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Heimatgeschichte: Das Johannesbad am Brühl Nr. 1

Heimatgeschichte: Das Johannesbad am Brühl Nr. 1

Die sich im 18. Jahrhundert rasch entwickelnde Schulmedizin und die Errichtung von Krankenhäusern drängten die Badereien immer weiter zurück.

Oschatz.

 

Von Dr. Manfred Schollmeyer

 

 

 

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Anstalten, die Wannen- und Dampfbäder anboten. In der Hospitalstraße/Ecke Am Mühlgraben (heute Hospitalstraße Nr. 11) hatte 1844 "der Maurermeister Robert Fleischer im Souterrain seines Hauses recht zweckmäßige Vorrichtungen zu warmen und kalten Bädern getroffen. Dadurch ist wenigstens etwas, namentlich für die Frauen gewonnen, welche bis jetzt auf alles Baden hatten verzichten müssen", schrieb die "Wart am Collm" am 19. Juni 1844.

Wenige Jahre später, am 6. April 1871, trat der Lohgerbermeister Moritz Seidler an den Oschatzer Stadtrat heran und ersuchte diesen, in seinem "Gehöft - auf der unteren Breiten Webergasse (heute Am Brühl Nr. 1) ein Dampf- und Wannenbad für das Publikum anzulegen und zu diesem Zwecke das nach dem Brühl zu gelegene Haus abzutragen, sowie ein neues Gebäude aufzuführen." Das zu den Wannenbädern benötigte Wasser beabsichtige er, aus dem Mühlgraben zuzuleiten.

Der Lohgerbermeister wollte sich offensichtlich neben seinem Gerberhandwerk in dem neuen Gebäude ein zweites "Standbein" schaffen und nannte seine Anstalt "Johannesbad". Verbunden mit diesem Bauvorhaben war auch eine Verbreiterung des Brühls vorgesehen. Der Stadtrat genehmigte das Anliegen.

Über einen separaten Eingang im Parterre konnte man die damals noch vorherrschenden Geruchsbelästigungen der Gerberei meiden und erreichte das "Johannesbad" mit einem Wartezimmer, einer Ankleide, vier Wannenbädern sowie sechs Dusch- und Dampfbädern.

Die Badelust der Oschatzer schien aber nicht sehr groß gewesen zu sein, denn schon nach vier Jahren rechnete sich das Geschäft nicht mehr und der Lohgerbermeister wollte das Bad schließen.

Mit Hilfe des Stadtbezirksarztes Dr. Moritz Siegert konnte der Stadtrat dazu gewonnen werden, die Preise zu stützen. Der Rat beschloss am 30. November 1875, einen Zuschuss von 450 Mark und 800 Bademarken für 30 Pfennige auszugeben. Damit konnte der Badebetrieb zunächst aufrechterhalten werden.

Existenzbedrohend für das Bad wurde der Sommer 1891. Der Besitzer der Obermühle, Christian Friedrich Hering, hatte dem Gerbermeister 1871 erlaubt, zur Einrichtung seiner Badeanstalt das Wasser des Mühlgrabens für die Anlage zu nutzen. Diese Zusage zog er nun zurück. Damit war das Ende des "Johannisbades" gekommen.

Heute ist uns das Grundstück als Wohnhaus des Rossschlächters Hermann Forker und als Richters und Kretschmars Schlosserei in Erinnerung.

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