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Heimatgeschichte: Deutsche Bahn beschenkt Oschatz

Heimatgeschichte: Deutsche Bahn beschenkt Oschatz

Vor 15 Jahren, genau am 18. Juli 1997, bekam die Stadt Oschatz ein großes Geschenk: 45,20 Meter lang und in jenem Jahr fast 160 Jahre alt.

Oschatz.

 

Von Axel Kaminski

 

 

 

Zu diesem Zeitpunkt stand die modernste, gerade erst für den Verkehr freigegebene Bahnbrücke der Strecke Leipzig-Riesa-Dresden neben dem ältesten erhaltenen Ingenieurbauwerk dieser Eisenbahnlinie. Das Denkmal hatte auf der neu ausgebauten Strecke keine Zukunft. Die Bauvorschriften für die ICE-Trasse ließen eine so enge Kurve, wie es sie bisher an dieser Stelle gab, nicht mehr zu.

Die Stadt Oschatz übernahm das Bauwerk. Die OAZ berichtete am nächsten Tag: "Der Oschatzer Hauptamtsleiter Manfred Schade, der die Übergabeurkunde in Vertretung des Oberbürgermeisters unterschrieb, freute sich zwar, dass das historische Kleinod erhalten bleibt, aber nicht darüber, dass die Stadt dafür in die Tasche greifen muss."

Wie das bei solchen Anlässen üblich ist, hatte die Stadt Oschatz auch ein kleines Geschenk für die Deutsche Bahn besorgt. Manfred Schade überreichte Hans-Jürgen Lücking, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG für Sachsen, die Reproduktion einer alten Stadtansicht. Der inzwischen Pensionierte weiß genau, dass dieses Bild nicht im Büro seines Nachfolgers hängt. Auch bei ihm zu Hause befindet es sich nicht mehr.

Im Bericht der OAZ über die Übergabezeremonie wurde auch darauf verwiesen, dass die Deutsche Bahn AG bereits die Genehmigung zum Abriss dieser Brücke in der Tasche hatte und das Landesamt für Denkmalpflege das Verschwinden dieses Zeitzeugen aus den Pioniertagen der Eisenbahn verhindern konnte. "Das Bauwerk ... soll nun als Aussichtsplattform in das Oschatzer Radwegenetz einbezogen werden", hieß es in dem OAZ-Bericht.

Bund und Land Sachsen unterstützten den Erhalt des Denkmales mit Fördermitteln. "Die Grundinstandsetzung kostete 240 000 D-Mark. Mit einer Bauabnahme im März des Jahres 2000 wurde sie abgeschlossen." Diese Fakten fand Dietmar Fellauer vom Stadtbauamt in den Akten.

Aus dem Erwerb der Brücke ergeben sich laufende Pflichten für die Stadt. Dazu sagt Dietmar Fellauer: "Auch wenn das ehemalige Viadukt keine Verkehrsaufgaben mehr zu erfüllen hat, ist es im Brückenkataster der Stadt Oschatz nach wie vor erfasst. Es unterliegt damit nach der DIN 1076 einer jährlichen Kontrolle durch das Stadtbauamt, aller drei Jahre einer einfachen Brückenprüfung und aller sechs Jahre einer Brückenhauptprüfung durch einen zugelassenen Brückenprüfingenieur." Für 2012 sei eine einfache Brückenprüfung vorgesehen.

Festgestellte Schäden würden dabei nach Dringlichkeit und bei den begrenzt zur Verfügung stehenden Mitteln auch nach der Allgemeinbedeutung einer Brücke beseitigt. "Beim Viadukt mussten in den letzten Jahren hauptsächlich Vandalismusschäden beseitigt werden", fügt Fellauer an.

Wenig Aussicht

Zugänglich ist das Bauwerk über den Dreibrückenweg. Kommt man vom Oschatzer Stadtzentrum, muss man vor den beiden Eisenbahnbrücken die Döllnitz überqueren. Von der führt ein kleiner Weg unter den Brücken hindurch. Danach erkennt man bereits das Geländer jener Treppe, die auf den Aussichtspunkt führt. Ob der Aussichtspunkt mit seiner Nähe an den Rio-Radwanderweg auch an das Radwegenetz "angeschlossen" ist, bleibt Ansichtssache. Ein Hinweis auf diesen der Stadt teuren und der Denkmalpflege wichtigen Punkt findet sich am Radweg nicht. Zu sehen gibt es hier - abgesehen von Zügen - nur wenig, wenn die Bäume an der Döllnitz Laub tragen: die Döllnitzaue, die Häuser auf dem Zschöllauer Berg, das Rathaus und die Friedhofskirche St. Georg. Wenig zu sehen ist inzwischen vom Pflasterweg auf der Brücke. Klee, Wegwarte und andere Wildkräuter haben sich dort ausgebreitet.

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