Mügeln lief bis 1974 noch der große Butterfertiger, dann wurde die Butterproduktion nach Dahlen verlagert. In den Mügelner Butterraum wurde eine neue selbst reinigende Zentrifuge eingebaut. Die Sahne wurde seitdem per Tankfahrzeug nach Dahlen gebracht.

In den Jahren 1971 bis 1975 hat sich die Milchleistung pro Kuh im Jahr, bei 3,5 Prozent Fett, im Einzugsgebiet der Molkerei Mügeln wie folgt entwickelt: 1971: 3619 Kilogramm (kg), 1972: 3663 kg, 1973: 3710 kg, 1974: 3763 kg, 1975: 3821 kg. Im Jahre 1989 wurden im Kreis Oschatz 13 852 Kühe gehalten, sie erzeugten 58 955 Tonnen Milch. Das entspricht einer Leistung von 4256 kg Milch pro Kuh im Jahr.

Aufgrund der günstigen Lage von Mügeln zu den drei Bezirken in Sachsen, sollte hier ein neues Käsewerk Schnittkäse produzieren. Dazu wurden zwei Grundstücke von Tschoppe und Eitner käuflich erworben. Der ursprüngliche Getreidespeicher der Firma Hanisch, später Tzschoppe, wurde abgerissen und auf diesen Grundstücken das neue Werk errichtet. Auf dem Grundstück von Eitner wurden zwei neue Tiefbrunnen gebohrt, die für ausreichend Wasser sorgten. Inzwischen verfügte der Betrieb schon über ein neues Kesselhaus. Ursprünglich sollte auch die Varia mit Dampf aus der Molkerei versorgt werden.

In Abstimmung mit der Vereinigung für die Lenkung der milchverarbeitenden Industrie im Bezirk Leipzig entschied sich die Geschäftsleitung mit dem Vorstand für eine Käsesorte, die abgepackt, als Kleinstkäse, mit einem Stückgewicht von 500 Gramm, auf den Markt kommen sollte. 1973 wurde mit der Projektierung, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Milchwirtschaft der DDR, begonnen. Die Ausrüstung für diese Technologie wurde hauptsächlich aus Ungarn importiert. Zur Komplettierung der Baumaßnahmen wurden 1974 an der Westseite eine Kartonagenhalle und 1975 eine große Reifehalle aus Alu-Teilen und in Verbindung zum Käsewerk eine Manipulationshalle errichtet. Das Baumaterial für die Reifehalle wurde aus Ungarn geliefert und von zwei Spezialisten aus diesem Land aufgebaut. Übernachtet haben die beiden Männer während der Bauphase im "Gasthof Striegler" in Mügeln. Da es aber oft Verständigungsprobleme mit den beiden Ungarn gab, übersetzte Anton Meier aus Mügeln. Er war in Ungarn geboren und beherrschte die Sprache.

Außerdem kamen zu diesem Bau 1975 eine Elektrowerkstatt und 1976 noch eine Kältestation mit einer Eiswasserhalle dazu. Die Transporte der Erzeugnisse im neuen Käsewerk erfolgten mit Gabelstaplern. Folglich errichtete man auch eine neue Ladestation und baute dort ein Notstromaggregat für eventuelle Notfälle mit ein.

Am 7. Oktober 1975 konnte die neue Produktionsstätte zur Herstellung von "Mügelner Baby Edamer" ihrer Bestimmung übergeben werden. Mit dem neu entwickelten Käse sollte ursprünglich das Käseangebot in der DDR erweitert werden. Da ja fast alle Lebensmittel in der DDR staatlich gestützt wurden, war man auch bei der Preiskalkulation davon ausgegangen. Es kam aber anders. 1975 eröffnete der Handel die ersten Delikatgeschäfte, und der "Mügelner Baby Edamer" wurde zum Verkauf in diesen Läden mit einem "Delikatpreis" vom Ministerium bestätigt. Nun wurden alle Delikatgeschäfte der DDR, bis auf die in den drei Nordbezirken, mit dem "Mügelner Baby Edamerkäse" beliefert. Später wurde in dem Mügelner Käsewerk die Produktion von "Edamer" und "Edamer - hochfein", im Drei-Kilogramm-Block, aufgenommen. Eine weitere Spezialität, der Mügelner Baby Edamer "Piccolo", mit einem Stückgewicht von 250 Gramm ging nun auch in Produktion. Mit diesen Käsesortimenten hatte die VdgB Molkereigenossenschaft Mügeln einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Die 135 Beschäftigten der Molkerei Mügeln verarbeiteten nun im Käsewerk täglich 100 000 Liter Milch und produzierten jährlich 2000 Tonnen Schnittkäse und 400 Tonnen Camembert.

Vom Ministerium für Außenhandel der DDR wurden noch 2,5 Millionen Valuta-Mark für die Erweiterung der Piccolo-Käse-Produktion bereitgestellt. Die Technologie dafür baute die Firma Waldner aus der BRD ein, sie kam aber nicht mehr vollständig zum Einsatz. Erste Versuche wurden gefahren, dann kam die Wende und später das Aus für das Käsewerk in Mügeln.

Der in Mügeln hergestellte Sauermilchquark wurde seit 1980 hauptsächlich als Exportprodukt in die BRD, zur Herstellung von "Harzer Käse", geliefert. Mit der Wende wurde der Export eingestellt, aber Sauermilchquark wurde noch bis 1992 produziert.

Fortsetzung folgt

Siegfried Tietze

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