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Heimatgeschichte: Barocke Kunst aus Gips

Heimatgeschichte: Barocke Kunst aus Gips

In den kleinen und großen Museen verbergen sich oft Gegenstände, welche ein wenig beachtetes Schattendasein führen. Betrachtet man jedoch den einen oder anderen dieser Gegenstände genauer, so stellt man erstaunt fest, dass sie nicht nur einen (vielleicht) materiellen Wert, sondern - was viel wichtiger ist - einen hohen ideellen Wert haben.

Dahlen.

 

Sie können uns bei genauer Betrachtung vieles über ihre eigene Geschichte erzählen. So verhält es sich auch im Heimatmuseum Dahlen. Heute möchte ich einen Gegenstand vorstellen, welcher zunächst schon auf Grund seiner Größe auffällig ist, aber ebenfalls einen Teil seiner Geschichte nur bei näherer Betrachtung preisgibt. Seit reichlich einem Jahr präsentiert er sich in der Ausstellung des Heimatmuseums.

Hierbei handelt es sich um den Abguss eines Reliefs aus dem "Weißen Saal" des Dahlener Schlosses. Diese Stuckarbeit zeigt eine antike mediterrane Ruinenlandschaft. Da sie sich über einer der drei Türen befand, bezeichnet man sie auch als Supra Porta. Zunächst fällt auf, dass das Relief zweigeteilt ist. Dies ist wohl der Technik beim Anfertigen des Abgusses geschuldet. Es war wohl aufgrund der Größe (160 x 102 cm) und des Gewichtes (ca. 60 Kilogramm) nicht möglich, den Abguss in einem Stück vorzunehmen.

Weiterhin stellt man fest, dass die einzelnen Bildteile fast alle Beschädigungen aufweisen. Die Ursache hierfür mag darin liegen, dass der Abguss erst 13 Jahre nach dem Brand des Schlosses gemacht worden ist und das Original somit schon länger den Witterungsunbilden ausgesetzt war.

Die Reste des Originals (die Motive kann man hier jedoch nur noch erahnen) befinden sich immer noch an historischer Stelle. Beim genauen Betrachten einiger Details kam ich zu einer erstaunlichen Erkenntnis: Die auf dem Relief abgebildete Palme sieht nur beim flüchtigen Hinsehen wie eine Palme aus. Schaut man sie sich genauer an, so handelt es sich um ein Fantasiegewächs, welches aber auf jeden Fall eine Palme darstellen soll. Mit den abgebildeten Häusern stimmt nach eingehender Betrachtung ebenfalls etwas nicht. Die Dächer dieser Häuser haben Dachneigungen, wie sie hier in Mitteldeutschland üblich sind und nicht in Italien oder anderswo am Mittelmeer.

Das kann eigentlich nur bedeuten, dass der Künstler, welcher die Reliefs im Dahlener Schloss angefertigt hat, sich nie südlich der Alpen aufgehalten hat. Damit kann man die immer mal wieder geäußerte Annahme, dass die Reliefs im Weißen Saal des Dahlener Schlosses von einem italienischen Künstler angefertigt worden sind, wohl ausschließen. Ein Italiener hätte wohl kaum vergessen, wie die Häuser und Pflanzen seiner Heimat aussehen.

Damit rückt wieder der kurfürstliche Hofbildhauer Knöfler etwas mehr als Schöpfer der Reliefs in den Vordergrund. Wer sie aber letztendlich wirklich erschaffen hat, wird man wohl mit absoluter Sicherheit nicht mehr klären können.

Somit ergeben sich hiermit wieder mehr Fragen, als ich Antworten erhalten habe.

Hartmut Finger

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